In Arlo & Spot hast du kürzlich die Sprechrolle des Dinosauriers mit dem netten Namen „Tierchensammler“ übernommen. Wie bist du zu dem Projekt gekommen?

Disney ist an mich herangetreten und hat gefragt, ob ich da Lust drauf hätte. Und ich hatte sofort Lust, weil ich so etwas vorher noch nie gemacht hatte. Das ist ja das Tolle an meinem Job, dass man immer wieder überrascht wird und man viele verschiedene Dinge ausprobieren kann. Normalerweise hat man als Schauspieler ja Mimik, Gestik und Sprache zur Verfügung. Und dann mal zu sehen, wie man einen Charakter nur über Sprache zeichnet, das war schon spannend.

Hast du denn dabei das Gefühl gehabt, dass dir etwas fehlt, wenn du deinen Körper nicht einsetzen kannst?

Nee. Ich bin ja trotzdem im Synchronstudio herumgesprungen und habe wild mit den Armen gerudert beim Sprechen. Das passiert automatisch, dass du deinen Körper dabei mitnimmst, um die richtige Stimmung zu kriegen.

Normalerweise spielst du in deinen Filmen und Serien eine Person. Wie bereitet man sich darauf vor, einen paranoiden Dinosaurier zu spielen?

Da kann man sich schlecht vorbereiten. Ich habe mir den Film natürlich vorher angeschaut, um zu sehen, welche Funktion der Tierchensammler in dem Film hat und wie die Synchronstimmung ist. Und dann haben wir versucht, das auf Deutsch nachzuempfinden. Als wir fertig waren, haben wir uns das zusammen mit dem Synchronregisseur angehört und gemeint, dass die erste Hälfte noch zu normal klingt. Also haben wir das nochmal gemacht. Man tastet sich da einfach so ran, bis alle happy sind.

Wie lange habt ihr gebraucht, bis alle happy waren?

Es war ja jetzt keine große Rolle, aber vier, fünf Stunden haben wir schon dran gesessen. Effektiv kann man diese Rolle sicher in einer Stunde machen. Aber wir haben eben viele Sachen ausprobiert, und das war ganz schön. Du kannst bei einem Animationsfilm ja auch viel mehr in die Extreme gehen.

Siehst du dir eigentlich auch privat Animationsfilme an?

Freunde versuchen mich seit geraumer Zeit vehement für japanische Animationsfilme zu begeistern. Bisher habe ich mich immer herausgeredet, aber ich befürchte, dass mir das demnächst bevorsteht. Als Kind habe ich natürlich viel gesehen. Das war dann allerdings weniger Disney, weil ich ja im Osten aufgewachsen bin, sondern eher Der kleine Maulwurf und Lolek und Bolek. Als ich mir Arlo & Spot im Vorfeld angeschaut habe, dachte ich dann auch: „Okay, das wird jetzt ein Kinderfilm.“ Und dann war ich aber doch überrascht, dass man auch als Erwachsener 90 Minuten dran bleibt, weil es eine superschöne Geschichte ist. Da stecken Lebensweisheiten drin, mit denen jeder etwas anfangen kann, altersunabhängig.

Welche Lebensweisheit hast du für dich persönlich aus dem Film mitrausgenommen?

Dass man immer zweimal hinkucken soll, wenn man jemanden trifft. Unter Umständen erkennt man seine besten Freunde erst auf den zweiten Blick.

Wenn es keine Animationsfilme sind, was schaust du dir sonst so an, filme- und serienmäßig?

Oh, Serien sind das ganz viele in der letzten Zeit. Allerdings brauche ich immer eine Woche Urlaub, wenn ich eine neue, gute Serie anfange. The Americans fand ich zuletzt ganz toll. Und Transparent. Da gibt es ja erst eine Staffel, aber die ist grandios. Dann steht auf meinem Zettel noch Narcos, das will ich unbedingt sehen. Allgemein mag ich europäisches und amerikanisches Arthouse-Kino sehr gerne und bin weniger ein Fan von Fantasy- oder Actionfilmen. Simpel gestrickte Heldenfiguren interessieren mich nicht unbedingt.

Der erfolgreichste Film dieses Jahr war ja Jurassic World 

Ha, den hab ich sogar gesehen! Fand ich super gemacht. Nach dem klassischen Strickmuster, natürlich, aber mit vielen guten Ideen. Am besten hat mir diese Geschichte mit den Kapseln gefallen, in denen die da rumgerollt sind zwischen den Viechern.

Die fand ich auch fantastisch. Worauf ich dabei hinauswollte: Jetzt startet mit Arlo & Spot wieder ein großer Dinofilm im Kino. Was fasziniert uns eigentlich so an diesen Viechern, dass wir sie noch immer sehen wollen?

