(OT: „Lux – Krieger des Lichts“, Regie: Daniel Wild, Deutschland, 2017)

Lux

„Lux – Krieger des Lichts“ läuft ab 4. Januar 2018 im Kino

Torsten Kachel (Franz Rogowski) ist ein netter, zuvorkommender, aber doch recht unscheinbarer junger Mann, der noch bei seiner Mutter (Eva Weißenborn) wohnt und tagsüber in einem Lager arbeitet. Nachts verwandelt er sich jedoch in den großen, kostümierten Helden Lux. Zumindest wäre er das gerne. Anstatt Verbrecher zu jagen, teilt er jedoch Essen an Obdachlose aus. Für die beiden Dokumentarfilmer Jan (Tilman Strauß) und Lina (Anne Haug) hat die Geschichte dennoch Potenzial. Und auch Produzent Brandt (Heiko Pinkowski) lässt sich breitschlagen, die Geschichte ins Fernsehen zu bringen – gesetzt den Fall, dass sie da noch ein bisschen mehr Spannung herauskitzeln können. Da trifft es sich doch gut, dass Torsten eines Nachts der Stripperin Kitty (Kristin Suckow) über den Weg läuft und sich in sie verliebt.

Helden braucht das Land! Den Eindruck könnte man zumindest gewinnen, wenn man das Kinoprogramm regelmäßig verfolgt. Eskapismus war ja schon immer eines der Hauptanliegen von der Traumfabrik – neben dem Geldverdienen natürlich –, Filme, in denen die Welt oder zumindest ein hübsches Fräulein von einem muskelbepackten Strahlemann gerettet wird, gehören zum festen Repertoire. So manch einer schaut da auf die Leinwand und wünscht sich, selbst so jemand zu sein.

Was bedeutet es, ein Held zu sein?
Nun hat Torsten aber relativ wenig von den Übermännern, die uns andauernd vor der Nase herumstolzieren. Körperlich ist er ganz gut beisammen, wie wir bei seinen Trainingseinheiten sehen. Von der Persönlichkeit her passt es aber weniger. Und sein selbst gebasteltes Kostüm würde selbst bei irgendwelchen Fan Conventions kaum ernstgenommen werden. Am schlimmsten ist aber der Gegensatz zwischen den Rettungsfantasien und seinem bescheidenen Alltag. Nicht dass etwas falsch daran wäre, Obdachlose mit Essen zu besorgen. Vielmehr erzwingt dies die Frage, was es eigentlich bedeutet, ein Held zu sein. Ist es wichtiger, böse Buben auszuschalten oder sich um die Leute zu kümmern, die an der Fußsohle der Gesellschaft kleben?

Die Frage ist relevant, umso mehr, da sie auch Zuschauer miteinbezieht, die vielleicht nicht die Zeit und körperlichen Voraussetzungen mitbringen, auf Dächern herumzuturnen. Regisseur und Drehbuchautor Daniel Wild, der hier sein Spielfilmdebüt abgibt, nimmt diese Frage auch durchaus auf. Aber es ist nur einer von vielen Aspekten in Lux. Zunächst einmal glaubt man hier, eine Komödie vor sich zu haben. Genauer weckt der Film Erinnerungen an Mockumentaries wie Mann beißt Hund, nur dass hier eben kein Serienmörder von einem Kamerateam verfolgt wird, sondern ein Amateurheld. Die Mechanismen sind aber ähnlich, die pseudodokumentarischen Aufnahmen zeigen mit viel Humor einen nicht ganz alltäglichen Alltag. Dazu gehören dann auch Interviews mit der Mama und sonstige Ausschnitte aus dem Privatleben.

Gleichzeitig ist Lux aber auch ein Drama. Auch wenn sich der Film zeitweise ein wenig über seinen Helden lustig macht und ihn in lächerlichen Momenten porträtiert, so betont er gleichzeitig die ernstzunehmenden Sehnsüchte. Wild erzählt die Geschichte eines Mannes, den kaum einer wahrnimmt. Ein Mensch, der gern so viel mehr hätte als sein kleines, unbedeutendes Leben und sich dafür in Fantasien stürzt – ohne sich der Außenwirkung bewusst zu sein. Und das geht durchaus zu Herzen, umso mehr, da Torstens Auftritte von den Medien aufgebauscht und ausgenutzt werden. Die Gier nach Sensation und Kohle, sie ist wichtiger als das Individuum. Hier wird nicht der kleine Mann zum Helden. Er wird zu einem Opfer, ohne dass er davon weiß.

Mediensatire mit Begleiterscheinungen
Und so wandelt sich die Mischung aus traurigem Porträt und alberner Fake-Doku zum Ende hin in eine beißende Mediensatire. Andeutungen dazu gab es zuvor natürlich nicht zu knapp, nicht zuletzt weil Produzent Brandt ein wandelndes Klischee ist. Allgemein greift Lux zu oft auf Stereotype und bewährte Elemente zurück – beispielsweise die todkranke Mutter. Was originell beginnt, folgt anschließend lange, zu lange, bekannten Pfaden, nur um zum Schluss auf einmal komplett aufzudrehen und übers Ziel hinauszuschießen. Die Balance stimmt an der Stelle nicht so wirklich, da kommt so viel zusammen, dass nicht ganz klar wird, worauf es denn jetzt eigentlich ankommen sollte.

Diesen Schwächen zum Trotz ist diese eigenwillige Genremischung aber ein interessantes Debüt, das sich nicht davor scheut, Themen anzugehen und auch mal etwas zu sagen. Dass Wild hierfür Franz Rogowski gewonnen hat, der dieses Jahr mit Tiger Girl, Figaros Wölfe und Fikkefuchs einen bemerkenswerten Lauf hinter sich hat, wertet den Film noch einmal besonders auf. Kaum ein deutscher Schauspieler hat derzeit ein vergleichbares Faible und Talent für ausgefallene Figuren und Filme. Und das beweist er hier erneut, wenn Verletzlichkeit auf Brutalität treffen, die Sehnsucht nach Helden auf eine belanglose bis hässliche Gegenwart, von der man am Ende nicht mal genau sagen kann, ob es sie außerhalb der Kameras noch gibt.

Lux – Krieger des Lichts
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Lux – Krieger des Lichts
Ein Niemand versucht ein Held zu sein, möchte die Welt retten und ist am Ende doch nur eine Witzfigur im Kostüm. „Lux – Krieger des Lichts“ packt eine Menge von Themen an, ist Mockumentary, rührendes Drama und Mediensatire in einem. Das stimmt von der Balance her nicht immer, ist zeitweise zu lang oder auch zu vorhersehbar. Aber es ist eine interessante Genremischung, die einiges zu sagen hat und dabei enorm von Franz Rogowskis Leistung profitiert.
7von 10

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