(„The Curious Case Of Benjamin Button“ directed by David Fincher, 2008)

Der seltsame Fall des Benjamin ButtonsGegen Ende des 1.Weltkriegs wird in New Orleans ein physisch degenerierter Junge geboren: Benjamin Button (Brad Pitt). Seine Mutter stirbt bei der Geburt, der Vater Thomas Button (Jason Flemyng) versucht aufgewühlt und angewidert die Missgeburt loszuwerden. Er setzt den kleinen Benjamin vor einem Pflegeheim aus und verschwindet im Trouble und den Menschenmassen die das Kriegsende auf den Straßen feiern. Die schwarze Pflegerin Queenie (Taraji P. Henson), die selbst keine Kinder gebären kann, findet den Säugling auf den Treppen der Anstalt und sieht in Benjamin ein Zeichen Gottes. Sie wird es sein die den Jungen heranziehen wird. Witzigerweise passt Benjamin aufgrund seiner seltenen Krankheit perfekt in das Altenheim, denn physisch ist das Kind eher einem 80 jährigen Tattergreis ähnlich. Die Ärzte geben dem Bub eine minimale Lebenserwartung und auch als Zuschauer kann man kaum glauben dass der gebrechliche, halb-blinde und gelähmte „alte“ Mann noch lange auf der Leinwand zu sehen sein wird. In gewisser Weise stimmt das dann auch, denn im Gegenteil zu anderen Menschen wird Benjamin mit der Zeit nicht älter sondern jünger.
Seine Kindheit und Jugend ist allerdings alles andere als ein Zuckerschlecken: aufgrund seines Äußerlichen ist es nicht leicht Spielkameraden zu finden. Als er die kleine Daisy (Cate Blanchett) kennenlernt wird er sofort von ihren blauen Augen in den Bann gezogen doch dessen Großmutter ist darauf bedacht dass ihre Enkelin mit „normalen“ Kindern spielt. Dennoch wird Daisy einen prägenden Eindruck auf Benjamin hinterlassen.
Mit der Zeit (und nachdem ein christlicher Priester ihm die Hand auflegte) wird Benjamins körperlicher Zustand besser und besser. Er braucht keinen Rollstuhl mehr, sein Gehör und seine Sicht werdeb deutlich besser und als er schließlich (mental) zu einem Teenager heranreift beschließt er sein Heim zu verlassen um das große Abenteuer draußen in der weiten Welt zu suchen. Er heuert als Matrose am Hafen an und bekommt beim alkoholkranken Captain Mike (Jared Harris) einen Job. Seine Aufgaben sind wohl die widerlichsten und dreckigsten die es an Board eines Schleppers geben kann doch Benjamin genießt jede Sekunde in der er in der Lage ist Hand anzulegen. Schließlich wird er mit Mike und der restlichen Crew eine längere Fahrt auf hoher See unternehmen und die Welt bereisen.
In dieser Zeit macht er viele Erfahrungen, besucht erstmals ein Bordell, hat seinen ersten Vollrausch und saugt jegliches Ereignis in sich auf als sei es sein letztes. Er wird ständig kräftiger, das Haar wird wieder voller und man kann eindeutig eine physische Veränderung bemerken. Während seiner Odyssee schreibt Benjamin allerdings (wie versprochen) immer seiner Jugendfreundin Daisy und hält sie auf dem Laufenden. Diese wird unterdessen zu einer ausgezeichneten Tänzerin und bekommt bald ein Jobangebot aus New York das sie nicht ablehnen kann.
Als schließlich in den 40ern die USA in den 2. Weltkrieg eintreten wird auch das Schiff auf dem Benjamin arbeitet zum Militärschlepper für den Pazifik umgewandelt. Obwohl die Crew es sogar mit einem U-Boot aufnehmen muss schafft es Benjamnin auch diese intensive Erfahrung zu überleben und kehrt nach Hause nach New Orleans zurück. Er ist mittlerweile ein attraktiver und kräftiger junger Mann in seinen besten Jahren. Dies hat allerdings nicht nur Vorteile sondern er ist gezwungen mit anzusehen wie seine Liebsten nach und nach älter werden und sterben während er von Tag zu Tag jünger wird.
In den ganzen Jahren hatte er zwar auch seine ersten Erfahrungen mit Frauen gemacht doch nie hat er die himmelblauen Augen von Daisy vergessen. Er macht sich also auf nach New York um die mittlerweile international berühmte Ballett-Tänzerin zu besuchen doch diese scheint mittlerweile ein anderes Leben weit weg von New Orleans und Benjamin zu führen. Doch damit nicht genug denn schließlich entpuppt sich ein alter Bekannter von Benjamin als sein leiblicher Vater. Über Jahre hatte dieser seinem Sohn diese Information vorenthalten und sich als älterer Freund ausgegeben um ihn aus nächster Nähe beobachten – um nicht zu sagen ausspionieren – zu können.
Es macht wenig Sinn die vielen Ereignisse aus den doch sehr lang geratenen 166 Minuten Laufzeit wiederzugeben. Der obenstehende Versuch einer Zusammenfassung soll lediglich einen groben Überblick über den Inhalt geben.
David Fincher beweist hier dass er nicht nur Thriller und Crime („Zodiac„, „Fight Club„, „Sieben„, „The Game„, „Panic Room„) beherrscht sondern auch eine Romanze mit viel Gefühl und bewegenden Momenten inszenieren kann. Die Geschichte selbst basiert auf einer Novelle von F. Scott Fitzgerald und wurde nicht von Fincher selbst adaptiert (der eigentlich nie seine Storys schreibt soweit mir bekannt ist) sondern von Eric Roth für die große Leinwand angepasst.
Die Performance von Pitt fand ich jetzt zwar nicht überragend aber dennoch solide. Da gefällt die immer klasse spielende Cate Blanchett („I’m Not There„, „Coffee And Cigarettes„, „The Good German„) schon besser.
Summa summarum: Man kann sich gerne auf dieses Abenteuer einlassen allerdings fand ich den Mittelteil etwas zu langatmig, vielleicht hätte man hier zu Gunsten des Rhythmus ein bisschen kürzen sollen. „The Curious Case Of Benjamin Button“ hebt sich doch deutlich von anderen Hollywoodproduktionen ab und füllt somit einen gemütlichen Sommerabend mit Freunden und/oder Familie bei Wein und passenden Snacks.

