(„Killing Them Softly“ directed by Andrew Dominik, 2012)

Killing Them Softly„Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, auch wenn er dann die Wahrheit spricht.“ Dass dieses altväterliche Sprichwort nicht nur für kleine Jungs, sondern auch für große Gangsterbosse gilt, davon kann Markie Trattman (Ray Liotta) ein Lied singen. Bedauerlicherweise wird es jedoch das letzte Lied Markies sein. Aber selbst dran schuld. Wer eine illegale Poker-Runde organisiert, sie selbst ausrauben lässt und dann so dumm ist, im Suff seinen Coup vor „Kollegen“ auszuplaudern, der muss sich nicht wundern, wenn bald die Mafia vor der Tür steht. Dabei war gar nicht Markie für den zweiten Überfall zuständig, sondern die beiden Gelegenheitsgauner Frankie (Scoot McNairy) und Russell (Ben Mendelsohn). Aber wer glaubt schon einem Verbrecher, der bereits einmal betrogen hat?

Eigentlich spielt es für die Mafia auch keine große Rolle, ob Markie nun Schuld hat an dem wiederholten Raub oder nicht. Viel schlimmer als das entwendete Geld ist die Unruhe, die der Diebstahl in die Runde gebracht hat. Wenn man nicht einmal anderen Verbrechern trauen kann, wem dann? Verunsichert von so viel Heimtücke, beginnen die anderen Gangster nämlich, den lukrativen Poker-Runden fernzubleiben. Und eben das gilt es zu verhindern. Zum Glück steht bereits der richtige Mann zu Stelle: Jackie Cogan (Brad Pitt). Seine Aufgabe ist es nun, wieder Ruhe ins Geschäft und damit die anderen zurück an den Pokertisch zu bringen – koste es, was es wolle. Doch das ist gar nicht so einfach. Nicht nur, dass gute Auftragskiller inzwischen Mangelware sind, auch die Mafia selbst hat schon bessere Tage gesehen.

Killing Them Softly Szene 1

Brad Pitt und Gangsterfilme, da werden natürlich sofort Erinnerungen an Snatch – Schweine und Diamanten oder die ebenfalls komödiantisch gefärbte Ocean-Reihe wach. Und für eine Weile sieht es so aus, als würde sich da auch Killing Them Softly nahtlos einreihen. Das liegt natürlich in erster Linie an den – Jackie einmal ausgenommen – tumben Verbrechern, die alles hinbekommen, nur nicht ihre eigene Arbeit und ebenso wie die oftmals völlig überspitzen Dialoge für eine Menge Lacher gut sind. Spätestens wenn Jackie Ärger mit dem abgehalfterten Killer Mickey (James Gandolfini) sich mit einem Vertreter der Mafia (Richard Jenkins) darüber austauscht, dass diese mittlerweile von entscheidungsscheuen, zögerlichen Bürokraten geleitet wird, meint man, eine reine Gangsterkomödie vor sich zu haben.

Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich krankt Killing Them Softly etwas daran, verschiedene Genres und Stile miteinander vermischen zu wollen. Wenn zwischen all der Komik auf einmal sehr explizite und brutale Gewaltdarstellungen aufblitzen, passt das nur bedingt zum Ton der restlichen Szenen. Später wird der Film auf einmal dann so stylisch, inklusive Zeitlupe und Detailaufnahmen, dass man den Eindruck hat, nicht Andrew Dominik sondern Wong Kar-Wai habe Regie geführt. Und zu guter Letzt kommen regelmäßige Verweise auf die Wirtschaft bzw. eine deutliche Kapitalismuskritik hinzu. Für sich genommen sind auch diese Szenen sehenswert, sie fügen sich jedoch nicht zu einem homogenen Ganzen zusammen. Thrillerfans werden sich an den vielen Dialogen und den ruhigen Szenen stören, Komödienfreunde an der deutlichen Gewalt.Killing Them Softly Szene 2

Wenn man solchen wilden Mischungen aber offen gegenüber steht und den etwas derben Humor mag, kann der Film eine Menge Spaß machen. Die Schauspieler überzeugen, das Tempo stimmt, auch die Bilder sind gelungen. Insofern ist es schade, dass der Thriller an den Kinokassen so durchgefallen ist. Ein neuer Kultklassiker mag Killing Them Softly zwar nicht geworden sein, er sorgt aber für rund 100 ziemlich kurzweilige Minuten.

Killing Them Softly erscheint am 17. Mai auf DVD und Blu-ray

Killing Them Softly
4.14 (82.86%) 14 Artikel bewerten

Killing Them Softly
Derber Humor trifft stylischen Thriller trifft Kapitalismuskritik – Killing Them Softly vereint die unterschiedlichsten Elemente. So ganz geglückt ist die Mischung nicht, dank der guten Schauspieler, witzigen Dialoge und tollen Bilder ist der Film aber ziemlich kurzweilig.
7von 10

2 Responses

  1. Lorenz Mutschlechner

    Sehe das ähnlich wie Du, wobei mein Fazit wohl etwas härter ausgefallen wäre. Zu viel wird da angepackt ohne wirklich vertieft zu werden. Die Kapitalismus-Kritik wirkt dabei auch nicht wirklich durchdacht, sondern vielmehr in den Raum geworfen und mit ein paar Radio bzw. TV-Auftritten des US-Präsidenten garniert.
    Der Film bietet eine sehr interessante Grundlage und tolle Schauspieler, das war’s dann aber auch schon. Mir erging es ähnlich wie damals beim gefeierten „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“.

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  2. Harald

    Hab ihn grade gesehen und gebe Lorenz recht. Ich fand ihn zeitweise echt zu sehr in die Länge gezogen. So langatmig wie der Jesse James Western war er zwar nicht, aber auch nicht so kurzweilig wie in der Rezension beschrieben. Das einzige was ich wirklich gut fand ist, dass er ziemlich gelungen versucht hat die Realität von so einem Gangsterleben einzufangen. Nicht der übliche Kitsch sondern depressive Stimmung und Brutalität.

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