Sparks – Avengers from Hell

(„Sparks“ directed by Todd Burrows and Christopher Folino, 2013)

Wer träumte nicht als Kind davon, später einmal ein Superheld zu sein? Bei Ian Sparks (Chase Williamson) hielt der Traum bis ins Erwachsenenleben an. Und das hat seine Gründe: Als seine Eltern bei einem Unfall starben, schwor er, den Straßen von Abschaum zu befreien. Wirkliche Superkräfte hat er zwar nicht, was ihn aber nicht davon abhält, zunächst alleine, später mit Lady Heavenly (Ashley Bell) eifrig Verbrecher zu bekämpfen. Bis die beiden in dem Serienmörder Matanza (William Katt) ihren Meister finden. Sparks fällt beim Einsatz in Ohnmacht, später in Ungnade, Heavenly ist auf und davon. Doch als es so aussieht, als wäre seine Heldenlaufbahn bereits Geschichte, begegnet er dem geheimnisvollen Archer (Clancy Brown) und seinen Mitstreitern. Und die haben richtige Superkräfte.

Bei jedem neuen Film, fragt man sich insgeheim: Ist es dieses Mal so weit? Wird jetzt endlich die Superheldenblase platzen? Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Die Avengers und ihre zahlreichen Soloauftritte haben die Kinokassen immer noch fest im Griff, Guardians of the Galaxy startete kürzlich mit einem Traumergebnis, auch Man of Steel und X-Men: Zukunft ist Vergangenheit spülten kräftig Geld in die Taschen der großen Verleihe. Wer kann es da verdenken, dass auch die kleineren einige Krümel abbekommen möchten und dabei auf Comicvorlagen zurückgreifen, die hierzulande so ziemlich niemand kennen dürfte?

Sparks – Avengers from Hell Szene 1

So dann auch bei Sparks – Avengers from Hell, das auf der Graphic Novel von Christopher Folino basiert, der bei der Verfilmung das Drehbuch schrieb und sich die Regiearbeit mit Debütant Todd Burrows teilte. Schon der deutsche Untertitel lässt Befürchtungen aufkommen, es hier mit einer billigen Kopie der bekannten Marvel-Helden zu tun zu haben – was stimmt, und dann auch wieder nicht. Viel Geld stand hier tatsächlich nicht zur Verfügung, gerade bei Explosionen und den Computereffekten merkt man der Independentproduktion deutlich an, dass sie einige Gewichtsklassen tiefer um ihr Publikum kämpft. An einigen Stellen sieht das furchtbar aus, an anderen passt es hingegen gut zum Comic-Look. Und auch die Ausstattung geht in Ordnung, das Porträt eines New Yorks in den 40ern ist einfach gehalten, aber doch recht stimmig.

Inhaltlich geht man einen etwas anderen Weg als die Blockbusterkonkurrenz, denn hier geht es – wohl auch aus Budgetgründen – weniger um Action, sondern mehr um die Figuren. Ein bisschen im Stile des Film noir sollen Ian und seine Mitstreiter als gebrochene Helden dargestellt werden, die gerade im späteren Verlauf nicht unbedingt als moralische Instanz glänzen. Allzu sehr gehen wir hier zwar nicht in die Tiefe, echte Abgründe sehen da anders aus. Im Gegensatz zu Strahlehelden à la Captain America wird hier aber zumindest versucht, den Lack wegzukratzen und den Blick auf eine gestörte Seele freizugeben. Dass sie dabei bewusst altmodische, alberne Superheldenkostüme à la Superman tragen, passt natürlich nicht zusammen, ist aber gerade durch diesen Kontrast auch irgendwie reizvoll.

"Do you have a moment to talk about Ringmaster Jesus?"

Und das gilt dann auch für den Film als solchen, der ein bisschen zu zusammengeschustert ist, als dass dem Namen zum Trotz wirklich der Funken überspringen will. Wer ein weiteres 150-200-Millionen-Popcorn-Effekt-Gewitter sehen will, der verschwendet bei Sparks – Avengers from Hell daher seine Zeit. Dafür sind neben der Optik und den Actionszenen auch der Humor und die Ansätze zur Selbstironie einfach eine Nummer zu klein. Wem es jedoch mehr auf die Figuren ankommt und hinter Helden ohnehin à la Watchmen immer nur traumatisierte Wracks vermutet hat, der darf hier ruhig einmal anschalten.

Sparks – Avengers from Hell ist seit 15. August auf DVD und Blu-ray erhältlich



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Sparks – Avengers from Hell
4.1 (82%) 10 Artikel bewerten

Sparks – Avengers from Hell
Bei Optik und Action kann Sparks aufgrund des geringen Budgets sichtbar schlecht mit der großen Hollywood-Konkurrenz mithalten. Inhaltlich ist die Comicverfilmung aber nicht uninteressant und bemüht sich, die Abgründe der Superhelden hervorzuheben.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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