Der seltsame Fall des Benjamin Button
4 (80%) 9 Artikel bewerten

Über den Autor

Ehemaliger Autor

9 Responses

  1. movie-struck

    Dann werde ich ihn mir höchstens bei Gelegenheit mal ansehen, aber nicht gezielt. Langatmiges ist zähe Kost. Aber schön das du uns die passende Nahrung zu diesem Film nahegelegt hast 😀 😉

    Antworten
  2. C.H.

    und füllt somit einen gemütlichen Sommerabend

    Finde ja, dass der besser zu einem kalten (aber nicht weniger gemütlichen) Winterabend passt. 😉

    Antworten
  3. Parker

    Hab den Streifen vor kurzem auch gesehn und fand die die Story ehrlich gesagt zu weit hergeholt. Nur kurz die „logische“ Handlung:
    Ein Mensch wird „alt“ geboren, hat aber „nur“ alte Haut und Knochen, benimmt sich sonst wie ein Kind. Im Laufe des Lebens „verjüngt“ sich dieser Mensch, ergo er wird äusserlich jünger, dennoch „weiser“. Schließlich beginnt dieser Mensch wieder zu schrumpfen (!!!) und verliert jede Fähigkeit zur Kommunikation.

    Das sich jeder Mensch ab einem gewissen Alter wünscht, jünger auszusehn aber trotzdem seine „Weisheit“ zu behalten liegt auf der Hand. Meiner Meinung nach zeigt dieser Film aber ganz deutlich wie absurd es ist sich sowas vorzustellen. Der Plot stinkt, trotz hollywoodüblicher Dramatisierung stellte sich bei mir kein Mitgefühl bei Benjamin Button ein, weil ich wusste: Das ist doch Bullsh*t.

    Das postmoderne Conclusio, voll der ach so reichen „Weisheit“ durfte natürlich nicht fehlen: Jeder Mensch ist ein Individualist und kann das machen was ihm das Leben lebenswert erscheinen lässt. Richtlinien gibt es keine und vieeeeeeleiiiiiicht gibt es ja doch irgendwo einen Fall wie den des Benjamin Button! Also glaub nichtg das du irgendjemanden verurteilen kannst nur weil er sich wie ein kleiner Rotzbengel aufführt, denn wohlmöglich besitzt dieser Schuljunge mehr Lebensweisheit als Methusalem!

    Jaja, nicht jeder Film wird ein „Forrest Gump“ auch wenn man sich noch so Krampfhaft bemüht, denn seither wissen wir ja: „Dumm ist der der Dummes tut“ 😉

    Antworten
  4. Breakout

    Ich muss sagen, dass es bei mir auch die Handlung war, die mich bisher davon abgehalten hat, den Film zu sehen. Das ist mir, wie Parker schon meinte, zu weit hergeholt.

    Antworten
  5. Candide

    Mag sein das es weit hergeholt ist aber ich empfand es nicht so als ob man den Anspruch erheben würde eine 100% logische und realistische Handlung bieten zu wollen.
    Das greift schon eher die Kritik von Parker wo er meint die Aussage sei (hollywoodtypisch) plump und einfach nur beknackt.

    Wie auch geschrieben war dieser Fincher-Streifen für mich ein guter Unterhaltungsfilm keineswegs also mit seinem früheren Werk „Fight Club“ zu vergleichen.

    Antworten
  6. Ijon Tichy

    Für mich war es der bisher schwächste Fincher!

    Die Short Story von Fitzgerald erwähnt nur nebenbeit eine Heirat. Dass Fincher daraus eine Mainstream-taugliche, platte Romanze mit oberflächlichen Charakteren und pseudo-philosophischen Einschüben macht ist schlicht enttäuschend.

    Mich stört gar nicht die Grundidee der Kurzgeschichte. Dieses phantastische Element finde ich durchaus interessant. Doch in der Vorlage wird sowohl auf die Probleme und auf die Erleichterungen, die mit einer derartigen Krankheit einhergehen, eingegangen. Das sind durchaus interessante Gedankenspiele! Im Film bleibt davon nichts viel übrig.

    Und trotz einem Megabudget konnten mich die Special Effects zu keinem Zeitpunkt überzeugen. Brad Pitt war sichtlich bemüht einen Oscar einzuheimsen, indem er die Rollen bis auf das Kind alle selbst spielte. Hat leider nicht funktioniert. Warum auch: er bietet eine recht langweilige Darstellung.

    Außerdem hatte ich das Gefühl alles schon mal z.T. besser woanders gesehen zu haben: Der Erzählrahmen aus Der englische Patient (oder auch Titanic), die schicksalshaften Verbindungen wie in Magnolia und die Grundstimmung aus Forrest Gump (der gleiche Drehbuchautor).

    Eine emotionale Bindung zur Hauptfigur will sich dadurch nie einstellen. Und das ist schade, weil man aus dem Stoff (und von Fincher darf man das durchaus erwarten!) sehr viel mehr hätte machen können.

    Antworten

Hinterlasse eine Antwort

Deine Email Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.