(OT: „Star Wars: Episode VIII – The Last Jedi“, Regie: Rian Johnson, USA, 2017)

Star Wars VIII Die letzten Jedi

„Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi“ läuft ab 14. Dezember 2017 im Kino

Auch wenn der Widerstand der Ersten Ordnung einen massiven Schlag versetzt hat, den Aufstieg der Terrororganisation konnte er damit nicht verhindern. Verfolgt von General Hux (Domhnall Gleeson) und dem hasserfüllten Kylo Ren (Adam Driver) scheint für die Flotte von General Leia Organa (Carrie Fisher) das letzte Stündlein geschlagen zu haben. Doch der draufgängerische Pilot Poe Dameron (Oscar Isaac) hat schon einen Plan, wie er dem übermächtigen Feind ein Schnippchen schlagen kann. Zeitgleich ist die neu rekrutierte Widerstandkämpferin Rey (Daisy Ridley) bei dem legendären Jedi-Meister Luke Skywalker (Mark Hamill) angekommen und hofft bei ihm nicht nur, in die Macht eingewiesen zu werden, sondern auch endlich mehr über ihre Eltern zu erfahren.

So umstritten der Film im Nachhinein bei vielen ist, eines ist unbestreitbar: Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht war DAS Kinoereignis im Jahr 2015. Da wurden reihenweise Rekorde gebrochen, der Hype war nicht mehr von dieser Welt. Kein Wunder. Schon unter normalen Umständen hätte ein neuer Teil aus der Sternensaga den Ausnahmezustand bedeutet. Und hier waren die Umstände alles andere als normal, durften wir doch endlich erfahren, was aus den Helden der ersten Stunde geworden war. J.J. Abrams war dann auch äußerst geschickt darin, an die Nostalgie in den älteren Fans zu appellieren. Nicht nur, dass wir mehr als 30 Jahre später Luke, Leia und Han wiedersehen durften, es gab so viele Anspielungen und Referenzen, als hätte man ein altes Jahrbuch ausgegraben. Das war im Nachhinein schon ein bisschen übertrieben, nach der anfänglichen Euphorie steht der Film nun in dem Ruf, zu vorsichtig gewesen zu sein, zu sehr die alten Teile, allen voran Eine neue Hoffnung, kopiert zu haben.

Viele Fragen, überraschende Antworten
Nun also Die letzten Jedi. Der Hype mag insgesamt etwas schwächer sein, doch zumindest Fans haben dem mittleren Teil der neuen Trilogie enorm entgegengefiebert. Schließlich hatte Das Erwachen der Macht bei all den Wiederholungen doch auch eine Menge Neues gebracht – und damit offene Fragen. Was hat Luke all die Jahre getrieben? Wer sind die Eltern von Rey? Wie sieht der geheimnisvolle Snoke im wahren Leben aus? Tatsächlich liefert Rian Johnson (Looper) auf all diese Fragen eine Antwort. Es sind nur nicht unbedingt die Antworten, die erwartet oder gar erhofft wurden. Die große Stärke des nunmehr achten Teils ist es dann auch, wie sehr er mit den Erwartungen des Publikums gespielt. Im einen Moment erfüllt er sie, im nächsten stellt er alles auf den Kopf.

Großartig ist das in dem Handlungsstrang um Luke und Rey gelöst. Natürlich werden hier Erinnerungen an Das Imperium schlägt zurück wach, in dem ebenfalls der junge Protagonist bei einem alten Meister in die Lehre geht. Dass hier der Schüler von einst nun das Sagen hat, schließt schön den Bogen. Gleichzeitig weicht diese Konstellation beim späten Nachkommen aber deutlich von dem ab, was sich 1980 noch auf Dagobah zugetragen hat. Zusätzlich zu den düsteren Szenen, die auch in einem Horrorfilm nicht deplatziert werden, widmet sich Johnson den seelischen Abgründen zu. Es sind die packendsten Momente in dem Streifen, nicht zuletzt der Besetzung wegen: Hamill zeigt sich hier in Bestform, spannend sind zudem die gemeinsamen Auftritte von Ridley und Driver. Während die Britin schon beim letzten Mal viel Lob einheimste, wurde ihr amerikanischer Kollege zu Unrecht als Fehlbesetzung geschimpft. Daran wird Die letzten Jedi vielleicht nichts ändern, zumindest darf der Mime aber zeigen, wie viel schauspielerische Intensität in ihm schlummert.

