(OT: „Hacker“, Regie: Akan Satayev, USA/Thailand/Hongkong/Kanada, 2016)

Darkweb

„Darkweb“ ist ab 26. Oktober 2017 auf DVD und Blu-ray erhältlich

Alex (Callan McAuliffe) immigriert als kleiner Junge mit seinen Eltern aus der Ukraine nach Kanada. Dort findet er zwar keinen Anschluss zu neuen Freunden, dafür einen ans Internet. Seine Freizeit verbringt er am Computer, wo er schnell nicht so ganz legale Wege findet, sich ein paar Kröten nebenher zu verdienen. Über die Jahre kommt ein ansehnliches Sümmchen zusammen, das er allerdings seinen Eltern überlässt, statt es wie geplant fürs College zu verwenden, da diese durch ihre Bank finanziell ruiniert wurden und ihr Haus zu verlieren drohen. Auf der Suche nach einer neuen Einkommensmöglichkeit ersteht er teure Uhren mit falschen Kreditkartendaten und versucht diese an Juweliere zu verkaufen – ohne Erfolg. Dadurch wird der Kleinkriminelle Sye (Daniel Eric Gold) auf ihn aufmerksam und schon bald tun sich die beiden zusammen, um richtig abzuräumen. Als die beiden sich an eine größere Nummer in einer Bank wagen, scheint mit deren Scheitern ihrem Treiben ein Ende gesetzt, doch dadurch ergibt sich eine ganz neue Möglichkeit und schon bald werden Alex‘ kühnste Träume übertroffen, denn nicht nur schließt sich die attraktive Kira (Lorraine Nicholson) dem Duo an und bereichert es mit ihren Kontakten, darüber hinaus wird auch schon bald der mysteriöse Z (Clifton Collins Jr.) auf Alex‘ Aktivitäten aufmerksam der Kopf eines berühmt-berüchtigten Cybercrimesyndikats.

Irreführender Titel
Darkweb – Kontrolle ist eine Illusion hätte auch genau so gut Darkweb – Der Titel ist eine Illusion heißen können. Selbst der Originaltitel Hacker hat überhaupt nichts mit der Handlung zu tun. Der deutsche Titel ist insofern noch treffender, als dass es im Film eine kriminelle Vereinigung namens Dark Web gibt, das Deep Web oder Darknet kommen in der Geschichte jedoch gar nicht vor, weshalb viele Zuschauer enttäuscht sein werden, die allein aufgrund des Titels (oder der Vermarktung als „Hacker-Thriller über die Untiefen des ‚Darknet'“) zugreifen. Letztere und der Originaltitel Hacker nun sind schließlich völlig irreführend und resultieren vermutlich aus schlichter Ahnungslosigkeit, denn Alex und Co. hacken nichts und niemanden, sondern begehen Kreditkartenbetrug. Nicht jedes Internetverbrechen ist automatisch Hacking. Der Begriff selbst kommt im Film auch nicht vor.

Darkweb – Kontrolle ist eine Illusion legt anfangs ein gutes Tempo vor, stellt sich im dritten Akt damit aber selbst ein Bein. Zu viele Ereignisse werden aus Zeitmangel übersprungen, was es immer schwerer macht, die Zusammenhänge herstellen zu können. Während zu Beginn noch alles klar ersichtlich ist, wirft der Film gegen Ende hin immer mehr Fragen auf, für deren Beantwortung Regisseur Akan Satayev (Myn Bala – Krieger der Steppe) in den 95 Minuten kein Platz mehr bleibt. Die durcheinandergewürfelte Timeline hilft auch nicht gerade dabei, den Handlungsstrang gut einordnen zu können, insbesondere da die Zeitsprünge arbiträr wirken und keinem übergeordneten Narrativ zu folgen scheinen.

Das wäre doch schöner gegangen
Die größte Schwächte von Darkweb ist allerdings das Bild. Damit sind nicht die Bildausschnitte gemeint, die durchweg solide gewählt sind, sondern die Bildqualität. Viele Shots sehen amateurhaft aus und hinterlassen einen faden Beigeschmack, der mit einer gekonnteren Farbkorrektur gänzlich hätte vermieden werden können. Eine – zum Glück sehr kurze – Szene im Eingangsbereich eines Hotelzimmers wirkt geradezu abartig amateurhaft, so als ob man irgendeine Testaufnahme des Second Unit Directors mit seiner Digicam in den Film geschnitten hätte, weil das tatsächlich dafür vorgesehene Material nicht mehr verfügbar war oder nie gedreht wurde.

Darkweb – Kontrolle ist eine Illusion
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Darkweb – Kontrolle ist eine Illusion
"Dark Web – Kontrolle ist eine Illusion" hat einen komplett irreführenden Titel, ansonsten aber eine spannende Geschichte zu erzählen, vermasselt es sich allerdings ein wenig mit der Erzählweise, dem Pacing und der Bildqualität. Eine Laufzeit von etwa zwei Stunden und eine lineare Erzählung hätten dem Film besser zu Gesicht gestanden, dennoch weiß er in der vorliegenden Fassung zu unterhalten.
6von 10

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