Kritik

Spartacus

„Spartacus“ // Deutschland-Start: 16. Dezember 1960 (Kino) // 13. Mai 2004 (DVD/Blu-ray)

Ein Jahrhundert vor der Geburt Jesu Christi erlebt das römische Reich ein goldenes Zeitalter geprägt von einer enormen Gebietsausweitung und Reichtümern, welche allerdings vor allem auf Kosten der Völker gehen, die sie ausbeuten. In dieser Zeit wächst Spartacus (Kirk Douglas) als Sohn von Sklaven in Libyen auf, doch rebelliert schon früh gegen die Obrigkeit, widerspricht römischen Offizieren und wird gar handgreiflich, wenn ihm oder anderen Unrecht geschieht. Dieses Verhalten, neben seiner körperlichen Fitness, macht Lentulus Batiatus (Peter Ustinov), Leiter einer Schule für Gladiatoren, auf den jungen Mann aufmerksam, sodass Spartacus von diesem Moment an für den Kampf in der Arena ausgebildet wird. In dieser Zeit lernt er die Sklavin Varinia (Jean Simmons) kennen und verliebt sich in sie, jedoch haben seine Ausbilder dies bemerkt und nutzen die Gefühle der beiden aus, um Spartacus zu quälen und für den Kampf zu motivieren. Als nach einem Besuch der Gladiatorenschule des Feldherrn Marcus Crassus (Laurence Olivier) und seines Gefolges Varinia an diesen verkauft und in dessen Anwesen in Rom gebracht werden soll, bricht ein Aufstand unter der Gladiatoren aus, die nach langem Kampf ihre Ausbilder bezwingen und Lentulus in die Flucht schlagen können. Nachdem er wieder mit Varinia vereint ist, beschließt Spartacus, dass es nun an der Zeit für sie alle sei, frei zu sein und teilt den anderen Sklaven mit, man könne nach Süden ziehen und mit dem Schiff aus Italien und damit aus der Sklaverei endgültig fliehen. Während jedoch Spartacus’ Armee gen Süden zieht und auf ihrem Weg dorthin andere Sklaven von ihren Herren befreit, hat die Kunde um den Aufstand längst Rom erreicht. Dort wollen die Senatoren, unter ihnen der Volkstribun Gracchus (Charles Laughton) per Einsatz der Legionen gegen Spartacus vorgehen, doch in ihrem Intrigen- und Machtspiel unterschätzen sie die Schlagkraft der Sklavenarmee und ihres Anführers.

Das Imperium der Gewalt
Eigentlich hatte Hauptdarsteller und Produzent Kirk Douglas Anthony Mann für die Regie bei Spartacus vorgesehen, ein Herzensprojekt basierend auf einem Roman Howards Fasts und einem Drehbuch Dalton Trumbos, die beide Opfer der Kommunistenhetze unter Senator McCarthy geworden waren. Jedoch gab es schon nach wenigen Drehtagen erste Streitereien zwischen Mann und Douglas, welcher daraufhin sich an Stanley Kubrick erinnerte, mit dem er zuvor Wege zum Ruhm gedreht hatte und kurzerhand Mann durch Kubrick ersetzte. Kubrick, der nicht über die Art künstlerischer Freiheit bei Spartacus verfügte, wie er es bei seinen anderen Projekten tat, gelingt im Falle von Spartacus eine monumentale Geschichte über den Wert von Freiheit und warum es wichtig ist, für diese zu kämpfen.

Im Kern handelt die Geschichte um Spartacus vom ewigen Klassenkampf. Gerade in der ersten halben Stunde des Films werden kaum Details ausgespart, die das Leben der Sklaven, sowohl der männlichen wie auch der weiblichen, schildern oder zumindest sehr offensichtlich andeuten. Das Verlangen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, wird unter den Sandalen römischer Soldaten oder den Peitschenhieben der Aufseher erstickt, bis man sich nur noch fügt. Eine besondere Erniedrigung stellt das Aufheben der Privatsphäre und die komplette Kontrolle dar, wenn beispielsweise Spartacus eine „Liebessklavin“ zugeteilt bekommt und man die beiden bei ihrer ersten Annäherung beobachtet. Peter Ustinov in seiner Rolle als Lentulus Batialus fasst es passend zusammen, wenn er nicht von Menschen spricht, sondern von Pferden, denen er Zuwendungen nur zukommen lässt, falls es in seinen Augen irgendwann einen Profit für ihn abwirft.

