„Kidō Keisatsu Patlabor“, Japan, 1988/89
Regie: Mamoru Oshii; Drehbuch: Kazunori Itō; Musik: Kenji Kawai

Patlabor Early DaysTokio platzt aus allen Nähten. Kein Zweifel: Es müssen neue Wohnmöglichkeiten her, größere Häuser, künstliche Inseln. Um dieser Herkulesaufgabe Herr zu werden, entwickelten Wissenschaftler riesige, von Menschen gesteuerte Roboter. Das Einsatzgebiet für diese Labor genannten Maschinen sollte eigentlich nur der Bau sein, was aber manche Menschen nicht davon abhält, sie für kriminelle Machenschaften zu missbrauchen. Um eben dies zu unterbinden, soll eine neue Spezialeinheit ran, die Tokyo MPD’s 2nd Special Vehicles Section, kurz SV 2, ausgestattet mit eigenen Riesenrobotern. Aber so ganz klappt das noch nicht, die unerfahrenen Rekruten sind zu oft mit sich selbst beschäftigt anstatt mit den Verbrechern da draußen.

Riesenroboter und Japan, das hat eine lange und sehr fruchtbare Tradition. Hierzulande hat man von den Mecha genannten Maschinen jedoch erst relativ spät erfahren. Von einigen wenigen Beispielen abgesehen – darunter ein paar Folgen von Goldorak – Kampf der Welten – blieben uns die Auftritte der technologischen Wunderwerke die ersten Jahrzehnte vorenthalten. Erst mit dem Auftauchen von Neon Genesis Evangelion wurde die Idee solcher humanoiden, oft hausgroßen Roboter nach und nach auch hier etwas alltäglicher.

Die Anfänge einer Erfolgsgeschichte
Für Patlabor kam das jedoch einige Jahre zu spät. Während die späteren Kinofilme auf Deutsch erschienen und auch die Real-Adaption The Next Generation übersetzt wurde, sind die Anfänge dieses Kultfranchises bis heute nur als Import erhältlich. Das ist schade, gerade bei der siebenteiligen OVA Early Days, mit der im April 1988 alles losging. Wie der Titel schon andeutet, geht es bei dem Anime um die Anfänge dieser Spezialeinheit. Die erste Folge dient der Einführung des damals in der Zukunft spielenden Szenarios, der Etablierung der Spezialeinheit sowie der Vorstellung der Hauptfiguren.

Letztere stehen in Early Days dann auch im Mittelpunkt. Die weißen, bewaffneten Roboter mögen, zumindest bei Anime- und Mangafans, später zu den Aushängeschildern der Reihe geworden sein. In der Serie werden sie jedoch erstaunlich selten genutzt. Mehr Zeit investierten Regisseur Mamoru Oshii und Drehbuchautor Kazunori Itō, die später mit Ghost in the Shell Science-Fiction-Geschichte schrieben, in das menschliche Team, ihre jeweiligen Vorgeschichten sowie die Interaktionen untereinander.

Auch Verbrechensbekämpfung darf Spaß machen
Die können sehr lustig sein. Anders als Oshiis späteren Kinofassungen (Patlabor, Patlabor 2) ist der Einstieg recht slapsticklastig, macht auch nicht vor dem obligatorischen Besuch eines Onsens Halt. Erst später wird es ernster, wenn es die Einheit mit Terroristen zu tun bekommt und die Einsätze nennenswert werden. Vorher hat man eher das Gefühl, dass Kriminalität gar nicht existiert, SV2 in Wahrheit Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für unfähige Jugendliche. Oft sind die Figuren mehr mit sich selbst beschäftigt als mit Bedrohungen in der Welt da draußen, geraten in komische Situationen. Eine Art Police Academy, nur eben mit Mechas statt mit herkömmlichen Autos. Und mit jeder Menge Charme. Ohne sie zu unfähigen Witzfiguren zu degradieren, ist Patlabor: Early Days eine humorvolle Serie über eine Gruppe von Menschen, die letzten Endes auch nur ihren Job machen – mal besser, mal schlechter.

Die Abenteuer, die sie dabei erleben, schwanken ebenfalls in ihrer Qualität, zumal der Anime keinen einheitlichen Ton findet. Vor allem die dritte Folge ist so absurd, dass sie ziemlich hervorsticht. Auch das mit der Entwicklung ist so eine Sache, die einzelnen Episoden sind zu losgelöst voneinander, als dass hier eine erkennbare Richtung vorliegen würde. Aber es macht Spaß, mit den Polizisten der Zukunft zu streiten und zu scheitern, dabei immer mal wieder über sich hinauszuwachsen. Und auch die Optik aus dem Haus Studio Deen (Angel’s Egg, Higurashi – When They Cry) trägt zusammen mit der Synthiemusik dazu bei, dass sich hier wohlig nostalgische Gefühle einstellen, selbst bei einer Erstsichtung. Die Animationen hätten manchmal etwas flüssiger sein dürfen. Dafür stimmt die Atmosphäre, die Serie ist in sich rund und gefällt durch gelegentliche visuelle Spielereien.

Patlabor: Early Days
4.25 (85%) 20 Artikel bewerten

Patlabor: Early Days
Mit den sieben Folgen von „Patlabor: Early Days“ nahm die Erfolgsgeschichte der Polizeispezialeinheit ihren Anfang. Der ist slapsticklastiger als die späteren Kinoauftritte. Trotz gelegentlicher Qualitätsschwankungen und eines fehlenden roten Fadens machen die Abenteuer aber Spaß, die Animeserie um Riesenroboter ist sympathisch und voll von nostalgischem Charme der späten 80er.
7von 10

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