(„Rogue One: A Star Wars Story“ directed by Gareth Edwards, 2016)

„Rogue One: A Star Wars Story“ läuft ab 15. Dezember im Kino

Es ist eine unglaubliche Nachricht, die der desertierte Pilot Bodhi Rook (Riz Ahmed) da zu erzählen hat: Das Imperium soll an einer Waffe arbeiten, mit der ganze Planeten zerstört werden können. Aber stimmt das auch oder handelt es sich um eine Falle? Und wenn es stimmt, was genau steckt dahinter? Captain Cassian Andor (Diego Luna) und der umprogrammierten Ex-Imperiumsdroide K-2SO sollen der Sache auf den Grund gehen und dafür die verurteilte Verbrecherin Jyn Erso (Felicity Jones) befreien. Denn ausgerechnet ihr Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) soll im Auftrag des imperialen Militärdirektors Krennic (Ben Mendelsohn) an eben dieser Waffe arbeiten.

Sinnvolle Erweiterung oder pure Geldmacherei? Die Ankündigung des frisch von Walt Disney aufgekauften Lucasfilm, in Zukunft neben den regulären Hauptfilmen noch diverse Spin-offs zu Star Wars drehen zu wollen, stieß nicht überall auf Gegenliebe. Nun liegt mit Rogue One: A Star Wars Story der erste Beitrag dieser neuen Linie vor und macht es einem nicht ganz einfach, eine eindeutige Antwort auf die obige Frage zu geben. Die gute Nachricht vorweg: Regisseur Gareth Edwards und sein Drehbuchteam wagen tatsächlich, hier in mancher Hinsicht Neuland zu betreten und anders als das enorm auf Nummer sicher gehende Das Erwachen der Macht auch etwas zu riskieren. Die schlechte Nachricht: Nicht jede Neuerung ist dabei eine, die es sich nachzuahmen lohnt.

Aber erst einmal zum Bekannten: Dass einige wagemutige Rebellen unter Einsatz ihres Lebens die geheimen Pläne des Todessterns klauen konnten, das wissen wir seit bald 40 Jahren, markierte das Ereignis doch seinerzeit den Einstieg von Eine neue Hoffnung. Viel Spielraum gab es daher nicht, als sich das Team hinter Rogue One an die Arbeit machte, das „was“ durch ein „wie“ zu ergänzen. Insofern ist es beachtlich, wie eigenständig der Film geworden ist, theoretisch sogar ohne Vorkenntnisse verstanden und genossen werden könnte. Das soll nicht bedeuten, dass Edwards auf Anspielungen und kleine Geschenke an alte Fans verzichtet hätte. Die meisten davon sind jedoch so organisch eingebaut, dass sie nicht zum reinen Gimmick verkommen.

Schön ist zudem, mit wie viel Respekt der Filmemacher Hollywoods heiliger Kuh begegnet, beispielsweise die Einrichtung des Todessterns im altmodischen Stil der späten 70er belässt, einige Bilder und Einstellungen direkt aus der Original-Trilogie entnommen sein könnten. Oder sogar sind. Und auch die Prequels finden hier eine kleine Fortsetzung. Weniger schön ist jedoch, wie krampfhaft versucht wurde, alte Figuren mithilfe neuer Technologien wiederzubeleben. Gerade weil an vielen Stellen auf Retro-Look gesetzt wurde, sind die unsagbar hässlichen und unnatürlichen CGI-Menschen inakzeptabel. Bei allem Verständnis für die durch den Inhalt vorgegebenen Nöte, eine derart billige Lösung hätte echt nicht sein müssen.

Ebenfalls erschreckend ist der Hang zum Kitsch, den man in dieser Form selbst bei den vielgeschmähten Prequels nicht ertragen musste. Vor allem zum Ende hin kommt hier so viel zusammen, dass man sich wünschen würde, doch fünf Minuten früher auf Toilette gegangen zu sein. Und das ist auch deshalb so bedauerlich, weil das actionreiche Finale auf eine Weise fesselt, wie es Star Wars seit der Original-Trilogie nicht geschafft hat. Gerade weil keine der Figuren in den späteren Teilen auftaucht, steht lange nicht fest, was mit ihnen passieren wird, in Rogue One geht es endlich mal wieder um etwas. Hinzu kommt, dass es – auch hier hat der Film im Vergleich zum großen Bruder vom letzten Jahr die Nase vorn – wieder zu einem epischen Luftkampf kommt, in dem die beliebten Raumschiffe von damals, aber auch einige neue Vehikel zum Einsatz kommen, es an allen Ecken und Enden des Weltraums brennt. Da sieht man dann auch darüber hinweg, dass einige der Kampfszenen ein bisschen sehr over the top geworden sind.

Das größte Manko von Rogue One: A Star Wars Story ist jedoch eines, das sich nicht nur punktuell zeigt, sondern über den ganzen Film zieht: die Figuren. Dass Cassian, Jynn und Konsorten aufgrund des Rahmens nicht zu ähnlichen Ikonen wie Luke, Leia und Han Solo werden können, versteht sich von selbst. Ganz so lieblos wie hier sollte es dann aber doch nicht zugehen, auch im Vergleich zu den neuen Kollegen aus Erwachen der Macht zieht das improvisierte Einsatzkommando den Kürzeren, hat weniger Charisma und weniger Persönlichkeit. Vor allem bei den Hollywoodgrößen Mikkelsen, Donnie Yen und Forest Whitaker hat man den Eindruck, dass sie ausschließlich des Namens und der verkaufsfördernden Wirkung ihren Weg in den Film gefunden haben, die Rollen selbst haben nur wenig Substanz. Noch schlimmer sieht es bei Jiang Wen aus, der als Assassine Baze Malbus zwar ständig große Wummen durch die Gegend trägt, aber nichts sagt, an das man sich im Anschluss noch irgendwie erinnern könnte. Versöhnlich stimmen die letzten beiden im Bunde, der hypernervöse Deserteur Bodhi sowie der zynische Droide K-2SO, der wie seine Kollegen R2-D2 oder auch Chopper (Star Wars Rebels) oft für den Comic Relief herhalten muss. Das klappt dafür ziemlich gut, so wie man Rogue One trotz der diversen Mängel seine über zwei Stunden dauernde Laufzeit selten anmerkt. Für einen „echten“ Star Wars reicht der gute Action-Sci-Fi-Vertreter dann aber doch nicht.

Rogue One: A Star Wars Story
4.5 (90%) 8 Artikel bewerten

Rogue One: A Star Wars Story
Viel Licht, aber auch störender Schatten: „Rogue One: A Star Wars Story“ ist ein insgesamt gelungener Einstieg in die neue Spin-off-Reihe, der sich tatsächlich etwas traut, kurzweilig ist, schöne Verneigungen vor den Hauptteilen enthält und einen epischen Endkampf bietet. Abzüge gibt es jedoch für die uninteressanten Figuren, einige CGI- und Action-Entgleisungen und den befremdlichen Hang zum Kitsch.
7von 10

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