Licht und Schatten
Während an diesen Stellen hervorragende Arbeit geleistet wurde und der Film dafür in ersten Reaktionen euphorisch dafür aufgenommen wird, so ist das nur die halbe Wahrheit. Schließlich musste Die letzten Jedi ja auch noch erzählen, was mit den anderen Figuren so los ist. Und hier fangen die vielen Schwächen an, die den neuesten Star Wars plagen. Um Rey und Luke die Möglichkeit zu geben, ein bisschen mehr Zeit miteinander zu verbringen und zueinanderzufinden, entschied sich Johnson dafür, den zweiten Strang einfach anzuhalten. Der Aufstieg des Ersten Ordens, der Zusammenbruch der Republik, die Dezimierung des Widerstands – all das wird in dem ikonischen Lauftext erzählt. Danach folgt Leerlauf. Ein sehr, sehr langer Leerlauf. Zweieinhalb Stunden dauert der Film, länger als jeder andere Teil der Saga. Und doch hat er am wenigsten zu erzählen. Was sich hier zuträgt, das hätte beispielsweise Star Wars Rebels im Rahmen einer Folge abgearbeitet. Umständlich, einfallslos und unnötig wird die ohnehin schon absurde Situation in die Länge gezogen. Auch Das Imperium schlägt zurück erzählte von einer parallel stattfindenden Flucht. Bei der hatte man jedoch wenigstens den Eindruck, dass es wirklich vorangeht und auch dass sich die Figuren entwickeln.

So interessant es ist, was Johnson mit Luke, Rey und Kyol anstellt, so langweilig ist ein Großteil des Rests. Mit Finn wusste er beispielsweise nichts anzufangen, Poe wird zu einem kopflosen Draufgänger degradiert, BB-8 ist lediglich als Comic Relief drin, das neue Widerstandsmitglied Rose Tico (Kelly Marie Tran) wird nur mit viel Schmalz hineingequetscht. Besonders schlimm hat es aber General Hux (Domhnall Gleeson) erwischt, der von einem faschistoiden Despoten zu einer Witzfigur mutiert. Eine ziemliche Verschwendung, wer den Iren in anderen Filmen gesehen hat. Und auch sonst ist das mit der Komik von Die letzten Jedi so eine Sache. Sicher, Humor hat es immer in Star Wars gegeben. Die Original-Trilogie hatte witzige Momente. Die Prequels ebenfalls – mal beabsichtigt, mal weniger. Auch in Das Erwachen der Macht und in Rogue One: A Star Wars Story durfte gelacht werden. Das Vorhandensein von Witzen ist also nicht per se falsch. Sie sind sogar oft tatsächlich witzig. Sie passen nur so gar nicht in den Film. Die Oneliner und Slapstick-Momente sind wie aus einem Marvel-Film und beißen sich gehörig mit dem Rest. Als hätte sie ein fremder Autor in das Drehbuch geschmuggelt.

