A Time to Love and a Time to Die Zeit zu leben und Zeit zu sterben
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Zeit zu leben und Zeit zu sterben

A Time to Love and a Time to Die Zeit zu leben und Zeit zu sterben
„Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ // Deutschland-Start: 19. September 1958 (Kino) // 29. März 2019 (DVD)

Inhalt / Kritik

Schreckliches hat Ernst Gräber (John Gavin) an der Front erlebt. An Schreckenstaten war er aber auch beteiligt, als er auf Befehl zahlreiche Partisanen hinrichtet. Als ihm im Frühjahr 1944 Fronturlaub erhält, hofft er, diese grausamen Bilder hinter sich zu lassen und in der Heimat einen Teil seines früheren Lebens wiederzufinden. Doch sein Haus ist zerbombt, die Eltern sind verschwunden. Auf der Suche nach ihnen trifft er auf Elisabeth Kruse (Liselotte Pulver), die Tochter seines Hausarztes, und verliebt sich in sie. Gemeinsam versuchen sie, das Beste aus der Situation zu machen und den Moment zu genießen. Sie heiraten sogar inmitten der Trümmer und schmieden Pläne für die Zukunft. Doch noch ist der Krieg nicht vorbei …

Das Bestialische des Krieges

Dass Menschen im Krieg zu Bestien werden können, zeigt derzeit ein Blick auf die Ukraine, wo russische Soldaten Zivilisten abschlachten, Frauen vergewaltigen und die Bevölkerung ausrauben. Doch dabei handelt es sich, so schrecklich die Taten auch sind, kaum um einen Einzelfall. Wann immer Leute in den Krieg ziehen, kommt es zu Verbrechen. Die konstante Gefahr und die Umgebung des Todes führen bei vielen zu einer inneren Verrohung. Wie soll jemand, der täglich andere Menschen töten soll, noch einen Wert im menschlichen Dasein erkennen? Zeit zu leben und Zeit zu sterben beginnt mit einer Gräueltat, die Ernst Gräber zusammen mit anderen in Russland begeht. Während anderen diese Taten aber bereits in Fleisch und Blut übergegangen sind, hadert er noch mit seiner Rolle, sucht später im Film Absolution für das, was er getan hat.

Allgemein stellt Regisseur Douglas Sirk in seiner Adaption von Erich Maria Remarques (Im Westen nichts Neues) gleichnamigen Roman die Frage, inwieweit man innerhalb des Krieges noch ein Mensch sein darf. Wenn wir ihn kurz nach seiner Rückkehr sehen, wie er mit Elisabeth schick essen gehen will, dann ist die Sehnsucht spürbar, alles hinter sich zu lassen. Den Krieg. Den Tod. Die Erinnerungen. Doch diese Glücksmomente sind in Zeit zu leben und Zeit zu sterben immer nur von kurzer Dauer. Es handelt sich um einen typischen Antikriegsfilm, der wieder und wieder vor Augen führt, dass der Krieg keine Gewinner kennt. Einige wenige mag es geben, die von dieser Ausnahmesituation profitieren, und sei es nur, um ungestört ihre niedrigsten Instinkte pflegen zu können. Aber um diese geht es hier nicht.

Zwischen gut und böse

Stattdessen erzählt Sirk, der selbst Deutscher war und seiner jüdischen Frau wegen 1937 in die USA floh, von ganz normalen Leuten, die nicht wirklich wissen, was noch richtig ist und was falsch. Obwohl es sich bei Zeit zu leben und Zeit zu sterben um eine US-amerikanische Produktion handelt, wird hier auf die übliche Schwarzweiß-Zeichnung verzichtet, der zufolge die amerikanischen Helden die deutschen Monster besiegt haben. Zum einen sind in dem Film überhaupt keine US-Soldaten unterwegs. Ein Großteil spielt innerhalb der deutschen Heimat Gräbers, in der die Alliierten nur über Umwege präsent sind – mittels fortwährender Bombardierungen. Zum anderen sind die deutschen Figuren vielschichtiger, setzen sich aus Nazis und Gegnern zusammen. Und eben vielen, die irgendwo dazwischen verloren gegangen sind. Das bedeutet nicht, dass sie deswegen unschuldig sind, wie Gräber an einer Stelle erfährt. Aber es ist eine individuelle Schuld, keine universelle.

Diese Nachdenklichkeit wird – wie bei einem Film der 50er zu erwarten – gern ein bisschen aufgebauscht. Vor allem die theatralische Musik ist ein Produkt ihrer Zeit. Zeitloser sind dafür die Bilder des zerbombten Deutschland sowie die schauspielerischen Leistungen. Im Mittelpunkt steht natürlich John Gavin (Spartacus) als Soldat, der um das Gute inmitten des Alptraums ringt und dafür einen hohen Preis zu zahlen hat. Aber auch die zahlreichen deutschen bzw. deutschsprachigen Schauspieler und Schauspielerinnen haben ihren Anteil daran, dass das Kriegsdrama noch immer sehenswert ist. Vor allem die Schweizerin Liselotte Pulver (Der junge General), die in den 1950ern zu den ganz Großen des hiesigen Kinos zählte, geht als hoffnungserweckender Lichtstrahl inmitten der düsteren Ruinen zu Herzen, wenn sich ihre Figur gemeinsam mit ihrem Liebsten in flüchtige Träume rettet, für die es in einer zerstörten Welt keinen Platz mehr gab.

Credits

OT: „A Time to Love and a Time to Die“
Land: USA
Jahr: 1958
Regie: Douglas Sirk
Drehbuch: Orin Jannings
Vorlage: Erich Maria Remarque
Musik: Miklos Rozsa
Kamera: Russell Metty
Besetzung: John Gavin, Liselotte Pulver, Jock Mahoney, Don DeFore, Keenan Wynn, Erich Maria Remarque

Bilder

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1959 Bester Ton Leslie I. Carey Nominierung
Berlinale 1958 Goldener Bär Nominierung
Golden Globes 1959 Bester Nachwuchsdarsteller John Gavin Sieg
Bester Film zur Förderung der Völkerverständigung Nominierung

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Zeit zu leben und Zeit zu sterben
Fazit
„Zeit zu leben und Zeit zu sterben“ begleitet einen deutschen Soldaten, der 1944 für drei Wochen in die Heimat zurückkehrt und hofft, dort sein altes Leben wiederzufinden. Das Ergebnis ist ein bitteres Antikriegsdrama um persönliche Verantwortung und die Auswirkungen des Krieges, das mit kurzen Glücksmomenten lockt, nur um dann umso härter zuzuschlagen.
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