Buzz Lightyear Pixar
© Disney/Pixar
„Lightyear“ // Deutschland-Start: 10. Juni 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Für Buzz Lightyear ist seine Arbeit als Space Ranger nicht nur ein Beruf. Vielmehr sieht er darin seinen persönlichen Sinn des Lebens, sein ganzes Herzblut steckt er hinein. Doch all das bricht in sich zusammen, als er, seine Partnerin Alisha und der Rest der Crew auf einem mit aggressiven Tentakelmonstern bevölkerten Planeten feststecken. Von Vorwürfen geplagt, seine Mannschaft im Stich gelassen zu haben, setzt er seine ganze Hoffnung in eine experimentelle Mission, durch die er den nötigen Antrieb zu finden hofft, der es ihnen erlauben würde, den Planeten zu verlassen. Einfach ist das nicht, Buzz muss einige Fehlschläge wegstecken. Die Mission ist zudem mit hohen persönlichen Kosten verbunden, wie er bald feststellt: Mit jedem gescheiterten Anlauf verliert er mehr von seinem ursprünglichen Leben …

Comeback eines Ausnahmestudios

Die Künstler und Künstlerinnen bei den Pixar Studios konnten einem in den letzten beiden Jahren wirklich leid tun. Onward lief nur ganz kurz in den Kinos, bevor die Corona-Pandemie alles kulturelle Leben abwürgte. Die drei folgenden Filme Soul, Luca und Rot schafften es erst gar nicht in die Lichtspielhäuser, sondern wurden gleich zum hauseigenen Streamingdienst Disney+ abkommandiert. Das war für die Abonnenten und Abonnentinnen zwar schön, die auf diese Weise mal mehr bekamen als die üblichen mäßigen Direct-to-Video-Produktionen. Schade war es trotzdem, die wie immer umwerfenden Bilder nicht auf der Leinwand sehen zu dürfen. Qualitativ war das Trio einem Großteil der Animationsfilme ohnehin überlegen, die in der Zwischenzeit sehr wohl im Kino liefen, weswegen der Frust der Teams mehr als verständlich ist, deren harte Arbeit nicht so wirklich gewürdigt wurde.

Mit Lightyear kehrt nun erstmals seit Jahren das berühmte Animationsstudio zurück in die Kinos. Aus gutem Grund: Die Hauptfigur Buzz Lightyear ist jedem seit Toy Story ein Begriff, was entsprechende Einspielergebnisse erhoffen lässt. Vier Langfilme wurden rum um die lebendig gewordenen Spielzeuge gedreht, dazu gab es noch Kurzfilme. Einer davon ist Toy Story of Terror!, ein 2013 produziertes TV-Special. Angus MacLane, der bei diesem Regie führte und das Drehbuch schrieb, durfte auch beim großen Spin-off die künstlerisch die Leitung übernehmen. Die Idee hinter diesem ist irgendwie originell. Gewissermaßen handelt es sich um ein Prequel der Hauptfilme, da es sich hier um den Film handeln soll, durch den der Junge Andy zum Fan wurde – und deshalb die Puppe wollte. Dadurch bekommt das Abenteuer leichte Meta-Anleihen, ist eine Art Film im Film. Und gleichzeitig wieder nicht.

Alles auf Anfang

Allzu viel sollte man in der Hinsicht aber nicht erwarten. Es gibt auch vergleichsweise wenig Fanservice. Stattdessen fängt die Geschichte mehr oder weniger bei Null an, womit auch Neulinge herzlich eingeladen werden, den Weg ins Weltall zu starten. Tatsächlich richtet sich Lightyear auch stärker an Kinder, als es viele andere Pixar-Werke getan haben. Nicht nur dass der Film geradliniger ist in der Erzählung. Er setzt zudem auf bewährte Mittel wie den tierischen Sidekick, selbst wenn dieser hier mal eine etwas andere Form hat. Dazu gibt es einige Slapstick-Einlagen. Die funktionieren durchaus, es gibt während der Mission immer wieder unterhaltsame Momente. Tatsächlich ambitioniert ist der Film jedoch nicht, zumal sich einige Witze auch wiederholen.

Dafür gibt es eine emotionale Komponente, die der Geschichte noch ein Fundament verleiht. Diese dreht sich um die Frage, welchen Sinn das Leben überhaupt hat. Während Buzz Lightyear zunächst felsenfest davon überzeugt ist, dass nur die Arbeit als Space Ranger von Bedeutung ist, muss er später erkennen, dass es durchaus noch Alternativen gibt. Und auch beim Umgang mit dem restlichen Team macht er einen Lernprozess durch und verinnerlicht, dass manches erst auf den zweiten Blick seinen wahren Wert verrät. MacLane und sein Co-Autor Jason Headley plädieren auf diese Weise für einen stärkeren Austausch, mehr Verständnis und mehr Toleranz. Dass der Film aufgrund zweier lesbischer Figuren in diversen Ländern verboten ist, ist da umso bitterer – zumal diese Geschichte schön beiläufig erzählt wird.

Einfach unterhaltsam

Es gibt also einiges zu mögen an Lightyear. Im Vergleich zu anderen Filmen der Pixar Studios ist dieser aber schon eher am unteren Ende der Skala angesiedelt. So macht es zwar Spaß, mit der Chaostruppe unterwegs zu sein. Visuell kann man ohnehin keinen Vorwurf machen, wenngleich sich aufgrund des gewählten Settings die die Abwechslung etwas in Grenzen hält. Aber die vorangegangenen Nicht-Kino-Titel waren schon interessanter, optisch wie inhaltlich. Hinzu kommt das Gefühl, dass dieses Spin-off mehr die Pilotfolge einer Serie ist als ein wirklich in sich abgeschlossenes Abenteuer. Gegen eine solche wäre sicher nichts einzuwenden. Bei einem Kinofilm, gerade bei diesem Studio, darf man aber höhere Erwartungen haben.

Credits

OT: „Lightyear“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Angus MacLane
Drehbuch: Angus MacLane, Jason Headley
Musik: Michael Giacchino
Animation: Pixar Studios

Bilder

Trailer

Interviews

Ihr seid nach dem Abenteuer selbst noch auf einem Höhenflug und möchtet mehr über Lightyear erfahren? Dann haben wir zwei Tipps: Zum Kinostart des Films haben wir Interviews mit Schauspieler Tom Wlaschiha, der in der deutschen Version Buzz Lightyear spricht, sowie Regisseur Angus MacLane und Produzentin Galyn Susman geführt.

Tom Wlaschiha [Interview 2022]

Angus MacLane / Galyn Susman [Interview]

Special

Wer mehr über die Geschichte von Pixar erfahren möchte: In unserem Themenspecial verraten wir euch mehr über das berühmte Animationsstudio und stellen Dutzende von Werken vor.

Pixar Studios (Special)

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Lightyear
Fazit
„Lightyear“ erzählt quasi die Vorgeschichte der aus den „Toy Story“-Filmen beliebten Spielzeugfigur Buzz Lightyear. Das Spin-off enthält erstaunlich wenig Fanservice, sondern funktioniert als eigenständiges Abenteuer. Dieses ist durchaus unterhaltsam. Trotz einiger Denkanstöße, etwa zum Sinn des Lebens, bleibt der Anspruch aber unter dem, was Pixar sonst liefert. So richtig große Ambitionen hatte man hiermit nicht.
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