Anderswo Allein in Afrika

„Anderswo. Allein in Afrika“ // Deutschland-Start: 13. Dezember 2018 (Kino)

Auf nichts und niemanden ist mehr Verlass. Das muss auch Anselm Nathanael Pahnke feststellen, als seine beiden Mitstreiter verkünden, wieder umzukehren. Dabei hatten der 25-Jährige und seine zwei Freunde doch beschlossen, gemeinsam durch ganz Afrika zu radeln. Aber der schönste Plan bekommt seine Risse, wenn es erst einmal der sengenden Hitze der Kalahari-Wüste ausgesetzt ist. Pahnke entschließt sich zu bleiben, den unbekannten Kontinenten auf seine Weise zu erforschen. Und so fährt er einfach weiter. Sambia und Malawi, Tansania und Ruanda, Uganda und Äthiopien, sie alle liegen irgendwann auf seinem Reiseplan. Sie alle werden Teil von Anderswo. Allein in Afrika.

Denn Pahnke mag nicht viel dabei gehabt haben, reist nur mit dem nötigsten Gepäck. Für eine Kamera ist aber doch noch genügend Platz. Schon früher hielt der Hamburger Student ganz gerne mal besondere Momente mit einer solchen fest. Und besondere Momente, die gibt es auf seiner Reise genügend. Nicht alle davon sind bildlich festgehalten, vor allem die Begegnungen mit korrupten Beamten und der Aufenthalt in einem Gefängnis erleben wir – aus naheliegenden Gründen – lediglich als Erzählung.

Auf einer menschlichen Entdeckungsfahrt
Zu sehen gibt es aber natürlich dennoch mehr als genügend in dem Dokumentarfilm. Anders als viele Afrikadokus konzentriert sich Pahnke dabei nicht auf die reiche Tierwelt des Kontinents. Vielmehr ist er an den Menschen interessiert, sucht auch gezielt den Austausch mit ihnen. Und von wenigen Ausnahmen einmal abgesehen – darunter die besagten Passagen mit den Beamten – stellen sich diese auch als sehr bereichernd heraus. Wenn der junge Filmemacher davon erzählt, wie freundlich und hilfsbereit die Leute unterwegs sind, dann ist der Enthusiasmus so ansteckend, dass man fast selbst versucht ist, es ihm nachzutun.

So wie kürzlich Egal was kommt, so ist auch Anderswo. Allein in Afrika dann auch ein Plädoyer dafür, offen durch die Welt zu gehen, oder zu fahren, sich umzuschauen, zu erleben, alles in sich aufzunehmen, was um einen herum passiert. Wobei natürlich nicht alles hier positiv ist. 15.000 Kilometer mit dem Fahrrad unterwegs zu sein, das fordert dem Körper einiges ab, gleiches gilt für die diversen Erkrankungen, mit denen sich Pahnke herumschlagen musste. Trotz des grundsätzlich idyllischen, geradezu romantischen Tons des Films, an mehreren Stellen zeigt sich, wie gewagt diese Reise war. Vielleicht sogar fahrlässig.

Dass das Ganze am Ende gut ausgeht, daran besteht zwar kein Zweifel, sonst gäbe es ja diesen Film nicht. Und doch ist Anderswo. Allein in Afrika zwischendrin recht spannend, wenn jeder Tag ein neues Abenteuer bedeutet. Der Film kombiniert dabei viele persönliche Anekdoten, auch Überlegungen mit allgemeinen Informationen über die Länder. Zudem verwöhnt das bewegte Reisetagebuch mit vielen schönen Aufnahmen, welche die Vielfalt des Kontinents einfangen und mit dem Publikum teilen.

Anderswo. Allein in Afrika
4.3 (85.91%) 44 Artikel bewerten

Anderswo. Allein in Afrika
15.000 Kilometer mit dem Rad durch Afrika, ist das nicht ein bisschen verrückt? Vermutlich. Aber es ist auch eine lohnenswerte Erfahrung, sowohl für Anselm Nathanael Pahnke, der hier seine eigenen Grenzen austesten konnte, wie auch für das Publikum. Dabei kombiniert „Anderswo. Allein in Afrika“ Persönliches mit allgemeinen Infos und belohnt das Auge mit schönen Aufnahmen des Kontinents.
0ohne Wertung

Über den Autor

Chefredakteur

2 Responses

  1. Brigit

    Wir kommen gerade aus dem Cincinnati Kino und wir sind völlig geflasht, was für ein toller Film, hatte ein dauergrinsen mit Freudestränen die ganze Zeit und was für ein sympathischer toller Typ Du bist. Du stehst (sitzt 😘) da oben auf der Bühne und alle im Publikum lieben Dich. Ich habe einen Kollegen in Hamburg, den hab ich gerade schon erzählt und er kommt morgen. Danke für den schönen Abend und wir gucken ihn bestimmt auch nochmals. Schönen Abend.,😉

    Antworten
  2. Steve

    Obwohl die Aufnahmen und die Reise an sich sehr beeindruckend sind, so finde ich die filmische Umsetzung nur wenig gelungen. Pahnke wiederholt sich in seinen Grundaussagen sehr oft, geht sehr auf sein eigenes Befinden, aber wenig auf die anderen Kulturen ein, die ihn angeblich so faszinieren. Zum Beispiel beginnt der Film mit einer Szene in Südafrika, wo ein Einheimischer über die Polizei spricht – das ganze scheint aus dem Zusammenhang gerissen, der Zuseher darf sich den Rest selbst zusammenreimen/interpretieren. So geht es an vielen Stellen weiter – schnelle Flashes von Eindrücken, ein sich in seiner Gefühlswelt wiederholender O-Ton des „Regisseurs“, ein paar sporadische Begegnungen mit Einheimischen, kaum erwähnenswert, denn was steckt schon in einem Namen? Hauptsache, man zeigt europäische Expats wie einen britischen Englischlehrer oder einen Solartechniker vom Bodensee öfters beim Radeln. Irreführend ist auch, dass der Reisende zuerst Trinkwasser im Supermarkt einkauft und dann unterwegs plötzlich behauptet, er kaufe das nie ein, um den Einheimischen näher zu sein. Wie er in der Kalahari also zu Wasser kommt, steht in den Sternen.
    Der Film mag für die Instagram-Facebook-Generation gewiss eine Inspiration sein, wer sich aber einen tiefgehenderen Einblick in die Vielfaltigkeit Afrikas erhofft, den wird er eher enttäuschen.
    Ans Herz legen kann ich „Tief in Afrika“, eine Fotoreportage mit Kommentar von Hartmut Fiebig, die sehr berührend ist. Auch er ist mit dem Rad durch Afrika geradelt, etliche Jahre vorher, seine Begegnungen scheinen mir tiefgründiger und reflektierter zu sein als jene in der „Millennial“-Version mit zahlreichen Frontshots des grinsenden Pahnke.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.