(OT: „Maudie“, Regie: Aisling Walsh, Irland/Kanada, 2016)

Maudie

„Maudie“ läuft ab 26. Oktober 2017 im Kino

Seit ihrer Kindheit schon leidet Maud Lewis (Sally Hawkins) an Arthritis. Ihre Gelenke sind zerstört, an körperliche Arbeit ist kaum zu denken. Dennoch bewirbt sie sich bei dem Junggesellen Everett Lewis (Ethan Hawke), der eine Hausfrau sucht. Nur mühsam kann sie ihre Pflichten dort erfüllen, zudem muss sie sich die Launen des mürrischen Fischhändlers und das Getuschel der Leute gefallen lassen. Nur das Malen bereitet ihr Freude: Unentwegt bemalt sie das Haus, Bretter, Kacheln. Als die New Yokerin Sandra (Kari Matchett) auf die Landschaftsbilder aufmerksam wird, wird die zurückhaltende Maud plötzlich zu einer begehrten Künstlerin. Everett, der inzwischen selbst Gefühle für sie entwickelt hat, ist davon jedoch nur wenig begeistert.

Blumen, Vögel, idyllische Plätze in der Natur – fast möchte man meinen, Maud hätte mit ihren Bildern ihr oftmals hartes und elendes Leben kompensieren wollen. Die körperliche Behinderung. Den Streit mit der Familie. Die Armut, in der sie bis zu ihrem Tod lebte. Auch wenn sie später einen gewissen Ruhm erlangen sollte, er kam spät. Zu spät: Aufgrund ihrer Einschränkungen konnte sie viele der großen Aufträge nicht mehr erfüllen. Ohnehin blieb die künstlerische Ausbeute überschaubar, da sie nur sehr kleine Bilder malen konnte. Mehr erlaubte ihr die Arthritis nicht.

Die Geschichte eines trotzigen Glücks
Maudie, das vor etwas mehr als einem Jahr seine Premiere feierte, behandelt diese düsteren Aspekte jedoch nur zum Teil. Dass das Leben nicht einfach war, daran lässt das Drama zwar keinen Zweifel. Anstatt die Nöte und auch die Behinderung zu sehr ausschlachten zu wollen, soll hier lieber eine Frau gefeiert werden, die ihr Schicksal annahm, niemals aufgab und für sich ein Leben fand, mit dem sie glücklich werden konnte. Als einzige der Familie, wie ihre Tante später zugibt, sehr viel später, nachdem der Kontakt längst abgebrochen war.

Das ist natürlich gleich mehrfach etwas fürs Herz. Ein Außenseiter, der von allen belächelt oder gar mit Steinen beworfen wird, dann aber das Glück findet – das darf man durchaus bewegend finden. Umso mehr, da die irische Regisseurin Aisling Walsh (Blick des Bösen) auf großen Kitsch oder Melodram verzichtet. Stattdessen ist Maudie ein zurückhaltend erzählter Film, ein wenig impressionistisch. Ein Film, der zwischen harten Momenten, Aufnahmen aus dem Alltag und kleineren humorvollen Szenen schwankt. Denn auch wenn Maud aufgrund ihrer Bilder und der körperlichen Erscheinung kaum ernstgenommen wird: Immer wieder blitzt auf, dass da doch mehr in der Kanadierin steckte.

Ein schöner und intensiv gespielter Film
Maudie ist kein aufregender Film, will es aber auch gar nicht sein. Stattdessen ist die irisch-kanadische Produktion eine Verneigung vor einer Volkskünstlerin, vor allem aber einem Menschen. 110 Minuten reichen natürlich nicht, um diesem komplett gerecht zu werden. Einige der beiläufig angesprochenen Aspekte werden beispielsweise kaum zu Ende erzählt. Aber es ist ein schöner Film, der gerade auch von den beiden Hauptdarstellern lebt. Ethan Hawke (Born to Be Blue, Training Day) als grober, teils brutaler Klotz, der am Ende doch noch lernt zu lieben. Und vor allem die intensive Darstellung von Sally Hawkins (Paddington), die einem hier als unerschütterliche Optimistin Mut macht, dem Leben ins Auge zu blicken und sich von niemandem etwas sagen zu lassen.

Maudie
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Maudie
„Maudie“ erzählt die wahre Geschichte einer Frau, die trotz körperlicher Einschränkungen zu einer der bekanntesten Volkskünstlerinnen Kanadas wurde. Das ist bewegend, wenn auch ruhig und teils bruchstückhaft erzählt, und lebt gerade von den beiden Hauptdarstellern, welche ihren simplen Figuren viel Intensität mit auf den Weg geben.
7von 10

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