In ihrem Haus Dans la maison TV Fernsehen arte DVD kaufen Streamen online Mediathek
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In ihrem Haus

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„In ihrem Haus“ // Deutschland-Start: 29. November 2012 (Kino) // 18. April 2013 (DVD)

Inhalt / Kritik

Eigentlich liebt Germain (Fabrice Luchini) seine Arbeit als Französischlehrer. Er hat nur ein Problem: Seine Klasse hat weder Interesse noch Talent, wenn es um Texte geht. Als er ihr die Aufgabe gibt, das vergangene Wochenende zu beschreiben, ist das Ergebnis schockierend schlecht. Lediglich der stille Claude (Ernst Umhauer), der sich in der letzten Reihe versteckt, fällt durch seinen Aufsatz auf. Darin erzählt er, wie er seinem Mitschüler Rapha (Bastien Ughetto) und dessen Eltern (Emmanuelle Seigner, Denis Ménochet) nähergekommen ist. Als Fortsetzungsgeschichte angelegt, ist Germain schnell von den Beschreibungen fasziniert, erwartet Großes von dem Jungen. Seine Frau Jeanne (Kristin Scott Thomas) hingegen ist weniger begeistert von den voyeuristischen Ausführungen des 16-Jährigen …

Was heißt schon Realität?

Auch wenn nicht jeder seiner Filme ein Volltreffer ist, findet man doch kaum einen Regisseur, der ähnlich wandelbar ist wie François Ozon und dabei so produktiv. Mal dreht er strenge Kriegsdramen (Frantz, 2016), erzählt vom romantischen Aufwachsen zweier Jugendlicher (Sommer 85, 2020), zuletzt lief seine extravagante Krimikomödie Mein fabelhaftes Verbrechen (2023) in den Kinos. Dabei wechselt er nicht nur von Film zu Film das Genre. Manchmal geschieht das auch innerhalb ein und desselben Films. Ein gutes Beispiel für diese Grenzwanderungen ist sein In ihrem Haus aus dem Jahr 2012. Denn auch wenn mal wohl noch am ehesten Drama dazu sagen würde, finden sich auch Elemente des Thrillers darin. Hinzu kommen komödiantische Momente, die gern auch mal ins Satirische gehen dürfen.

Inhaltlich ist der Film sowieso kontinuierlich mit dem Auflösen von Grenzen beschäftigt. Anfangs sieht es zwar noch danach aus, als würde Claude einfach nur das Erlebte wiedergeben. Doch schon bald wird klar, dass eigentlich nichts wirklich klar ist. Nicht nur, dass wir darauf angewiesen sind, was Claude erzählt, der sich als nicht unbedingt neutraler Beobachter herausstellt. Der Jugendliche beeinflusst zudem direkt das Geschehen, macht die Mitglieder der beschriebenen Familie zu seinen Figuren. Das geht dann zwar nicht so weit wie in El Autor, wo ein angehender Autor aus rein narrativen Absichten heraus massiv in das Leben anderer eingreift. Aber auch In ihrem Haus handelt davon, wie der Beobachtende die Realität verändert, um sie sich einzuverleiben.

Die Macht des Erzählens

Die Adaption des Theaterstücks El chico de la última fila – auf Deutsch „Der Junge in der letzten Reihe“ – des spanischen Dramatikers Juan Mayorga stellt dabei ganz grundsätzlich das Verhältnis zwischen dem Erzählenden und dem Erzählten in Frage. Das betrifft einerseits den Klassiker, ob es überhaupt möglich ist, etwas zu erzählen, ohne es dabei zu verändern. Aber auch Überlegungen, inwieweit der Akt des Erzählens immer etwas Voyeuristisches an sich hat, sind in dieser Situation naheliegend. Eine Antwort auf diese Fragen gibt Ozon nicht, In ihrem Haus will weder erklären noch etwas vorgeben. Moralisiert wird sowieso nicht. Vielmehr nimmt einen der Regisseur und Drehbuchautor mit in ein filmisches Labyrinth, aus dem man so leicht nicht wieder herausfindet.

Grübeln darf man dabei immer wieder. Gespannt sein, wie das Ganze weitergehen und ausgehen wird, sowieso. Man kann sich aber auch entspannt zurücklehnen und mitansehen, wie sich die Figuren zunehmend verheddern. Allen voran ist da natürlich Germain, der von Fabrice Luchini (Alice oder Die Bescheidenheit) als voyeuristischer Bildungsbürger an der Grenze zur Lächerlichkeit dargestellt wird. Während der Franzose aber eine bekannte und verlässliche Größe ist, gerade im komödiantischen Umfeld, war Nachwuchsdarsteller Ernst Umhauer eine echte Entdeckung als verschlagener und manipulativer Jugendlicher. Es macht einfach Spaß, wie seine Figur in In ihrem Haus den Lehrer an der Nase herumführt, ihn immer tiefer in eine Geschichte hineinzieht, bei der offen ist, was deren Ziel eigentlich ist.

Credits

OT: „Dans la maison“
Land: Frankreich
Jahr: 2012
Regie: François Ozon
Drehbuch: François Ozon
Vorlage: Juan Mayorga
Musik: Philippe Rombi
Kamera: Jérôme Alméras
Besetzung: Fabrice Luchini, Ernst Umhauer, Kristin Scott Thomas, Bastien Ughetto, Emmanuelle Seigner, Denis Ménochet

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
César 2013 Bester Film Nominiert
Beste Regie François Ozon Nominiert
Bestes adaptiertes Drehbuch François Ozon Nominiert
Bester Hauptdarsteller Fabrice Luchini Nominiert
Bester Nachwuchsdarsteller Ernst Umhauer Nominiert
Beste Musik Philippe Rombi Nominiert

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In ihrem Haus
fazit
„In ihrem Haus“ begleitet einen Lehrer, der sich immer mehr in der Geschichte eines seiner Schüler verliert. Das schwankt zwischen Drama, Thriller und Satire und verwischt zudem die Grenze zwischen Erlebtem und Erzähltem. Das ist mit vielen Fragen verbunden. Antworten muss man in diesem filmischen Labyrinth aber selbst suchen.
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