Sternbrücke forever
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Sternbrücke Forever

Sternbrücke forever
„Sternbrücke Forever“ // Deutschland-Start: 8. Oktober 2026 (Kino)

Inhalt / Kritik

Unter und neben der Hamburger Sternbrücke hatte sich über Jahrzehnte ein Stück Stadt eingerichtet, das so niemand geplant hatte: Kioske, Imbisse, eine Autowerkstatt, Bars und mehrere Clubs, darunter die Astra Stube und die Beat Boutique. Als beschlossen wird, die denkmalgeschützte Brücke von 1925/26 abzureißen und durch eine 108 Meter lange neue Konstruktion zu ersetzen, wird aus diesem Alltag ein Countdown. Christian Hornung begleitet die Menschen vor Ort in seinem Dokumentarfilm Sternbrücke Forever über mehrere Jahre und Drehphasen hinweg: die mittlerweile leider verstorbene Martina Mikolajczyk, die im Kiosk arbeitet, den Kfz-Mechaniker Stefan Butzek, der den Betrieb seines Vaters übernommen hat, die Betreiberfamilien der Imbisse, die Clubbetreiber und die Initiative, die gegen den Abriss kämpft. Mietverträge laufen aus, Läden schließen, Räume werden leer. Am Ende ist die alte Brücke verschwunden, und die neue wird durch das Wohngebiet an ihren Platz gefahren.

Subkultureller Schwanengesang

Man sieht diesen Leuten gern zu. Am interessantesten ist Martina, gerade weil sie sich auf keine Seite schlagen lässt: Die Clubs sind ihr zu laut und zu schmutzig, ihr Verschwinden stört sie kaum. Dass mit dem Kiosk auch ihre Arbeit verschwindet, trifft sie dagegen umso härter. Stefan hat über Jahre wenig in seine Werkstatt investiert, weil seine Mietverträge immer nur befristet waren, und muss mit Anfang sechzig noch einige Jahre weiterarbeiten. An solchen Stellen wird aus dem Schlagwort „Verdrängung“ etwas Handfestes. Es geht um Arbeit, Miete und die Frage, wie man mit Anfang sechzig noch einmal neu anfangen soll. Mit Kiezromantik hat das wenig zu tun.

Hornung begleitet seine Protagonisten geduldig und lässt ihnen Raum. Dass er über mehrere Jahre drehen konnte, zahlt sich aus: Man erlebt nicht nur den Streit um die Brücke, sondern das langsame Verschwinden eines vertrauten Umfelds. Menschen ziehen aus, Geschäfte machen zu, Räume leeren sich. Aus dem abstrakten Bauvorhaben wird eine Folge ganz konkreter Veränderungen. Dazu passt, dass Hornung die Sternbrücke weniger als Bauwerk denn als sozialen Ort betrachtet. Entscheidend ist nicht, wie die Konstruktion aussieht, sondern was unter ihr möglich war: Arbeiten, essen, reparieren, ausgehen, sich treffen.

Hornung nimmt dabei erkennbar Partei, und er tut es auf eine angenehm unspektakuläre Weise. Er sucht nicht die große Anklage, sondern zeigt, was eine politische Entscheidung mit einzelnen Biografien macht. Gleichzeitig bleibt eine Frage offen, die für den Film durchaus wichtig wäre: Warum musste es so kommen? Bahn, Behörden und Gerichte erscheinen als Beschlüsse, Fristen und Kündigungen, nicht als Menschen oder Organisationen mit einer eigenen Perspektive. So erfährt man viel darüber, was der Abriss kostet, aber vergleichsweise wenig darüber, was auf der anderen Seite dafür gewonnen werden soll und welche Alternativen tatsächlich geprüft wurden. Das ist kein Einwand gegen die Menschen im Film, sondern gegen den begrenzten Ausschnitt, den Hornung für seine Geschichte wählt.

Der Ort nach dem Ort

Ganz daraus heraus kommt der Film allerdings auch nicht. Denn Sternbrücke Forever ist vor allem ein Abschied. Hornung wollte festhalten, wie dieser Ort einmal ausgesehen und funktioniert hat, damit man ihn auch Jahre später noch erleben kann. Dafür sind die Menschen wichtiger als jede Planungsunterlage. Dass der Film am Ende bei der neuen Brücke landet, macht den Gedanken sogar noch deutlicher: Die eine Konstruktion ist verschwunden, die andere steht bereits bereit. Was dazwischen lag, lässt sich nur noch als Erinnerung erzählen. Der Titel bekommt dadurch eine schlichte, aber passende Bedeutung. Wenn die alte Sternbrücke nicht für immer bleiben kann, soll wenigstens ihr Bild bleiben.

Die Clubs kommen im Film allerdings eher aus zweiter Hand vor. Hornung filmt sie bewusst nicht als Partybilder, sondern nähert sich ihnen über diejenigen, die dort arbeiten und Verantwortung tragen. Das hat mit Respekt vor diesen Räumen zu tun, die für viele ein geschützter Ort waren. Gleichzeitig fehlt dadurch etwas von dem, was diese Clubs ausmachte: der Abend, die Musik, die Enge, das Publikum. Der Film erzählt also sehr genau, was diese Orte für ihre Betreiber und das Viertel bedeuteten. Er zeigt etwas weniger, warum sie für andere überhaupt so wichtig waren.

Am stärksten ist Hornung deshalb dort, wo er nicht behaupten muss, was dieser Ort bedeutet. Wenn ein Laden ausgeräumt wird, eine Werkstatt vor dem Ende steht oder ein vertrauter Raum plötzlich leer ist, braucht es keine große Erklärung. Dann versteht man sofort, dass hier etwas verschwindet, das sich nicht einfach wieder herstellen lässt. Weniger überzeugend ist der Film dort, wo aus dieser konkreten Geschichte eine allgemeine Frage über Stadtentwicklung werden soll. Dafür bleibt der Blick zu eng auf diejenigen gerichtet, die verlieren.

Credits

OT: „Sternbrücke Forever“
Land: Deutschland
Jahr: 2026
Regie: Christian Hornung
Buch: Christian Hornung
Kamera: Marvin Hesse

Bilder

Trailer

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Sternbrücke Forever
fazit
Ein Abschied von einem Ort und seinen Leuten. Als Milieustudie ist "Sternbrücke Forever" stark, als Film über die politischen Entscheidungen dahinter weniger ergiebig: Hornung zeigt den Wandel, aber kaum, wie er begründet wird. Dennoch sehenswert, weil der Film seine Protagonisten ernst nimmt.
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