Generell sind Gewalt und Kontrolle sowie deren Auswirkungen das Hauptthema von Spartacus. Das römische Reich wird als eine drakonisch regierende Einheit gezeigt, eine frühe Form der Plutokratie, bei der in erster Linie der Reichtum die Macht definiert. So ist auch Spartacus’ Erfolg als Feldherr eng an diese Eigenschaft des Staates geknüpft, denn nur mit der Ideologie des Kommerzes lassen sich letztlich Verbündete gewinnen und damit die Freiheit sowie das Ende der Gewalt erkaufen.

Machtspiele und Freiheit
Bereits das Voice-Over zu Anfang der Geschichte, welches diese in den zeitlichen Kontext einordnet, impliziert, dass wir eine Welt sehen, die dem Untergang geweiht ist. Nicht nur mit dem Erscheinen eines neuen Glaubens, sondern auch durch andere Begleiterscheinungen ergibt sich das Bild eines Roms, das nicht nur am Höhepunkt seiner Macht angelangt ist, sondern sich zu einem gefährlichen Monopol entwickelt hat. Schon das Erscheinen von Crassus und seinem Gefolge in der Gladiatorenschule zeigt den Hedonismus, den Sadismus und die Dekadenz dieses Reiches, das sich als die einzig wahre Weltordnung sieht und dessen Herren ihren gottgleichen Status als Entscheider über Leben und Tod durch Schaukämpfe bestätigen.

Angemessen für ein Monumentalwerk wie Spartacus und passend zu den genannten Themen fällt die Ausstattung entsprechend üppig aus. Die Massenszenen, die Kostüme und die Sets sind einige Aspekte dieser Geschichte um Gewalt, Freiheit und Kampf, die nicht nur die Allgegenwart Roms repräsentieren, sondern auch jene Sehnsucht nach Selbstbestimmung, die Menschen wie Spartacus antreibt.

Credits

OT: „Spartacus“
Land: USA
Jahr: 1960
Regie: Stanley Kubrick
Drehbuch: Dalton Trumbo
Vorlage: Howards Fast
Musik: Alex North
Kamera: Russell Metty
Besetzung: Kirk Douglas, Laurence Olivier, Jean Simmons, Charles Laughton, Peter Ustinov, John Gavin, Tony Curtis

Trailer

Filmpreise

Preis Jahr Kategorie Ergebnis
Academy Awards 1961 Bester Nebendarsteller Peter Ustinov Sieg
Beste Kamera – Farbe Russell Metty Sieg
Bestes Szenenbild – Farbe Alexander Golitzen, Eric Orbom, Russell A. Gausman, Julia Heron Sieg
Beste Kostüme – Farbe Valles, Bill Thomas Sieg
Bester Schnitt Robert Lawrence Nominierung
Beste Musik Alex North Nominierung
BAFTA Awards 1961 Bester Film Nominierung
Golden Globe Awards 1961 Bester Film – Drama Sieg
Beste Regie Stanley Kubrick Nominierung
Bester Hauptdarsteller – Drama Laurence Olivier Nominierung
Bester Nebendarsteller Woody Strode Nominierung
Bester Nebendarsteller Peter Ustinov Nominierung
Beste Musik Alex North Nominierung

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Spartacus
„Spartacus“ von Stanley Kubrick erzählt eine Geschichte epischen Ausmaßes über den Wert der Freiheit. Mit einem überzeugenden und körperlich fitten Kirk Douglas in der Hauptrolle sowie anderen Darstellern von Format ist dies ein prächtig ausgestatteter Film, dessen Laufzeit von über drei Stunden dem Zuschauer kaum auffällt.
8von 10

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