Inhalt / Kritik

Luca

„Luca“ // Deutschland-Start: 18. Juni 2021 (Disney+)

Luca lebt gemeinsam mit den anderen Seemonstern tief unter der Wasseroberfläche. Die Welt der Menschen ist ihm fremd, auch weil seine Eltern ihm immer wieder einbläuen, wie gefährlich diese sind. Doch dann begegnet er eines Tages Alberto, der nicht nur keine Angst vor der Welt da oben hat. Er lebt sogar dort: Wann immer er an Land geht, verwandelt er sich in einen Menschen. Tatsächlich verfügt auch Luca über diese Gabe, weshalb er immer häufiger seine Pflichten vernachlässigt und mit seinem neuen Freund Zeit in dessen Unterschlupf verbringt. Als die beiden eines Tages eine nahegelegene Küstenstadt besuchen, in der Hoffnung dort eine Vespa für sich zu finden, mit der sie herumfahren können, machen sie die Bekanntschaft mit Giulia und freunden sich mit ihr an. Dabei darf jedoch niemand wissen, dass sie in Wahrheit Seemonster sind – umso mehr, da Giulias Vater diese jagt …

Bekanntes neu verpackt

So ganz weiß man bei Pixar nie, woran man ist. Hin und wieder überrascht das Animationsstudio, das in den Anfangsjahren zu den besten überhaupt gezählt wurde, mit frischen Ideen und ungewöhnlichen Szenarien. Alles steht Kopf zum Beispiel, bei dem die komplexe Gefühlswelt eines Menschen durch eine ebenso komplexe mechanische Innenwelt veranschaulicht wurde. Letztes Jahr begeisterte Soul über eine Seele, die sich zurück auf die Erde trickst, auf der Suche nach dem Sinn des Lebens. Doch dazwischen erscheinen schon seit einer geraumen Zeit Filme, bei denen man immer das Gefühl hat, sie doch schon mal woanders gesehen zu haben. Und das gilt dann auch für Luca, den 24. Langfilm des Studios.

Da wäre zum einen das Motiv des Unterwasserwesens, das mit Menschen Freundschaft schließt. Hayao Miyazaki hatte etwas Ähnliches schon mal in Ponyo – Das große Abenteuer am Meer erzählt, vor einigen Jahren brachte Masaaki Yuasa mit Lu Over the Wall eine eigene Fassung heraus. Zum anderen sind die Themen und Abläufe von Luca innerhalb der Pixar-Filmografie nicht übermäßig neu. Ob es die Anfänge der Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten sind, die Dramaturgie der Geschichte, der gelegentliche Slapstick – das ist schon alles ziemlich genau nach dem firmeninternen Leitfaden abgedreht. Und natürlich muss im letzten Drittel das Lügenkonstrukt der Jungs, die keine richtigen Jungs sind, in sich zusammenfallen. Die Tradition solcher Filme verlangt das.

Nostalgische Zeitreise

Aber auch in anderer Hinsicht orientiert sich Luca sehr offen an vergangenen Zeiten: Wie kaum ein anderer Film von Pixar ist dieser von einer unglaublichen Nostalgie gefärbt. So spielt die Geschichte im Sommer 1959 in einer kleinen italienischen Küstenstadt. Für die Geschichte an sich ist das Setting völlig unbedeutend, das wäre genauso im hier und jetzt möglich. Doch der Film ist eben auch eine Liebeserklärung an das einfache Leben, wie es heutzutage so nur noch schwer umzusetzen ist. Hier wird noch auf schrottreifen Fahrrädern über Abhänge gerast, sich an Wasser und Pasta erfreut, an den Kindern vorbei, die auf dem Marktplatz Fußball spielen. Der Alltag wird zum Abenteuer gemacht, weil den Kids auch gar nichts anderes übrig blieb.

Das mag ein wenig verklärend sein, ist aber ungemein charmant umgesetzt. Hinzu kommt die erwartet wundervolle Optik. Selbst wenn man bei Pixar inzwischen hin und wieder ein Fragezeichen hinter den Inhalt stellen darf, technisch macht ihnen noch immer so leicht niemand etwas vor. Dabei ist es vor allem die Ausgestaltung des Dorfes, welche begeistert. Luca hat einen sehr schön plastischen Look: Wenn wir mit den beiden Jungs durch die engen Gassen düsen, dann hat das ein bisschen etwas von einer liebevoll nachmodellierten Spielzeugvariante einer echten Stadt. Auch wenn die Abwechslung aufgrund des begrenzten Schauplatzes eher gering ist, gibt es hier doch sehr viel anzuschauen und zu bewundern.

Ein Film wie ein entspannter Sommerurlaub

Zu einem Klassiker reicht das in der Summe sicher nicht, dafür fehlt dem Film dann doch das Außergewöhnliche, welches frühere Pixar-Werke auszeichnete. Auch die Figurenzeichnung ist recht schlicht geworden. Aber man kann eben doch ganz gut Spaß mit Luca und den anderen haben. Das gilt vor allem natürlich für ein jüngeres Publikum, das sich mit den Coming-of-Age-Elementen eines Jungen auf der Selbstsuche identifizieren darf. Ein älteres Publikum darf sich über die immer willkommenen Aufrufe zu mehr Toleranz gegenüber dem Andersartigen und Fremden freuen. Und eben die besagte nostalgische Note: Luca ist wie ein entspannender Sommerurlaub, für den man nicht einmal sein Sofa verlassen muss.

Credits

OT: „Luca“
Land: USA
Jahr: 2021
Regie: Enrico Casarosa
Drehbuch: Jesse Andrews, Mike Jones
Musik: Dan Romer
Animation: Pixar

Bilder

Trailer

Special

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Luca
„Luca“ nimmt uns mit in eine kleine italienische Küstenstadt, wo zwei Meereswesen in Menschengestalt von einer Vespa träumen. Der Film zeichnet sich durch eine wunderbare Optik, die nostalgische Sommeratmosphäre und eine positive Message aus, auch wenn der Inhalt selbst nicht wirklich einfallsreich ist.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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