
Bei einem Einsatz auf einer auf einer Insel der Salomonen-Gruppe muss Corporal Joe Enders (Nicolas Cage) mit ansehen, wie seine komplette Truppe von den Japanern ausgelöscht wird. Er selbst kommt mit dem Leben davon, wird aber schwer verletzt und quält sich zudem mit Selbstvorwürfen. Doch der Zweite Weltkrieg ist noch immer im vollen Gange, weshalb bereits sein nächster Einsatz wartet. Gemeinsam mit Peter Henderson (Christian Slater) soll er die Funker Ben Yahzee (Adam Beach) und Charlie Whitehorse (Roger Willie) beschützen, die beide dem indigenen Volk der Navajo entstammen. Denn diese kennen einen geheimen Code, der auf keinen Fall in die Hände des Feindes fallen soll. Enders fremdelt mit dieser Aufgabe, versucht aber, diesen Auftrag zu erfüllen. Leicht ist die Aufgabe nicht. Der Feind lauert überall und auch innerhalb der Truppe kommt es zu Spannungen …
Kriegsfiasko
Nachdem John Woo in seiner Heimat bereits große Erfolge gefeiert hatte, wandte sich der in Hongkong aufgewachsene Regisseur Hollywood zu. Und auch dort war ihm zunächst das Glück hold. So landete er in den 1990ern gleich mehrere Hits in Folge, vor allem Face/Off – Im Körper des Feindes und Mission: Impossible II etablierten ihn im Actionkino. Doch dann kam mit Windtalkers ein böser Knick. Der Kriegsfilm fiel an den Kinokassen durch, wurde ein gewaltiges Verlustgeschäft. Und auch die Kritiken waren bescheiden. Woo fühlt sich deswegen bis heute unverstanden, warf auch dem Studio vor, das Falsche erwartet bzw. gefordert zu haben. Wie groß diese Einmischung war, lässt sich nur spekulieren. Aber es ist tatsächlich so, dass man sich dieses Werk nicht unbedingt anschauen muss, trotz des geballten Talents vor und hinter der Kamera.
Dabei wäre da auf jeden Fall Potenzial für mehr gewesen. Dass zwei Männer aus dem Navajo-Stamm im Krieg eingesetzt werden, auf deren Sprache ein für den Feind unverständlicher Code basiert, ist ein interessantes Thema. Tatsächlich sollen die USA rund 400 bis 500 dieser Code Talker in ihren Diensten gehabt haben. Windtalkers geht auf diesen Code aber ebenso wenig ein wie auf die Idee dahinter. Der Film interessiert sich ja nicht einmal wirklich für die beiden Männer. Sie erhalten Namen, Ben darf zwischendurch auch kurz etwas über seine Familie sagen. Das war es aber auch schon. Deutlich mehr Aufmerksamkeit erhält der eigentliche Protagonist Enders. Und selbst der ist nicht so wahnsinnig spannend, wird in erster Linie durch seine traumatische Vergangenheit definiert. Ursprünglich wurde seine Beziehung zur Krankenschwester wohl noch stärker gezeigt. Und auch wenn das gekürzt wurde, zeigt es doch den thematischen Schwerpunkt.
Zäher Kitsch
Er habe einen Film über Ehre und Freundschaft drehen wollen, hat Woo später erklärt. Das war sicherlich nett gemeint, führt aber zu keinem nennenswerten Ergebnis. Klar, man wächst mit der Zeit zusammen. Selbst der rassistische Soldat Charles „Chick“ Clusters (Noah Emmerich) darf mit der Zeit einen Wandel durchmachen, er ist ja eigentlich ein Guter. Im Gegensatz zu den Japanern, die hier nur als das gesichtslose Böse verwendet werden. Natürlich ist Windtalkers da keine Ausnahme. Es gibt viele Kriegsfilme, gerade solchen aus den USA, bei denen mit derart einseitigen Porträts gearbeitet wird. Das macht es aber nicht besser oder interessanter. Anstatt irgendwo mal ein bisschen tiefer zu bohren, vielleicht auch vielschichtige Charaktere zu erschaffen, gibt es nur Pathos und Kitsch.
Immerhin, wenn Woo mal nicht versucht, eine Geschichte zu erzählen und dabei scheitert, gibt es was zu sehen. Zumindest in den Actionszenen ist Windtalkers ganz in Ordnung geworden, selbst wenn diese nicht sonderlich realistisch ausgefallen sind und man nur selten das Gefühl hat, in einem realen Krieg unterwegs zu sein. Aber das reicht ebenso wenig aus wie die Spannung, die sich daraus ergibt, dass die Code Talker erschossen werden sollen, falls der Feind sie findet. Denn dafür ist der Film auch einfach zu lang, die mehr als zwei Stunden ziehen sich mitunter schon kräftig. Auch wenn kommerzieller Erfolg und filmische Qualität nicht zwangsläufig in einer Relation stehen: Zumindest bei diesem unbefriedigenden Kriegsdrama ist der Misserfolg nachvollziehbar.
OT: „Windtalkers“
Land: USA
Jahr: 2002
Regie: John Woo
Drehbuch: Joe Batteer, John Rice
Musik: James Horner
Kamera: Jeffrey L. Kimball
Besetzung: Nicolas Cage, Adam Beach, Peter Stormare, Noah Emmerich, Mark Ruffalo, Brian van Holt, Roger Willie, Frances O’Connor, Christian Slater
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