Alles steht Kopf 2 Inside Out 2 Pixar
© Disney/Pixar
„Alles steht Kopf 2“ // Deutschland-Start: 12. Juni 2024 (Kino)

Inhalt / Kritik

Eigentlich dachte die 13-jährige Riley, dass sie ihre Emotionen inzwischen gut unter Kontrolle hat. Freude, Kummer, Wut, Angst und Ekel halten sich die Waage. Doch nun tauchen neue Gefühle auf, mit denen sie erst einmal klarkommen muss. Vor allem Zweifel macht ihr zu schaffen, hinzu kommen Neid, Ennui und Peinlich, die ihr Leben durcheinanderbringen. Dabei ist sie an einem Punkt, an dem es sehr wichtig wäre, mit sich im Reinen zu sein. Nicht nur, dass Bree und Grace, ihre beiden besten Freundinnen, auf eine andere High School gehen werden, wodurch für Riley eine Welt zusammenbricht. Auf dem Hockey Camp muss sich die Teenagerin zudem beweisen, damit sie im Hockeyteam ihrer eigenen Schule aufgenommen werden kann. Da kann sie es gar nicht gebrauchen, dass ihre Emotionen auf einmal Amok laufen und sich gegenseitig bekämpfen …

Würdige Fortsetzung vom Gefühlschaos

Als Animationsfan durfte einem schon das Herz bluten, wie böse Pixar in den letzten Jahren abgestürzt ist. Lange galten sie als Premiumstudio, dem es wie keinem anderen gelang, die ganze Familie anzusprechen, und dabei einen Klassiker nach dem anderen schuf. Das war einmal. Durch die Corona-Pandemie wurde alles anders: Gleich drei Filme in Folge verpassten reguläre Kinostarts. Das Toy Story Spin-off Lightyear, welches das lang erwartete Leinwand-Comeback hätte werden sollen, wurde an den Kassen zum Desaster. Bei Elemental war die Resonanz anfangs auch bescheiden. Erst mit der Zeit wurde die Geschichte um ein Feuer-Wasser-Paar zu einem kleineren Erfolg. Man war schon froh, keinen weiteren Flop mehr verbuchen zu müssen. Jetzt sieht es so aus, als könnte Alles steht Kopf 2 tatsächlich zum ersehnten Hit werden, es wäre der erste seit fünf Jahren.

Dabei durfte man im Vorfeld mindestens misstrauisch sein, wenn nicht gar mit der Nase rümpfen. Natürlich war Alles steht Kopf ein wunderbarer Film, der sich auf originelle Weise mit dem Gefühlschaos eines jungen Menschen auseinandersetzt. Man darf das Animationsabenteuer sogar zu den besten Titeln von Pixar überhaupt zählen. Nur war die Geschichte abgeschlossen, es brauchte keine Fortsetzung. Mal wieder sah es so aus, würde das Studio nur noch alte Hits aufwärmen, weil die Ideen für neue Filme fehlten bzw. das Publikum Letztere nicht will. Für eine Schmiede, die so viele unvergessliche Titel kreierte, war das schon ziemlich bitter. Aber Entwarnung: Alles steht Kopf 2 ist alles andere als ein billiger Aufguss, sondern eine Fortsetzung, die dem Vorgänger tatsächlich gerecht wird.

Komplexes humorvoll verpackt

Natürlich, die Geschichte ist nicht groß anders als die vom ersten Mal. Erneut geht es darum, dass wir die junge Protagonistin dabei beobachten, wie sie durch tägliche Krisen stolpert, während ein Blick hinter die Kulissen zeigt, was in ihrem Gefühlszentrum so vor sich geht. Auch dass es zu Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Emotionen kommt und sie aus der Zentrale fliegen, während sie unterwegs Abenteuer erleben, ist bekannt. Im Grunde begnügt man sich bei Alles steht Kopf 2 damit, einfach ein paar neue Gefühle einzubauen und so noch einmal etwas Ähnliches zu erzählen. Beeindruckend ist jedoch, wie diese einzelnen Elemente ineinandergreifen und auf diese Weise die Komplexität eines jungen Gefühlslebens abgebildet wird.

Herausragend ist dabei vor allem Zweifel, die hier die Funktion der Antagonistin einnimmt. Dabei ist sie nicht im eigentlichen Sinn böse. Tatsächlich will sie das Beste für Riley, malt immer das schlechteste Ergebnis aus, um rechtzeitig gegensteuern zu können. Sie ist damit eher eine tragische Figur, die an ihren eigenen Ansprüchen scheitert und zu spät realisiert, was sie anrichtet. Die drei anderen Neuzugänge werden dabei leider etwas an den Rand gedrückt, gerade bei Neid wäre mehr möglich gewesen. Sie wird in Alles steht Kopf 2 letztendlich nur für den Humor gebraucht. Gleiches gilt für Ennui. Dafür ist die Gestaltung wieder einwandfrei, die Designs der Figuren sind gelungen.

Viel Identifikationsfläche

Ohnehin ist Alles steht Kopf 2 ein sehr starker Film geworden, der perfekt Humor und Herz miteinander kombiniert und einem vor Augen führt, wie es ist, als junger Mensch ein Gefühlschaos durchleben zu müssen. Die Szene, in der Riley eine Angstattacke durchmacht – weshalb das englische „anxiety“ deutlich besser passt als die deutsche Fassung „Zweifel“ –, gehört zu den stärksten, die Pixar in den letzten Jahren produziert. Aber auch sonst darf man sich an seine Jugend zurückerinnert fühlen, wenn Licht und Schatten eng beieinander liegen, Triumph und Niederlage, man nicht weiß, was der nächste Schritt sein wird und wie man sich verhalten soll. Auf diese Weise wird das Animationsabenteuer zu einem sehr menschlichen Werk, welches viel Identifikationsfläche bietet und zugleich gut unterhält.

Credits

OT: „Inside Out 2“
Land: USA
Jahr: 2024
Regie: Kelsey Mann
Drehbuch: Meg LeFauve, Dave Holstein
Musik: Andrea Datzman
Animation: Pixar

Bilder

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Alles steht Kopf 2
fazit
„Alles steht Kopf 2“ mag zwar keine wirklich neue Geschichte erzählen. Und doch ist es erstaunlich, wie gut auch beim zweiten Anlauf das Konzept der veranschaulichten Gefühle funktioniert. Vor allem Neuzugang Zweifel ist ein echter Gewinn, wenn die Protagonistin sich ständig die schlimmsten Szenarien ausmalt und lernen muss, mit dieser Seite umzugehen.
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