(„RG Veda“ directed by Hiroyuki Ebata and Takamasa Ikegami, 1991/92)

RG VedaSkrupel? So etwas kennt der Donnergott Taishaku-Ten nicht. Seitdem er seinen Rivalen, den Himmelskaiser Tentei, ermordet hat, herrscht er ohne Gnade im Reich der Götter, wer sich ihm widersetzt, wird hingerichtet. Und doch gibt es jemanden, den der mächtige Despot fürchtet: die sechs Sterne. Kommen diese sechs Auserwählten zusammen, werden sie der Terrorherrschaft ein Ende bereiten – so lautet die Prophezeiung. Um dies zu verhindern, schreckt Taishaku-Ten nicht davor zurück, ganze Völker auszulöschen und auf die bereits gefundenen Sterne erbarmungslos Jagd zu machen.

Dass Mangas beim Übergang zum bewegten Bild oft Federn lassen müssen, ist ein für Fans zwar schmerzhaftes, aufgrund des begrenzten Sendeplatzes im Fernsehen aber doch oft unvermeidbares Übel. Ärgerlich wird es jedoch dann, wenn ein Anime ganz offensichtlich nur dazu da ist, Werbung für die Vorlage zu machen und mittendrin einfach abbricht (siehe etwa Deadman Wonderland). Den Vorwurf kann man RG Veda sicher nicht machen. Wo andere dem Anfang besonders viel Aufmerksamkeit entgegenbringen, um Neulinge an sich zu binden, wird man hier mitten ins Geschehen geworfen – fünf der sechs Sterne haben sich bereits gefunden –, sodass man als Nichtkenner von Clamps gleichnamigen Manga zum Teil nur recht wenig verstehen wird.

Die erste der beiden Episoden ist dabei noch die unproblematischere, da sie in sich geschlossen ist, das grundsätzliche Szenario im Vorspann erläutert wurde. Sie hat zudem die interessantere Geschichte zu erzählen, da nicht der Kampf gegen Taishaku-Ten im Vordergrund steht, sondern ein Dämon, in dessen Fänge der Krieger Yasha-oh gerät. Aber auch hier bleibt eine Menge auf der Strecke, die gut 45 Minuten reichen einfach nicht aus, um die Charaktere wirklich vorzustellen. Wer sie sind, woher sie kommen, warum sie miteinander reisen – all das bleibt ein Geheimnis. Sich für deren Schicksal zu interessieren, ist daher kaum möglich.

Und das gilt dann auch für die zweite Episode, in der das Quintett in den Palast des Despoten eindringt. Diese hat zudem den Nachteil, dass sie kein wirkliches Ende hat, mit einem Cliffhanger aufhört, der nie gelöst wurde. Inhaltlich befriedigend ist RG Veda daher sicher nicht. Und das ist schade, denn immer wieder werden Figuren und Szenen gezeigt, die darauf schließen lassen, dass die hier vorgestellte Welt eine bemerkenswerte Mythologie zu bieten hat, deutlich spannender ist als das Gros der in Animes versammelten Konkurrenz. Aber die Andeutungen sind so kurz, die Elemente so wenig ausgebaut, dass höchstens große Fantasyfans sich damit zufriedengeben werden.

Sofern sie den Anime überhaupt noch finden. In Deutschland erschien seinerzeit nur die Videokassette, den Sprung auf die digitalen Medien hat RG Veda hierzulande nie geschafft. Und auch im Ausland wird man längere Zeit suchen müssen, da die DVDs nur noch antiquarisch zu bekommen sind. Ist es die Mühe wert, sich dennoch auf die Suche zu machen? Höchstens für Fans der Vorlage, die ihre Helden in animierter Form sehen wollen. Der Rest findet anderweitig erfüllendere Genrebeispiele – inhaltlich, aber auch visuell. Dass die zweiteilige Direct-to-Video-Produktion bald 25 Jahre auf dem Buckel haben wird, sieht man ihr sowohl technisch wie auch designmäßig an: Die Figuren sind typische Clamp-Kinder ihrer Zeit, haben seltsam weitstehende Augen und Haare, die bis auf den Boden reichen.

RG Veda
4.25 (85%) 4 Artikel bewerten

RG Veda
Die visuell durchwachsene Verfilmung des Clamp-Mangas ist für Nichtkenner der Vorlage dank des abrupten Ein- und Ausstiegs relativ unbefriedigend, gerade auch, weil die Mythologie interessante Elemente andeutet.
5von 10

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