Es ist wieder soweit! Halloween wirft seine bedrohlichen Schatten und das alljährliche Kettenrasseln ist im vollen Gange. Dieses Jahr stand vor allem im Zeichen von Neuverfilmungen. Die Mumie ließ sich ohne Brendan Fraser und mit Tom Cruise in der Hauptrolle ablichten und legte sogleich eine qualitative Bruchlandung hin. Das verheißt nichts Gutes für das geplante Dark Universe. Rings, Alien: Covenant und Jigsaw bewiesen, dass manche Filmreihen einfach nicht tot zu kriegen sind – leider. Hingegen überzeugt Es in dieser Kategorie mit einer gelungenen, modernen Horroradaption des gleichnamigen Romans.

Der Found-Footage-Wahn nahm sich eine längst überfällige Auszeit und machte Platz für Newcomer, wie dem Regiedebüt Get Out von Jordan Peele. Auch Netflix konnte sein Arsenal an Eigenproduktionen um einige Horrorvariationen erweitern und setzt mit der frisch erschienenen 2. Staffel der Erfolgsserie Stranger Things Ende Oktober nach.

Wer erkämpfte sich einen Platz in den Top 3? Krallt sich Stranger Things mit der neuen Staffel erneut die Serienkrone? Wer enttäuschte und welche Geheimtipps flogen bislang unter dem Radar? Es folgt die persönliche Auflistung eines Horrorfans und Kritikers.

Top 3 Horrorfilme 2017:

Es

An Stephen Kings Horrorclown Pennywise führte dieses Jahr kein Weg vorbei.

1. Es

Während Burger King zur Clownversammlung aufruft und dabei McDonalds rothaarigen Perückenträger wieder gehörig durch den Schmodder zieht, sorgt an ganz anderer Stelle ein Clown für uringetränkte Kinosessel im Akkord. Die Rede ist von Stephen Kings Es, der Clown, dem die Kinder nie vertrauen. Die Neuverfilmung der Romanvorlage wurde in Zeiten unterirdischer Remakes zurecht mit Argwohn erwartet und überrascht positiv. Teenager vs. Monster? Eine Mischung, die spätestens seit Stranger Things wieder „in“ ist. Kein Meisterwerk, aber den Grusel allemal wert.

2. Get Out

Jordan Peele dürfte vielen als Komiker ein Begriff sein, weshalb sein Regiedebüt im Horrorgenre umso ambitionierter klingt. Der Film erhielt phänomenale 99% auf Rotten Tomatoes und zahllose Lobpreisungen in den Medien. Peeles konträrer Hintergrund verleiht dem Film eine willkommene Unberechenbarkeit, die gegen Ende zwar an Wirkung verliert, den Genregenossen in vielerlei Hinsicht dennoch um Längen voraus ist.

3. The Babysitter

Wer genug von Sharknado hat und eine trashige Alternative sucht, für den könnte Netflix neuer Horrorstreifen genau das Richtige sein. Ernsten Horror sucht man vergeblich, dafür gibt es Stereotypen, dumme Sprüche und unnötig blutige Todesfälle, die in ihrer Gesamtheit unterhaltsamer sind, als man es sich vielleicht eingestehen möchte. Die heiße Babysitterin, die hohle Cheerleaderin, der muskelbepackte Quarterback und viele mehr im wahllosen Blutrausch. Wenn das Mädchen von nebenan plötzlich zur blutrünstigen Satanistin wird. (Alp)träume werden wahr! Kopf-aus-Kino für Splatterfans.

Selbst wenn der Überraschungsfaktor ausbleibt, „Stranger Things“ ist auch in der zweiten Staffel ein Highlight für Genrefans.

Horrorserie des Jahres:

Stranger Things Staffel 2

Pünktlich zur Geisterstunde erscheint die zweite Staffel auf Netflix. Neun Stunden Binge-watching später, ist das Fazit weiterhin gut, aber bei weitem nicht so euphorisch wie noch im letzten Jahr. Mehr Budget, mehr Monster, mehr Action – mehr von allem. Dabei bleibt der dörfliche Ausnahmezustand oftmals auf der Strecke. Der schleichende Horror ist aus dem Sack und befällt jetzt die ganze Stadt. Kann man mögen, muss man aber nicht. Trotzdem spielt sich die Moserei auf hohem Niveau ab. Winona Ryder (Black Swan) als Badass-Mum-des-Jahres Teil 2!

Höhepunkt des Jahres:

Mindhunters Staffel 1

Wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm! Das Intro der Sesamstraße nehmen sich zwei FBI Agenten in den 70er Jahren besonders zu Herzen. Gemeinsam interviewen sie Amerikas brutalste Serienkiller, um einen Einblick in deren Psyche zu erlangen, der ihnen bei zukünftigen Ermittlungen helfen soll. Eine faszinierende Serie für alle Hobbypsychologen und -krimiologen. Leider mangelt es der Serie an einer tragenden Dramaturgie. Die Folgen plätschern vor sich hin, während man auf das nächste Interview wartet. Staffel 2 wird es hoffentlich richten.

Enttäuschung des Jahres:

Split

Auch ein wandlungsfähiger James McAvoy ist kein Garant für Spannung.

Split

Ein Killer mit Schizophrenie, gespielt von James McAvoy (X-Men: Apocalypse)? Ja, bitte! M. Night Shyamalan (After Earth) als Regisseur? The Visit war doch gar nicht so schlecht! Nach der Ankündigung kämpften Vorfreude und Enttäuschung einen endlosen Kampf durch die Synapsen, den letztere für sich entschied. Shyamalans Angewohnheit, jedem Film einen unvorhersehbaren Kniff aufdrücken zu wollen, ist ausgerechnet in Kombination mit einer vielversprechenden Geschichte umso desaströser. Der starke Einstieg verkommt zu einem unrealistischen Geplänkel, in dem selbst McAvoy die schauspielerische Luft ausgeht.

Horrorfigur des Jahres:

Pennywise – Es

Clowns gehören seit jeher zur Riege der verstörendsten Zeitgenossen. Man liebt sie oder hasst sie – manchmal abhängig von der Jahreszeit. Bill Skarsgård (Atomic Blonde) als Pennywise gehört mit Sicherheit zur letzten Kategorie, dem der mordende Clown wie auf den Leib geschneidert ist. Halb Alptraum, halb Wirklichkeit, spielt er mit seiner Beute und deren Ängste. Hol sie dir, solange sie noch jung sind – so geht Horror!

Halloween 2017 [Special]
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