(„Per qualche dollaro in più“ directed by Sergio Leone, 1965)

Für eine handvoll Dollar mehrNach etwas längerer Western-Abstinenz war es wieder mal allerhöchste Zeit einen Film des großen italienischen Meisters zu sichten. Mit der Dollar-Trilogie machte sich aber nicht nur Sergio Leone einen Namen sondern vor allem Clint Eastwood der sich bis dato nur in TV-Sendungen präsentierte. Mit ihm schuf Leone eine neue Art von Antihelden der das Genre total revolutionierte und dessen Image an Eastwood wohl bis heute hängen geblieben ist.

Gerade mal ein Jahr nach den Überraschungserfolg Für eine handvoll Dollar präsentiert uns Leone noch einmal den wortkargen Outlaw der nun auf Namen Monco hört und zum Kopfgeldjäger geworden ist. Ob die beiden Charaktere die Eastwood in den jeweiligen Filmen interpretiert nun tatsächlich die selbe Person sind, spielt er keine Rolle, Fakt ist aber dass sie eine sehr ähnliche Charakterisierung aufweisen: es handelt sich zwar immer um einen gesetzlosen Vagabunden, doch im tiefsten Inneren hegt er so etwas wie einen Sinn für  Gerechtigkeit.

Monco ist hinter den Ganoven El Indio (Gian Maria Volontè) her, auf den ein beachtliches Kopfgeld ausgesetzt wurde. Es gilt die altbekannte „Dead or alive“-Klausel und bald wird Monco mit Colonel Dougles Mortimer (Lee Van Cleef) um die wahnsinnige Summe von 10.000 Dollar streiten müssen. Die beiden Bountyhunter können sich nach ersten Meinungsverschiedenheiten und Kräftemessen dennoch einigen und schließen einen Pakt gegen El Indio. Der ehemalige Offizier der US Streitkräfte lässt  alsbald durchblicken dass es ihm primär aber nicht um die Belohnung geht sondern etwas ganz anderes dahinter steckt.

In etwas mehr als 130 Minuten Laufzeit verfolgt der Zuschauer somit ein altbewährtes aber durchaus unterhaltsames Katz und Maus-Spiel. Leone verbleibt hier aber keineswegs in traditionelle Denkmuster, denn bei ihm gibt es keinen Supercowboy der die Schurken zur Strecke bringt und die netten Ladys im Saloon mit lässigen Sprüchen verführt. Sein Western ist dreckig und trügerisch, seine Protagonisten tragen Trenchcoats oder Ponchos und tief sitzende Hüte die, die furchteinflößenden Gesichter verdecken. Die Szenen konzentrieren sich auf die Stille vor den nervenaufreibenden Duellen. Es gibt keine unendlich langen Schießereien, kein Kriegsgeschrei und keine Heldentaten sondern nur schnelle und kompromisslose Fights bei denen der Langsamere ins Gras beißt.

Überhaupt merkt man den Film an dass der Regisseur keinen Stress hatte sondern sich viel Zeit ließ um die Bilder auf den Zuschauer wirken zu lassen. Diese Langatmigkeit führt allerdings nicht zu Fadheit sondern er schafft es seine ganz eigene Atmosphäre zu schaffen die gepaart mit der brillanten Musik von Ennio Morricone für Nervenkitzel sorgt. An einigen Stellen hat man sogar das Gefühl erst die Sounds von Morricone geben die richtige Würzung und lassen die Szene nicht zu einem Standbild verkommen. Die (meist spanischen) Landschaften sind dabei immer sehr schön eingefangen, doch den Höhepunkt seiner herrlichen Weitwinkelaufnahmen wird Leone erst mit Zwei glorreiche Halunken erreichen.

Neben den drei Hauptdarstellern – dessen Namen für sich selbst sprechen – erfreut sich auch noch Klaus Kinski einer kleinen, im Grunde aber unbedeutenden Rolle, die aber zu seinen Image als Hitzkopf perfekt passt. Der angeblich in Western omnipräsente Aldo Sambrell (siehe dazu z.B. Navajo Joe, Von Angesicht zu Angesicht) darf als Cuccillo eine Rolle füllen und Luigi Pistilli (Milano Kaliber 9, Die Rechnung wird mit Blei bezahlt) überzeugt als Groggy, einer von Indios loyalsten Mannen.

In einer Zeit wo mit Akira Kurosawa (Die sieben Samurai) und John Sturges (Die glorreichen Sieben) bereits die ersten Schritte gemacht wurden zwei Filmwelten zusammenzuführen geht Sergio Leone einen Schritt weiter und erweitert diesen Mix mit interessanten Elementen, was von diesen Zeitpunkt an als Spaghetti-Western bekannt wird. Wenn sein Debütfilm Per un pugno di dollari noch seine Version von Kurosawas Yojimbo war, so ging er hiermit bereits einen Schritt weiter und liefert in diesem Sinne einen eigenständigeren Flick ab, wobei hier fairerweise auch das deutlich höhere Budget erwähnt werden muss. Nichts desto trotz bleibt für mich Für eine handvoll Dollar mehr im Vergleich hinter seinen Vorgänger.

Für ein paar Dollar mehr
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