The Next Generation Patlabor
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The Next Generation: Patlabor

„The Next Generation: Patlabor“, Japan, 2014/15
Regie: Mamoru Oshii; Drehbuch: Kei Yamamura; Musik: Kenji Kawai
Darsteller: Erina Mano, Toshio Kakei, Seiji Fukushi, Rina Ohta, Shigeru Chiba

The Next Generation Patlabor SerieEs gab eine Zeit, da war die Spezialeinheit Patlabor, die gegen die Kriminalität rund um die riesigen Konstruktionsroboter kämpfte, ein wichtiges Element beim Bewahren des Friedens in Japan. Doch das ist lange her. Gebraucht werden die massiven Maschinen inzwischen praktisch nicht mehr, weder im Alltag, noch bei der Verbrechensbekämpfung. Die Spezialeinheit gibt es zwar noch immer, hat aber keine echte Funktion mehr, weshalb die Teammitglieder ständig um ihre Auflösung bangen müssen. Bis sich tatsächlich wieder Vorfälle häufen, die einen Einsatz rechtfertigen. Aber sind die Labors und die Menschen heute überhaupt noch einsatzfähig?

Ein bisschen gemein ist das schon. Vielleicht sogar eine Provokation. Seit 2008 warten Anime-Fans darauf, dass sich Mamoru Oshii mal wieder der Welt des gezeichneten Bildes zuwendet. Das japanische Urgestein, das mit Ghost in the Shell maßgeblich dazu beitrug, dass fernöstliche Zeichentrickkunst im Westen salonfähig wurde, will von Letzterer aber nichts mehr wissen, The Sky Crawlers war sein letzter längerer Anime. Aber als wäre das nicht schon schlimm genug, wandte er sich vor einiger Zeit Patlabor zu, der Kultreihe um riesige Roboter, die er in den 80ern/90ern mit einer OVA-Serie und zwei Kinofilmen bekannt machte. Doch statt des erwarteten Animationscomebacks entschloss er sich, die Veteranen als Live-Action-Variante unters Volk zu bringen.

Die Zukunft von gestern
Als Fan des Originals begegnete man diesem Unterfangen daher mit einer Mischung aus Misstrauen und Neugierde. Würde Oshii, dessen letzten Filme kaum noch wahrgenommen wurden, zu alter Stärke zurückfinden? Lässt sich das nunmehr 30 Jahre alte Konzept so ohne weiteres wieder aufgreifen, als neues Medium? Eine richtig eindeutige Antwort auf diese Fragen gibt The Next Generation nicht. Ein Grund: Die Serie kann sich nicht so recht entscheiden, ob sie die Geschichte von damals nun fortsetzen will oder was Eigenes schaffen.

Grundsätzlich ist der Inhalt unabhängig von dem Klassiker, die wenigen notwendigen Vorkenntnisse werden im Vorspann mitgegeben. Und doch ist der Blick auf eine seltsame Weise immer nach hinten gerichtet. Wo Patlabor damals noch von einer Zukunft erzählte, die Kinofilme sich mit der Gegenwart auseinandersetzten, wird hier vor allem über früher gesprochen. Was aus den Maschinen wurde, den Menschen, der Gesellschaft, der Wirtschaft. Vieles zerfällt hier, vielleicht als Spiegel für Japan, das als Wirtschaftsmacht seit den Ursprüngen der Reihe an Bedeutung verloren hat.

Ein Witz ohne Substanz
Gleichzeitig ist The Next Generation aber auch sehr albern. Das ist ebenfalls nichts Neues, Humor, gerade aus der Slapstickrichtung, war von Anfang an dabei. Erneut sind die Figuren oft eher mit sich selbst und ihrem Alltag beschäftigt, beispielsweise der Frage nach dem Mittagessen. Das ist manchmal ganz lustig, oft aber auch einfach banal. Beim Anime-Original ließ sich darüber leichter hinwegsehen, da auf diese Weise die Charaktere langsam aufgebaut wurden. Hier will das aber nicht so klappen, auch zwölf Folgen später sind sie recht leblos – und das obwohl sie von Menschen verkörpert werden.

Dafür sieht die Serie ziemlich gut aus. Wenn Animes bzw. Mangas als Live-Action-Variante umgesetzt werden, dann kann das mitunter recht trashig enden – siehe etwa Assassination Classroom. Bei The Next Generation ließ man sich aber nicht lumpen, das Budget von umgerechnet 20 Millionen Dollar wurde in ansehnliche Effekte investiert. Nur kommen diese eben selten zum Einsatz. Die Roboter stehen die meiste Zeit nur rum, die wenigen Male, wo sie ihr Können zeigen dürfen, sind wenig interessant. Und das ist schon recht schade. Nicht nur, weil die Neuauflage einfach nicht die Stimmung der Vorlage erreicht, sondern auch weil das Drumherum sehr viel mehr erlaubt hätte – wäre der Inhalt nur besser gewesen.



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Die kultigen Polizei-Riesenroboter aus den 80ern und 90ern sind zurück, wenn auch nicht so wie erhofft. Während „The Next Generation“ optisch durchaus gelungen ist, enttäuscht die Serie inhaltlich. Die Figuren bleiben trotz vieler komischer Einlagen irgendwie leblos, es geschieht auch einfach nicht so wahnsinnig viel.
5
von 10