Dead for a Dollar
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Dead for a Dollar

„Dead for a Dollar“ // Deutschland-Start: 24. Februar 2023 (DVD/Blu-ray)

Inhalt / Kritik

Es scheint ein ganz normaler Auftrag für den Kopfgeldjäger Max Borlund (Christoph Waltz) zu sein: Er soll für Martin Kidd (Hamish Linklater) dessen Frau Rachel (Rachel Brosnahan) befreien, nachdem diese von dem Deserteur Elijah Jones (Brandon Scott) entführt wurde und nun in Mexiko gefangen gehalten wird. Doch noch bevor sie dort ankommen, kreuzt sich ihr Weg mit Tiberio Vargas (Benjamin Bratt), der immer dafür zu haben ist, andere Leute auszunehmen. Und als wäre die Lage nicht schon kompliziert genug, macht sich auch der gerade aus dem Gefängnis entlassene Joe Cribbens (Willem Dafoe), den Borlund nur zu gut kennt, auf den Weg in den Süden, um dort ein neues Leben zu beginnen. Und geht dafür schon mal über Leichen …

Spätwerk einer Western-Ikone

Und wenn sie nicht gestorben sind, dann drehen sie noch immer. Während bei den meisten Berufen darüber gestritten wird, ob eine Rente bis in die späten Sechziger angemessen ist, schwingen sich deutlich Ältere unbekümmert in den Regiestuhl. Ob Steven Spielberg, Dario Argento, Martin Scorsese oder Clint Eastwood: Da werden auch mit siebzig, achtzig oder gar neunzig Jahren noch neue Geschichten erzählt und große Welten entworfen. Ebenfalls teils dieser illustren Altherrenreihe ist Walter Hill, der kürzlich stolze 83 Jahre alt geworden ist. Dessen Höhepunkt liegt zwar inzwischen ein Weilchen zurück, seine bekanntesten Filme wie Nur 48 Stunden oder Red Heat drehte er, als er nur halb so alt war. Das hinderte ihn aber nicht daran, es mit Dead for a Dollar noch einmal wissen zu wollen und sich an einem weiteren Werk zu versuchen.

Dass der Name noch immer zieht, zeigt ein Blick auf die Besetzungsliste. Christoph Waltz, Willem Dafoe, Rachel Brosnahan und Hamish Linklater, damit kann man schon einmal angeben. Für eine Kinoauswertung hat es dennoch nicht gereicht, Dead for a Dollar wird hierzulande eher versteckt auf DVD veröffentlicht, ohne viel Marketing. Dabei hätte der Film durchaus mehr Aufmerksamkeit verdient. Sicher ist das Westerngenre keines, das bei uns noch Millionen von Menschen in die Lichtspielhäuser lockt. Hill, der auch am Drehbuch beteiligt war, hat zudem nicht wirklich viel Neues zu erzählen. Hier ging es nur darum, seiner Liebe für diese Art Geschichten noch einmal nachzugehen. Dabei wollte er weder sich, noch Publikum oder der Presse etwas beweisen. Muss er nicht mehr, er weiß, was er will.

Sehenswert unaufgeregt

Das ist auch durchaus eine Stärke seines Films. Auf der einen Seite hat der US-Amerikaner seiner Filmografie kein spannendes neues Kapitel hinzugefügt, weder inszenatorisch noch inhaltlich. Die Welt wäre nicht unbedingt ärmer gewesen, wenn er darauf verzichtet hätte. Der Western, der bei den Filmfestspielen von Venedig 2022 Premiere feierte, gefällt durch seine unaufgeregte und schnörkellose Art. Bei Dead for a Dollar gibt es keinen Bombast, gibt es keine spektakuläre Action, die durch Schnitt- und CGI-Gewitter erkauft wurde. Die Figuren sind auch keine Übermenschen, bei denen alles nach Plan klappt. Eigentlich klappt fast nichts nach Plan, was die Männer und Frauen schön geerdet macht.

Wenn man an der Stelle etwas vorwerfen kann, dann höchstens, dass es zu viele Figuren sind. Auf der einen Seite macht es zwar schon Spaß, wie sich die Wege dieser ganzen Leute kreuzen, mal freiwillig, mal weniger freiwillig. Das wird von Minute zu Minute verworrener, zumal auch Wendungen drin sind. Nur führt das nicht unbedingt wohin. Tatsächlich scheint sich Hill nicht übermäßig dafür zu interessieren, ob er da in sich schlüssige Geschichten erzählt. Da wird immer mal wieder etwas angefangen, ohne es zu einem Ende zu bringen. Bei  der Figur von Dafoe fragt man sich sogar, warum die überhaupt in dem Film drin war. Doch auch wenn das inhaltlich nicht alles so ganz überzeugt, unterhaltsam ist Dead for a Dollar, hat zudem immer mal wieder sehenswerte Bilder – sofern man sich an dem schon etwas sehr offensiven Braunstich nicht stört.

Credits

OT: „Dead for a Dollar“
Land: USA, Kanada
Jahr: 2022
Regie: Walter Hill
Drehbuch: Matt Harris, Walter Hill
Musik: Xander Rodzinski
Kamera: Lloyd Ahern II
Besetzung: Christoph Waltz, Willem Dafoe, Rachel Brosnahan, Hamish Linklater, Benjamin Bratt, Warren Burke, Brandon Scott

Bilder

Trailer

Filmfeste

Venedig 2022
Internationales Filmfestival Mannheim-Heidelberg 2022

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Dead for a Dollar
fazit
„Dead for a Dollar“ erzählt von einem Kopfgeldjäger und mehreren Verbrechern, deren Wege sich kreuzen. Der Film ist dabei eine Hommage an vergangene Tage, wenn sich die einzelnen Stränge zu einem immer chaotischer werdenden Wettstreit verheddern. Das ist alles nicht neu, aber doch unterhaltsam erzählt und erstklassig besetzt.
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