(„Slumdog Millionaire“ directed by Danny Boyle, 2008)

Slumdog MillionärDanny Boyle schafft es immer wieder mit seinen Filmen eine breite Zielgruppe zu begeistern. So ist es auch mit seinen letzten Streich, dem pluriprämierten „Slumdog Millionaire“ das auf den Roman „Q and A“ von Vikas Swarup basiert. Keine Frage es handelt sich um einen bezaubernden und fesselnden 120 Minuten-Streifen der nebenbei auf die Missstände in Indien hinzuweisen versucht. Genau hier aber finde ich schwächelt der Film. Wenn Danny Boyle zu Beginn des Filmes noch mit atemberaubenden Aufnahmen des Mumbaier Gettos beeindruckt und die schrecklichen Bedingungen in der Menschen dort leben, aufzeigt verpufft das Ganze mit dem Einsetzen des Abspanns. Ich bin zwar kein Bollywood-Kenner aber das Ganze ähnelte den Bildern die ich aus der Werbung kenne. Aber kommen wir zum positiven Teil nämlich zum Plot:
Jamal K. Malik (Dev Patel) ist ein sogenannter Slumdog. Aufgewachsen im elendesten Stadtteil der indischen Weltmetropole Mumbai, damals noch als Bombay bekannt, hat er eine traumatische Kindheit hinter sich. Der Zuschauer wird hierzu aber nur tropfenweise informiert, denn zu Beginn des Filmes befindet sich Jamal auf einen Polizeirevier wo er brutal verhört wird. Die Polizisten (Irffan Kahn und Saurabh Shukla) möchten von ihm wissen wie er es in die landesweit beliebte Show „Wer wird Millionär?“ geschafft hat. Parallel dazu erlebt der Kinogänger Ausschnitte aus besagter Show wo es dem Slumdog tatsächlich gelungen ist den Millionengewinn abzuräumen. Natürlich wurde Jamal im Zuge dessen verdächtigt einen versteckten Komplizen zu haben der ihm die korrekten Antworten zugesteckt hat, denn ein Junge aus den Slums ohne Bildung und jeglichen Sinn für Kultur kann unmöglich so viel Wissen besitzen.
Bei seinen Versuchen den Bullen zu erklären warum er die richtigen Antworten wusste, entführt Jamal das Publikum in eine völlig andere Welt. Seine Erzählungen werden als Filmsequenzen dargestellt die praktisch chronologisch seinen Werdegang wiedergeben. Wichtigste Protagonisten dabei sind neben Jamal noch sein Bruder Salim (Madhur Mittal) und Latika (Freida Pinto). Die drei Freunde haben zwischen religiösen Pogromen, Kinderarbeit, Vergewaltigung und Ausbeutung so ziemlich einiges zusammen erlebt, bis eines Tages die junge Latika von den beiden Jungs getrennt wurde. Seitdem ist es Jamals oberstes Ziel seine Jugendliebe wiederzufinden, auch wenn er dazu in der 9 Millionen-Stadt sprichwörtlich die Nadel im Heuhaufen suchen muss. Sein Bruder Salim wurde unterdessen zum Gunman, zum Gangster in Mumbais Unterwelt. Er hält sich über Wasser indem er einen reichen und kriminellen Unternehmer hilft der sich durch den wirtschaftlichen Boom in Indien eine goldene Nase im Baugewerbe verdient. Seinen kleinen Bruder Jamal hat er vor einiger Zeit aus den Augen verloren, Latika hingegen ist nun eine der vielen Frauen des besagten Großunternehmers. Als Jamal dies in Erfahrung bringt versucht er irgendwie an Latika heranzukommen doch alles scheint vergebens zu sein. Er sieht seine Chance ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, indem er sich für die Millionenshow bewirbt, denn schließlich sieht diese Sendung fast ganz Indien mit Begeisterung. Kein Wunder, denn der Gewinner entkommt dem grässlichen Slum-Alltag der für die meisten Durchschnitts-Inder trotz Aufschwung immer noch brutale Realität ist.
Wie eingangs erwähnt überzeugt die Story von Anfang an. Boyle verstrickt ein spannendes wie interessantes Schicksal mit den indischen Missständen. Die Performance der Schauspieler ist dabei beeindruckend gut. Hier im Review genannt wurden übrigens hier nur die „Erwachsenen-Rollen“. Diejenigen die Jamal & Co in den Flashbacks als Kinder interpretieren, leisten auch hervorragende Arbeit und wirken sehr realistisch. Vor allem die Bilder am Anfang des Streifens geben einen guten Überblick über die gewaltigen Ausmaße die das Getto in Mumbai überhaupt hat und in welchen Zuständen die Menschen dort tagtäglich hausen. Das Ganze wird von einem abwechslungsreichen und meist passenden Soundtrack von A.R. Rahman umrahmt.
Das Happyend geht m.E. in Ordnung, hätte ich aber etwas zu sagen gehabt wäre es sicherlich etwas anders ausgefallen. Um keinen die Freude am Film zu verderben halte ich aber an dieser Stelle inne und wünsche viel Vergnügen bei einem der tollsten Film die in letzter Zeit ins Kino kamen.

P.S.: Wie es der Zufall will bin ich heute auf diesen Bericht über die bevorstehenden Wahlen in Indien gestossen. Im Bericht werden unter anderem wichtige Ereignisse der letzten Jahre wiedergegeben die eben auch in „Slumdog Millionär“ eine Rolle spielen.

Slumdog Millionär
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2 Responses

  1. Parker

    Ich fand den Film sehr gut und auch nicht überzogen gewalttätig (wie teilweise bei Dogville), trotzdem hat mich die Freigabe ab 12 etwas verwundert. Es ist trotzdem die „nette Story“ im Vordergrund und das verleiht dem Film einen gewissen Charme. Ehrlich gesagt habe ich auf die Schlußsequenz a la Bollywood nur gewartet. Bin kein Fand davon, aber ich fand es authentisch.

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