Angriff der langweiligen Computerviecher!
Ärgerlich ist auch der Versuch, mithilfe von kleinen CGI-Figuren offensichtlich noch ein paar Plüschtiere zum Weihnachtsgeschäft verkaufen zu wollen. „Aber die Ewoks!“, wird so mancher da einwenden. Das ist nicht ganz falsch. Während die metergroßen Teddybären sicher auch mit wirtschaftlichem Interesse entworfen wurden, so waren sie doch in Die Rückkehr der Jedi-Ritter zumindest stark in die Handlung integriert. Ganz anders die willkürlichen Kreaturen, die hier mittendrin auftauchen, ohne dass irgendwie klar würde warum. Erschwerend kommt hinzu, dass sie den typischen Computerlook haben, wie so vieles hier. Bei Das Erwachen der Macht waren die Beschwerden schon groß, dass Maz Kanata eine uninspirierte kleine Rechnerkreatur war. Das ist dieses Mal nicht anders, eher noch schlimmer. Die bizarren Wesen, unter George Lucas noch ein Höhepunkt der Reihe, sind langweilige Abziehbilder geworden, wie man sie in No-Name-Computerspielen findet. Da hatte das oft kritisierte Valerian – Die Stadt der tausend Planeten dieses Jahr doch sehr viel mehr Abwechslung und Einfallsreichtum zu bieten. Besonders tragisch ist das bei Snoke, dessen künstliches 08/15-Aussehen verhindert, dass er auch nur ansatzweise mit dem diabolischen Imperator mithalten kann.

Und das ist schade. Schade nicht nur, weil die Erwartungen an Die letzten Jedi gigantisch waren, jetzt wo alle Figuren etabliert waren und Lucasfilm sich auf die Geschichte konzentrieren konnte. Schade ist es, weil es hier so viel hervorragendes Material gibt, exzellente Schauspieler – unter anderem stößt Laura Dern als Vize-Admiralin zur Truppe – an jeder Ecke, es dieses Mal endlich auch neue Raumschiffe gibt. Aber so wie eben alles zwei Seiten in dem Film hat, Licht und Schatten nicht ohne einander können, so treffen hier eben sehr starke auf sehr schwache Elemente. Für Fans ist der Film trotz allem natürlich ein Muss, allein schon, um der letztes Jahr verstorbenen Carrie Fisher ihre letzte Ehre zu erweisen. Das erhoffte Meisterwerk ist der Film aber nicht geworden, sondern „nur“ ein gutes Science-Fiction-Märchen, das viel von Balance redet, es selbst aber nicht so mit der Balance hat.

Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi
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Star Wars: Episode VIII – Die letzten Jedi
Kaum einem Film wurde mehr entgegengefiebert, über kaum einen vergleichsweise viel spekuliert wie über „Die letzten Jedi“. Nun sind die Antworten da, aber sie fallen anders aus als erwartet. An vielen Stellen zeigt der achte Teil der Sternensaga Brillanz und Mut, geht Wege, die George Lucas nie gewagt hätte. Aber nicht alle führen dabei ans Ziel. Nicht genutzte Figuren, eine auf der Stelle tretende Geschichte, unpassende Witze und eine unbefriedigende CGI-Optik vermiesen, was eigentlich ein Meisterwerk hätte sein sollen.
7von 10

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3 Responses

  1. Bastian Quednau

    Ich weiß noch nicht so genau, was ich von dem Film halten soll. Einige Sachen macht er richtig geil, da traut er sich mal etwas und kreiert teils wunderschöne Szenen – an anderen Stellen war er widerum fast lächerlich.
    Besonders gefallen hat mir die Figurenentwicklung bei Rey, Poe und Kylo Ren (auch wenn sie bei letzterem etwas holprig war). Mark Hamill fand ich großartig und bei John Williams‘ Musik hatte ich des Öfteren Gänsehaut. Inhaltlich war mir der Film aber mal wieder zu unkreativ – in der ersten Hälfte orientiert er sich sehr stark an „Das Imperium schlägt zurück“, anschließend bedient er sich schön an „Die Rückkehr der Jedi-Ritter“, bevor er am Ende wieder zu Episode V zurückkehrt. Gegen Hommagen oder kleinere Anspielungen habe ich ja gar nichts, aber das war mir nach „Das Erwachen der Macht“ mal wieder zu viel abgekupfert. Hinzu kommen einige Stellen, wo man es mit der Logik nicht so genau nimmt. Dass heutzutage beinahe jeder Blockbuster mit Humor zugeklatscht werden muss, muss man wohl hinnehmen. Dennoch habe ich gehofft, dass Rian Johnson sich hier etwas zurücknehmen würde, was er leider nicht getan hat.

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