Jede Verlagsinstitution hat mittlerweile eine eigene DVD-Kollektion auf den Markt geschmissen. Angefangen hat wohl alles 2004, als die Süddeutsche Zeitung „50 Lieblingsfilme der Redaktion“ veröffentlichte mit informativen Hintergrundinformationen zur Entstehung des Films, wobei das Hübscheste an dieser Kollektion mit Sicherheit die Farbenpracht im DVD-Regal ist, denn jede DVD (mittlerweile haben sich die 50 Filme zu 100 verdoppelt, da die Verkaufszahlen derart gut waren) bzw. jedes Cover besitzt eine eigene Farbe. Wer also einen Regenbogen fangen will, braucht nicht mehr aus dem Haus zu laufen, sondern kann direkt in seine Filmsammlung grabschen. Der „Focus“ legte nach, veröffentlichte ebenfalls einige Filme in weit weniger hübscher Aufmachung. Überraschung: Zweitausendeins hat nun auch damit angefangen.

Dabei ist Zweitausendeins weniger ein Verlag, als vielmehr eine Lagerhalle wie Jokers, die Mängelexemplare oder hochwertige Bücher, CDs oder DVDs von anderen Labels, die sich schlecht verkauft haben, zu einem kleinen Prozentteil des ursprünglichen Preises anbieten. Löblich. Daher wurde es Zeit, dass man nun auch eine eigene DVD-Kollektion veröffentlicht. Das ist hiermit auch geschehen und auch diese Sammlung umfasst (zunächst) 50 Filme. Die Auswahl ist kurios und lässt keinen Zweifel daran, dass man vorzugsweise einfach die Werke veröffentlicht hat, für die man die Lizenzen möglichst günstig erwerben konnte. So finden sich in dieser Edition sage und schreibe zehn (!) Filme von Claude Chabrol (also 1/5 der Gesamtkollektion dieses bunten Reigens). Man merke: zehnmal Chabrol neben einem (1) Orson Welles, einem (1) Fred Zinnemann, einem (1) Ernst Lubitsch. Das klingt vielleicht schockierender als es ist, denn innerhalb dieser Zweitausendeins-Edition lässt sich vieles entdecken.

Man kann vielleicht von Glück oder Weisheit sprechen, dass sich Zweitausendeins nicht bemüht hat, die 50 größten Filme der Geschichte zu veröffentlichen, denn derer sollte man nun bereits gesättigt sein, bedenkt man, dass andere – oben erwähnte – DVD-Editionen eigentlich diese Sparte ausreichend abgedeckt haben. So bleibt einem die vierzigste Auflage von Taxi Driver o.Ä. erspart. Trotzdem findet man altbekanntes in dieser Edition. Natürlich der unvermeidbare Citizen Kane, den großen Komödienklassiker Sein oder Nichtsein von Lubitsch, Zwölf Uhr mittags von Zinnemann oder – ja, schon wieder – Der dritte Mann von Carol Reed. Neben diesen Dingen hat man allerdings auch viel unbekanntes, aber nichtdestotrotz beachtenswertes veröffentlicht, was wohl den wenigsten Filmliebhabern bekannt sein dürfte. S

o etwa Chinaman, ein kleiner Film aus Dänemark, indem ein alleinstehender Mann in einen ungewöhnlichen Deal einwilligt: 4.000 Euro bar, wenn dieser die Schwester eines chinesischen Restaurant-Besitzers ehelicht. Willigt er ein? Finden sie es heraus! Oder kennen sie Das Genie und der Wahninn? Ein kleiner Independent-Film über einen Vater, der leicht in Rage gerät. Schließlich kommt es zur cholerischen Katastrophe, als er notgedrungen mit seinen Kindern in einen Kunstfilm gehen muss, diese sich langweilen und ihr Vater Tony endgültig die Beherrschung verliert. Wer erotische Kunstfilme mag, wird vielleicht an Im Bett Gefallen finden. Für einige wird die Handlung uninteressant sein, solange man sich an nacktem Fleisch erfreuen kann, für andere werden es die Dialoge sein, die diesen Streifen reizvoll machen. All das klingt (neben den zehn Chabrol-Filmen, die eine unbefriedigende Bild- und Tonqualität aufzuweisen haben) nach einer spannenden Entdeckungsreise.

Zweitausendeins steht zu seinen generell niedrigen Preisen und so bringt man jede DVD für 7,99 Euro an den Mann – also immerhin zwei Euro günstiger als es ursprünglich die Süddeutsche-Edition war. Für diesen Preis bekommt der Käufer eine potthässliche DVD-Gestaltung, sodass die DVDs drohen vor Scham zu schmelzen, stellt man sie neben die Kollektion der Süddeutschen. Der Tipp ist, dass die Filmträger im Regal weniger hässlich aussehen, wenn mehrere davon nebeneinander stehen. Oder sagen wir: man gewöhnt sich an alles. Eine zweite Kollektion ist auch bereits draußen: „Deutscher Film“, was strenggenommen bereits die vierte Edition ist, zählt man die Reihe „Musik“ mit aufgezeichneten Opern und Balletten und „Musik im 20. Jahrhundert“ auch dazu. Na dann, Prost Mahlzeit und viel Spaß auf ihrer Entdeckungsreise!

Zweitausendeins – Odyssee im DVD-Regal [Special]
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2 Responses

  1. Candide

    Ich wage mal stark zu bezweifeln dass SZ im Jahre 2004 die Ersten waren, in Italien kenne ich das schon seit einer Ewigkeit. Früher waren es halt VHS-Kassetten 😉

    Ich persönlich kann wenig mit diesen Kollektionen anfangen, die von Dir erwähnten Mankos sind ein Grund dafür. Zugegeben, die SZ-Aufmachung gefällt im ersten Moment ganz gut, doch im Sammlerregal sehen sie nicht sonderlich schön aus, mal ganz zu schweigen von mangelnder Ausstattung usw.
    Bei mir sind bisher nur drei Filme aus der (österreichischen) Der Standard-Kollektion gelandet. Die Verpackung (Hardcover) ist hier optisch auch relativ schön (siehe z.B. Indien).

    Geschmackssache eben und oft vielleicht auch eine Frage des Budgets, wobei die Pendants der verschiedenen Labels oft nicht viel teurer oder sogar günstiger zu haben sind!

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