Dass wir keinen mehr treffen können, schätze ich mal. Es ist zumindest nicht sehr wahrscheinlich. Außer es findet sich doch noch eine Insel, wo sich eine Population unentdeckt gehalten hat. Und dann natürlich die schiere Größe. Da steht man als Kind davor – und auch als Erwachsener, das gibt sich nicht viel – und kann es sich kaum vorstellen, dass solche Viecher mal gelebt haben sollen. Als Kind waren wir oft im Naturkundemuseum. Und da gab es gleich in der Eingangshalle ein riesiges Skelett von einem Tyrannosaurus Rex. Da standen immer alle ganz ehrfürchtig davor, weil man sich eben so klein vorkommt.

Würdest du denn gerne mal einen echten Dinosaurier sehen?

Klar! Wenn du mir sagst, wo die sind und wo man die jetzt noch sehen kann.

Ich bin noch am Schauen. Aber ich befürchte, dafür müssen wir dann doch in die Vergangenheit reisen. Nehmen wir mal an, du hättest tatsächlich so eine Zeitmaschine. Welche Zeit würdest du dir gerne anschauen? Von der Dinozeit jetzt einmal abgesehen.

Da gibt es verschiedene, die mich interessieren würden. Ich würde zum Beispiel gerne nach Berlin in den 1920ern, weil das eine extrem liberale und wilde Zeit gewesen sein soll. Oder auch mal ins Mittelalter. Dann aber schon in einer sicheren Beobachterposition, also nicht als Bauer oder so. Ich möchte bei dem Ausflug nicht so gern gleich gevierteilt werden oder so.

Wer möchte das schon? Lassen wir die Vergangenheit und werfen stattdessen noch einen kurzen Blick in die Zukunft: Was ist in der nächsten Zeit bei dir noch an Projekten geplant?

Im Moment drehe ich die aktuelle Staffel von Game of Thrones, das geht noch bis Weihnachten. Damit war ich dann auch die letzten Monate beschäftigt. Ansonsten war da eben Arlo & Spot, demnächst stehen ein paar Lesungen auf dem Programm. Und ich mache für das Entwicklungsministerium eine Reihe von kurzen Dokumentarfilmen. Da fahren wir nächste Woche zum Beispiel nach Uganda und ich darf vor Ort Leute interviewen, mit denen Entwicklungshilfeprojekte gemacht werden. Das ist auch total spannend, mal wieder was ganz anderes.

Du hast ja im Laufe der Zeit allgemein die verschiedensten Projekte gemacht, unterschiedlichsten Rollen gespielt, von Fernsehkomödien über Krimis und obskure Thriller bis zu deinen aktuellen Serien Game of Thrones und Crossing Lines und eben nun auch Arlo & Spot. So einen richtigen roten Faden hab ich dabei nicht gefunden. War das so beabsichtigt? Oder hat sich das aus der Auftragslage heraus ergeben?

Teils teils. Zum einen: Einen roten Faden sollte es ohnehin nie geben bei einem Schauspieler. Zumindest verstehe ich den Job so. Ich will nicht zehn Jahre dieselbe Rolle spielen. Das macht ja den Reiz der Geschichte aus, dass man viele verschiedene Figuren darstellen und sich in vielen verschiedenen Formaten ausprobieren kann. Insofern: Absicht, ja. Aber natürlich ist das gerade am Anfang einer beruflichen Laufbahn auch der Auftragslage geschuldet. Es ist auch ganz interessant, was andere, zum Beispiel Besetzer und Regisseure, in dir zu unterschiedlichen Zeitpunkten so sehen. Ich mag es eigentlich, dass man mich nicht so leicht in eine Schublade stecken kann. Das kann manchmal aber natürlich auch ein Nachteil sein, wenn eine bestimmte Rolle besetzt werden muss, und dein Name dann nicht ganz oben auf dem Zettel steht. Da haben es Leute vielleicht leichter, die in der entsprechenden Schublade schon drin sind. Hat eben beides seine Vor- und Nachteile.

Ich wäre dann auch schon durch mit meinen Fragen. Noch ein paar letzte Worte zu Arlo & Spot?

Geht alle rein!

Tierchensammler aka Tom Wlaschiha

Tierchensammler aka Tom Wlaschiha

Tom Wlaschiha wurde am 20. Juni 1973 in Dohna geboren. Nach dem Abitur absolvierte Wlaschiha von 1992 bis 1996 eine Schauspielausbildung an der Hochschule für Musik und Theater „Felix Mendelssohn Bartholdy“ Leipzig. Seither war er in über 40 TV- und Kinoproduktionen sowie diversen Theaterstücken zu sehen. International machte er sich durch die beiden Serien Game of Thrones und Crossing Lines einen Namen. Zu hören ist er seit dem 26. November im Pixar-Animationsfilm Arlo & Spot, wo er die Rolle des Dinosauriers Tierchensammler spricht.

Tom Wlaschiha [Interview]
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