(„Looper“, directed by Rian Johnson, 2012)

LooperZeitreisen sind schon was Feines. Man kann ein paar Tage in die Zukunft fahren, um die neuesten Lottoergebnisse zu erfahren. Oder mit Hilfe eines Feuerzeugs einige zehntausend Jahre in der Vergangenheit vor Neandertalern ein bisschen Gott spielen. Und auch wer unliebsame Leute loswerden möchte, dem öffnen sich durch diese Technik ganz neue Vertriebswege. Wer kommt schließlich auf die Idee, Vermisste in einer anderen Zeit zu suchen? Und genau um dieses Entsorgen diverser Persona non grata dreht sich der Film Looper. Während für Otto-Normal-Verbraucher Zeitreisen selbst im Jahr 2074 unerschwinglich – weil illegal – sind, erfreuen sie sich bei zukünftigen Mafiabanden großer Beliebtheit, bieten sie doch eine schnelle und saubere Möglichkeit, Konkurrenten auszuschalten. Einfach 30 Jahre in die Vergangenheit schicken, von Handlangern abknallen und verschwinden lassen, fertig. Und das alles ohne Zeugen!

Bis auf einen natürlich: der „Looper“, wie die mörderischen Müllmänner im Film genannt werden. Eine heikle Angelegenheit: Zwar werden sie für ihr Schweigen bezahlt, und das sogar nicht zu schlecht. Aber so richtig sicher kann man sich der Loyalität eines Auftragskillers ja nie sein, denn moralische Integrität ist bei diesem Job aus naheliegenden Gründen eher selten Einstellungskriterium. Und so werden Looper, die tatsächlich alt genug werden, wenn in 30 Jahren die Zukunft zur Gegenwart wird, ebenfalls zurückgeschickt und abgeknallt. Womit dann auch der Loop geschlossen wird, wie es in dem Film so schön heißt.

Pikanterweise obliegt es ausgerechnet dem betroffenen Looper, sein zukünftiges Ich zu töten. Womit wir wieder beim Anfangsproblem wären. Denn so kaltblütig die Killer bei ihrer alltäglichen Arbeit auch sein mögen, das 30 Jahre ältere Ich töten zu müssen, ist dann doch eine ganz andere Nummer. Und eine, an der so mancher Looper gescheitert ist, sehr zum Missfallen der Auftraggeber. Wer seinen Fehler dann nicht ganz rasch genug wieder behebt, bezahlt das mit seinem Leben. Mindestens. Wenn er Glück hat.Looper Szene 1

Und in genau dieser Situation findet sich unser „Held“ wieder: Joe jr. (Joseph Gordon-Levitt) trifft 2044 unerhofft auf Joe sen. (Bruce Willis), der so rein gar keine Lust hat, sein Leben vorzeitig beenden zu lassen. Auch nicht von sich selbst. Was zu einer interessanten Konstellation führt: Joe jr. muss sein altes Alter Ego töten, um zumindest noch 30 Jahre leben zu dürfen. Joe sen. hingegen will sein jüngeres Ich vor Schaden bewahren, sonst stirbt er logischerweise gleich mit. Es ist diese asymmetrische Verfolgungsjagd, die nicht nur für Spannung sorgt, sondern auch für einen wohltuend originellen Dreh bei einem doch altbekannten Thema. Später wird jedoch ein wenig das Tempo aus dem Film genommen, an Stelle von Kampfszenen treten dann die Lebensgeschichte von Joe und interessante moralische Fragen in den Vordergrund. Reine Actionfans mögen das bemängeln, doch diese ruhigen Szenen sind wichtig, schließlich bereiten sie inhaltlich auf den großen Showdown vor.

So rein gar nichts zu meckern gibt es bei der Besetzung. Joseph Gordon-Levitt gehört spätestens seit The Dark Knight Rises zu den derzeit größten Shooting Stars. Und Bruce Willis darf beweisen, dass er – Stirb Langsam 5 zum Trotz – durchaus noch für launige Actionszenen zu haben ist. Emily Blunt als kämpferische Mutter und Jeff Daniels als skrupelloser Mafiaboss runden das Schauspielerensemble ab. Erwähnenswert übrigens, wie die Maskenbildner mit Hilfe von Prothesen und einer digitalen Angleichung der Augen eine fast schon erschreckende Ähnlichkeit zwischen Gordon-Levitt und Willis erzeugt haben.Looper Szene 2

Etwas zwiespältiger hingegen ein Handlungselement, das sich ebenfalls von Anfang an durch den Film zieht: Superkräfte. Diesem Element verdanken wir zwar einige richtig coole Szenen, es lässt den Film aber auch etwas unnötig ins Fantastische abgleiten. Eine „konventionellere“ Auflösung der Handlung hätte es da auch getan. Hinzu kommen die bei Zeitreisen fast zwangsläufig auftretenden Widersprüche und Logikfehler. Anfangs halten die sich noch in Grenzen, später wimmelt es quasi von ihnen. Aber wer über diverse wenig plausible Szenen hinwegsehen kann – und ganz ehrlich, als Science-Fiction-Fan sollte einem das nicht schwerfallen – darf sich auf einen gut gemachten und überzeugend gespielten Film freuen, der auch ohne CGI-Orgien frischen Wind ins Genre bringt.

Looper erscheint am 21. Februar auf DVD und Blu-ray

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4.67 (93.33%) 6 Artikel bewerten

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Die Idee der Zeitreisen ist so alt wie das Science-Fiction-Genre an sich. Umso erfreulicher, dass Regisseur und Drehbuchautor Rian Johnson bei Looper dem etwas ausgelutschten Thema ganz neue Aspekte abgewinnt. Wirklich logisch ist hier zwar nur wenig, dafür ist die Geschichte um den zweifachen Auftragskiller sehr unterhaltsam.
8von 10

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