Jurassic World Ein neues Zeitalter Dominion
© Universal Pictures

Jurassic World: Ein neues Zeitalter

„Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ // Deutschland-Start: 8. Juni 2022 (Kino)

Inhalt / Kritik

Dinosaurier haben die Erde zurückerobert, auf der ganzen Welt haben sie ein neues Zuhause gefunden – zum Leidwesen der Menschen, die mit der wiedererschaffenen Art so ihre Probleme haben. Owen Grady (Chris Pratt) und Claire Dearing (Bryce Dallas Howard) bekommen davon jedoch nur wenig mit, da sie zurückgezogen mit ihrer Adoptivtochter Maisie Lockwood (Isabella Sermon) in der Natur leben. Aber nicht zurückgezogen genug: Eines Tages wird die Jugendliche ebenso wie ein Dinosaurierjunges von unbekannten Männern entführt. Gleichzeitig haben Dr. Ellie Sattler (Laura Dern) und Dr. Alan Grant (Sam Neill) ganz andere Sorgen, treiben doch Schwärme riesiger Killerheuschrecken ihr Unwesen. Ihre Suche nach Antworten führt sie zu einem mächtigen Technologieunternehmen, wo sie ihren alten Bekannten Dr. Ian Malcolm (Jeff Goldblum) wiedertreffen …

Zurück in die Vergangenheit

Die Erwartungen an ein Reboot von Steven Spielbergs einflussreichem Blockbuster Jurassic Park waren natürlich groß – und wurden noch einmal gewaltig übertroffen. Mehr als 1,6 Milliarden US-Dollar spielte Jurassic World ein, das eine Variation der bekannten Geschichte um geklonte Dinosaurier erzählte. Drei Jahre später folgte mit Jurassic World: Das gefallene Königreich eine Fortsetzung, die zwar von Kritikern und Kritikerinnen nicht unbedingt wohlwollend aufgenommen wurde. Die Einspielergebnisse waren aber noch immer so gigantisch, dass ein dritter Teil nur eine Frage der Zeit sein würde. Der verschob sich zwischendurch zwar ein wenig, die Corona-Pandemie setzte selbst den Urzeitechsen mächtig zu. Nun aber liegt Jurassic World: Ein neues Zeitalter vor und macht sich an die Arbeit, sich die Spitzenposition der Kinocharts zurückzuholen.

Damit das auch klappt, zückt Regisseur und Co-Autor Colin Trevorrow eine der mächtigsten Waffen, die Hollywood derzeit hat: Nostalgie. Ob nun Star Wars: Episode VII – Das Erwachen der Macht, Ghostbusters: Legacy oder die diversen Marvel-Abenteuer der letzten Zeit, da werden regelmäßig, teils exzessiv alte Figuren wiederbelebt. Das Ziel: Fans sollen in Erinnerungen schwelgen und damit eine gute Zeit haben. Bei Jurassic World: Ein neues Zeitalter bedeutet das, dass nicht nur die Figuren der Reboots zurückkehren, sondern auch einige der ersten Trilogie aus den 1990ern. Offensichtlich kalkulierte man damit, dass diejenigen, die sich vor 30 Jahren in den Kinos vor der ersten Generation an Dinosauriern gruselten, für die Reunion noch einmal zusammenkommen und dort auf ein Publikum treffen, welches die neuen Teile ins Herz geschlossen hat.

Tolle Elemente in einem dummen Film

Das ist wie bei diesen anderen Fanservice-Frontalangriffen mindestens dreist, teils gar zynisch. Der deutsche Untertitel ist bei so viel erzwungenen Rückblicken sogar ein hässlicher Fall von Etikettenschwindel. Und doch: Irgendwie ist es schön, die alten Figuren noch einmal wiedersehen zu dürfen. Tatsächlich gehören sie zu den Stärken von Jurassic World: Ein neues Zeitalter. Die Art und Weise, wie sie miteinander umgehen, sich gegenseitig aufziehen und doch auch mit einer gewissen Wehmut an früher denken, verleiht der Monsterjagd eine stärkere menschliche Komponente. Sie führt einem aber auch vor Augen, wie uninteressant die neuen Figuren sind. Diese sind zwar prominent besetzt, Chris Pratt, Omar Sy und Co. verfügen auch zweifellos über Charisma. Dennoch fällt der Unterschied schon sehr auf, besonders in der ersten Hälfte, in der die zwei Handlungsstränge parallel erzählt werden, bevor es zur obligatorischen Zusammenführung kommt.

Diese Parallelität geht mit einem weiteren Problem einher: Die beiden Teilgeschichten haben eigentlich gar nichts miteinander zu tun. Zwar laufen die Fäden der Dinosaurier und Killerheuschrecken bei ein und demselben Technologieunternehmen zusammen. Trevorrow denkt aber noch nicht einmal daran, eine plausible Erklärung zu geben. Allgemein stellt Jurassic World: Ein neues Zeitalter inmitten des ohnehin nicht unbedingt für inhaltliche Ansprüche bekannten Blockbustersegments den geistigen Bodensatz dar. Ob es nun das Verhalten der Figuren ist, die Motivation des Bösewichts, die Haltung der Dinosaurier – nichts davon ergibt Sinn, offensichtliche Widersprüche und Logikfehler scheint niemanden interessiert zu haben. Und dann wäre da noch das kitschige Ende, was überhaupt nichts mit den zuvor erzählten Geschichten zu tun hat und so wirkt, als wäre es aus einem anderen Film reinkopiert worden. Wobei man sich darüber streiten kann, was hier schlimmer ist: die Dummheit des Drehbuchs oder dessen Mutlosigkeit, die sich an vielen Stellen zeigt.

Trotz Mängeln unterhaltsam

Doch trotz des inhaltlichen Totalausfalls ist Jurassic World: Ein neues Zeitalter im Vergleich zum Vorgänger der sehenswertere Film. Das liegt neben dem alten Trio an den neuen Bedrohungen. Trevorrow und sein Team haben eine Reihe unheimlicher Saurier versammelt, Klassiker wie Neuzugänge. Und dann wären da noch die Szenen mit den Riesenheuschrecken, die so furchteinflößend sind, dass man mit ihnen gut und gern einen eigenen Horrorfilm hätte drehen können. Zusammen mit einigen sehr stimmungsvollen Settings und einer tatsächlich hochspannenden und dynamischen Actionszene reicht das schon aus, um sich hier unterhalten lassen zu können. Schade ist es dennoch, dass das Comeback des Veteranenteams und die anderen guten Elemente durch ein schlampig zusammengeschustertes Drehbuch aus der Mülltonne derart beschmutzt werden.

Credits

OT: „Jurassic World Dominion“
Land: USA
Jahr: 2022
Regie: Colin Trevorrow
Drehbuch: Colin Trevorrow, Emily Carmichael
Musik: Michael Giacchino
Kamera: John Schwartzman
Besetzung: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Isabella Sermon, Laura Dern, Jeff Goldblum, Sam Neill, DeWanda Wise, Mamoudou Athie, BD Wong, Omar Sy

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Jurassic World: Ein neues Zeitalter
Fazit
„Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ will ein krönender Abschluss der beliebten Dinoreihe sein und ist doch nur ein Flickenteppich der unterschiedlichsten Elemente. Die können teils sehr gut sein, etwa beim wiederkehrenden Veteranentrio oder den neuen Killerheuschrecken, mit denen das Unglück beginnt. Und teils eine Katastrophe. Vor allem das unfassbar schlechte Drehbuch sorgt dafür, dass der Film zwar unterhaltsam ist, gleichzeitig aber frustrierend.
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