(OT: „Fikkefuchs“, Regie: Jan Henrik Stahlberg, Deutschland, 2017)

Fikkefuchs

„Fikkefuchs“ läuft ab 16. November 2017 im Kino

Wenn es um die Eroberung von Frauen geht, da macht Rocky (Jan Henrik Stahlberg) so schnell niemand etwas vor. Eigentlich musste er gar nichts tun, die Frauen kamen zu ihm, in Wuppertal gab es keinen größeren Frauenhelden als er. Inzwischen ist er fast 50, das weibliche Geschlecht hat ihm dennoch zu Füßen zu liegen. So denkt er zumindest. Irgendwie will das alles aber gar nicht so richtig klappen. Deswegen passt es ihm auch gar nicht in den Kram, als eines Tages ein junger Mann namens Thorben (Franz Rogowski) vor ihm steht und behauptet, sein Sohn zu sein. Mehr noch, er will Tipps von ihm, wie er Frauen rumkriegt, brachte ihn sein letzter Versuch doch in die Psychiatrie.

Früher einmal, da waren Pornofilme etwas, das man sich heimlich nachts anschaute, während die braven Menschen schliefen. Heute schert sich keiner mehr darum. Frauen sind auch im Alltag sexualisierte Objekte, die man nach Belieben benutzen kann – wie die verstörenden Geschichten der derzeitigen #MeToo-Kampagne zeigen. In Fikkefuchs wird der Blick jedoch nicht auf die Opfer gerichtet. Die gibt es natürlich, gleich zu Beginn wird Thorben ein gut sichtbares Dekolleté als Aufforderung verstehen, die dazugehörige Frau ficken zu wollen. Und auch Rocky hat es nicht so mit dem Respekt gegenüber dem weiblichen Geschlecht. Allerdings verzichtet der Film darauf, aus diesen Objekten Subjekte zu machen. Die meisten Frauen, die hier angebaggert und mehr werden, haben nicht einmal einen eigenen Namen.

Von Sympathie keine Spur
Sexistisch ist die dritte Regiearbeit von Jan Henrik Stahlberg (Muxmäuschenstill), der auch das Drehbuch mitschrieb und die Hauptrolle übernahm, deswegen nicht. Vielmehr sind es die Männer, die sich hier einiges anhören und ansehen müssen. Wo beispielsweise Don Jon einen bei aller Oberflächlichkeit doch irgendwie sympathischen Pornosüchtigen zeigte, kann man das bei den beiden Protagonisten hier so gar nicht behaupten. Sie sind lächerlich, weltfremd, frauenfeindlich, plump und dabei nicht einmal sonderlich attraktiv. Stahlberg fand für seinen Filmsohn mit Franz Rogowski die perfekte Besetzung, hat der deutsche Nachwuchsschauspieler doch eine Vorliebe für ungewöhnliche, oft fordernde Filme (Tiger Girl, Figaros Wölfe).

Und fordernd ist Fikkefuchs. Nicht nur, dass man sich hier anderthalb Stunden lang mit zwei abscheulichen Menschen herumplagen muss. Auch in den Bildern setzt Stahlberg offensichtlich auf Provokation. Da werden immer wieder billige Pornoschnipsel eingebaut, wir sehen Menschen nackt, die wir nie nackt sehen wollten, auch Fäkalien und Kotze sind in der Welt des Vater-Sohn-Gespanns kein Fremdwort. In einer Welt, in der jegliche Intimität und Scham verlorengegangen ist, warum da noch Grenzen setzen wollen?

Böse und ermüdend
Politisch korrekt ist der Film dann auch nicht, sondern eine oft böse Abrechnung mit einer Gesellschaft, die entfesselt und doch auch kleingeistig ist. Die gerne so viel mehr wäre und dabei völlig den Blick verloren hat. Unterhaltsam ist das nur manchmal, dafür sind die Witze unterhalb der Gürtellinie und die damit verbundenen Provokationen dann doch zu berechnend. Und auf Dauer auch zu ermüdend – so wie die beiden Männer auf einer vergangenen Evolutionsstufe stehengeblieben sind, so gibt es auch beim Film keine echte Entwicklung. Aber das würde ja auch bedeuten, den trüben Aussichten etwas Positives mit auf den Weg zu geben, sie vielleicht sogar zu relativieren. Diesen Gefallen tut uns Stahlberg jedoch nicht, sondern gibt uns stattdessen einiges mit auf den Weg, über das man im Anschluss nachdenken darf, ob man es nun will oder nicht.

Fikkefuchs
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Fikkefuchs
Ein selbsternannter Weiberheld soll seinem bis dato unbekannten Sohn zeigen, wie das mit den Frauen funktioniert. Nein, daraus wird bei „Fikkefuchs“ keine schöne Liebeskomödie, sondern eine ätzende Abrechnung mit überheblichen Männern und ihrem Frauenbild. Auf Dauer ist das etwas anstrengend, insgesamt bietet der Film aber doch Stoff zum Nachdenken und Aufregen.
7von 10

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