Journey of Love

Journey of Love

(„Safety Not Guaranteed“ directed by Colin Trevorrow, 2012)

Journey of LoveWer würde nicht gerne mal in die Vergangenheit reisen? Mit berühmten, toten Rockstars Hände schütteln? Ein bisschen Dinosauriersightseeing betreiben? Oder zumindest mit den aktuellen Lottozahlen nachträglich doch noch den Jackpot knacken? Gründe für einen kleinen Sprung mit der Zeitmaschine gibt es mehr als genug, Möglichkeiten dazu leider umso weniger. Wenn dann doch einer behauptet, eben dies zu können, ist aus verständlichen Gründen erst einmal Skepsis angesagt.

„GESUCHT: Jemand, der mit mir durch die Zeit zurück reist. Das ist kein Scherz. Bezahlung nach Rückkehr. Du musst deine eigenen Waffen mitbringen. Keine Sicherheitsgarantie. Ich hab das bisher nur einmal gemacht.“

Harmloser Spinner oder steckt da mehr dahinter? Normalerweise würde wohl kein ernstzunehmender Journalist eine solche Kontaktanzeige beachten, aber bei akuter Newsarmut nimmt man halt, was kommt. Außerdem bietet die Geschichte Jeff Schwensen (Jake Johnson) die Möglichkeit, in seine alte Heimatstadt zurückzukehren und eine alte Liebe aufzufrischen. Und für die Zeitungs-Praktikanten Darius Britt (Aubrey Plaza) und Arnau (Karan Soni) ist die Reportage ein willkommener Anlass, einfach mal rauszukommen. Vor allem Darius stellt sich dabei als überraschend geschickt heraus und schließt tatsächlich Freundschaft mit dem Urheber der Anzeige: Eigenbrötler Kenneth Calloway (Mark Duplass). Und das ist gar nicht so einfach, denn der ist davon überzeugt, dass er von der ganzen Welt verfolgt wird.Journey of Love Szene 1

Spiritueller Selbstfindungstrieb oder Romanze aus der Kitschhölle? So oder so, sonderlich vielversprechend ist er ja nicht, der Titel Journey of Love. Aber zum einen heißt der Film nur in Deutschland so, in den USA lief er noch unter dem deutlich interessanteren Namen Safety Not Guaranteed. Zum anderen übernahm Mark Duplass eine der beiden Hauptrollen. Und der gehört mit seinem Bruder Jay zu den Aushängeschildern der Mumblecore-Szene, jener amerikanischer Indiefilme, die viel Wert auf Authentizität legt. Da wird man dann schon mal neugierig. Bei Journey of Love steht Dupla zwar nur vor der Kamera, aber die kauzigen Charaktere hätten genauso gut aus seiner eigenen Feder stammen können. Wie auch in seinem Jeff, der noch zu Hause lebt erzählt der Film eine warmherzige Geschichte über Außenseiter, ihre Träume, Trauer, die Suche nach dem Glück.

Duplass selbst spielt seine Rolle mit der notwendigen Balance aus Exzentrizität und Emotionalität, die Kenneth erst glaubhaft macht. Natürlich würde man über den Eigenbrötler seine kleinen Witze machen, sollte er einem im wahren Leben begegnen. Und doch kann man bei ihm mitfühlen, ihn bei all seiner Paranoia und Weltfremdheit verstehen. Aubrey Plaza wiederum durfte kürzlich schon in Die To-Do Liste ihr komödiantisches Talent unter Beweis stellen. So wie dort ist auch ihre Darius ein sozial nicht übermäßig geschicktes Mädchen, dafür intelligent, mit trockenem Humor.Journey of Love Szene 2

Die eigentliche Zeitreise rückt damit immer weiter in den Hintergrund, Journey of Love fokussiert vielmehr auf die Beziehung zwischen den beiden, ihre langsame Annäherung, wie sie sich vorsichtig vortasten und ihre traurigen Hintergrundgeschichten erzählen. Der Sprung in die Vergangenheit, er ist keine Flucht oder zur Unterhaltung gedacht, sondern dient der Aufarbeitung vergangener Ereignisse. Anfangs eine reine Spinner-Komödie, nimmt der Film so mit der Zeit immer dramatischere Züge an, wird menschlicher und geht gerade zum Schluss wirklich zu Herzen.

Auf die Nebenhandlung um Jack und Arnau hätte man sicher verzichten können, hier hielt man sich doch ein bisschen zu sehr an Klischees. Und für die Hauptgeschichte hätte es die beiden ohnehin nicht gebraucht. Dennoch ist Regisseur Colin Trevorrow und Drehbuchautor Derek Connolly mit Journey Of Love ein richtig schönes Langfilmdebüt gelungen, das von einer tatsächlich existierenden, seinerzeit aber nicht ernst gemeinten Zeitungsannonce inspiriert wurde. An den amerikanischen Kinokassen hinterließ der Low-Budget-Streifen zwar keinen großen Eindruck, bei den Kritikern aber umso mehr. Und auch Hollywood war von der Zusammenarbeit der beiden richtig angetan. Der Lohn: Trevorrow und Connolly dürfen gemeinsam Jurassic World verantworten, den vierten Teil der Jurassic Park-Saga. Und das muss man als Neuling erst einmal hinbekommen.



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Skurrile Figuren, eine zu Herzen gehende Geschichte – Colin Trevorrow und Derek Connolly liefern mit Journey of Love ein starkes Debüt ab. Die Nebenhandlung ist eher überflüssig, dafür ist der Hauptteil über zwei Außenseiter umso gelungener, auch dank der beiden Hauptdarsteller.
7
von 10