Doppelhaushälfte ZDFneo TV Fernsehen Mediathek
© ZDF/Max Preiss/Tilo Hauke/Antonio Paladino

Doppelhaushälfte – Staffel 1

Doppelhaushälfte ZDFneo TV Fernsehen Mediathek
„Doppelhaushälfte“ // Deutschland-Start: 15. März 2022 (ZDFneo)

Inhalt / Kritik

Es sollte ein richtig schöner Neunanfang für Mari (Maryam Zaree), Theo  (Benito Bause) und Tochter Zoe (Helena Yousefi) werden. Raus aus dem hektischen, stickigen Berlin und hinein ins Umland, mit Natur und Ruhe und allem. Sonderlich ruhig ist der Einstieg aber nicht für die drei. Denn erst einmal müssen sie den Makler Andi (Milan Peschel) davon überzeugen, dass sie die Doppelhauhälfte auch verdienen – und nicht das Paar, das ihnen zeitgleich ihr neues Traumhaus vor der Nase wegschnappen will. Während die Diskussionen bei der Besichtigung immer hitziger werden, ahnt das Trio nicht, dass der vermeintliche Makler in Wirklichkeit der Nachbar ist und zusammen mit Frau Tracy (Minh-Khai Phan-Thi) und ihrem Sohn Rocco (Minh Hoang Ha) die andere Hälfte des Hauses bewohnt …

Der ganz normale Nachbarschaftsstreit

Vor einem Monat lief auf ZDFneo die eigenproduzierte Serie Ich dich auch an, die zwar hauptsächlich von einem jungen Paar handelte, bei dem es langsam ernst wird. Sie war aber vor allem auch als eine Art WG-Comedy unterhaltsam, wenn aus nicht immer verständlichen Gründen ständig Familie, Freunde und Freudinnen oder sonstige Leute bei den beiden auftauchten und nicht mehr gehen wollten. Nun startet eine weitere deutsche Eigenproduktion, die sich einen Spaß daraus macht, dass da Leute auf engem Raum zusammen sind, die darauf nicht unbedingt Lust haben. Theoretisch müssen sie das nicht, da sie in zwei voneinander separaten Hälften leben. Aber bei Doppelhaushälfte verschwimmen schnell die Grenzen zwischen „deins“ und „meins“. Vor allem bei derart übergriffigen Leuten.

Im Grunde steht die Serie damit in der Tradition anderer Nachbarschaftskomödien, etwa Bad Neighbors, bei denen sich die Leute oft unnötig das Leben schwer machen. Aber auch Deutscher könnte einem an der Stelle als Referenz einfallen. Das war zwar keine Komödie, erzählte aber von zwei benachbarten Familien und wie die Wahl einer rechtspopulistischen Partei einen Keil zwischen beide treibt. Um Rassismus geht es nämlich auch in Doppelhaushälfte nicht zu knapp. Nur ist die Sache hier nicht ganz so eindeutig. Andi ist nicht der rechte Ausländerfeind, den Mari in ihm sehen will. Schließlich ist er mit einer Vietnamesin verheiratet. Okay, sie ist Deutsche, hat aber vietnamesische Wurzeln. Und überhaupt: Die Identitäten und Kulturen sind so fließend, dass man irgendwann gar nicht mehr genau sagen kann, wer da jetzt wohin gehört.

Zugespitzter Culture Clash

Konflikte gibt es trotzdem in der Hinsicht mehr als genug. Während Mari in jedem falschen Blick einen rassistischen Angriff vermutet, ist Andi für alles blind und versteht die Aufregung nicht. Der eigentliche Unterschied liegt dann auch nicht bei der Hautfarbe. Vielmehr macht sich Doppelhaushälfte einen Spaß aus einer anderen Form des Culture Clashes, wenn ambitionierte Political-Correctness-Pinkel auf polternde Prolls treffen. Das Drehbuch versucht an der Stelle, möglichst gut eine Balance zu halten und keine der beiden Seiten zu eindeutig gut oder schlecht zu machen. Tatsächlich können einem alle auf die Nerven gehen in ihrer jeweiligen Art, zumal die Figuren tendenziell überzeichnet sind. Da werden Klischees dankbar aufgenommen und bis zur Schmerzgrenze eskaliert.

Manchmal nimmt das eher satirische Formen an, wenn im Streufeuer alles und alle mal dran glauben müssen. Gleichzeitig schreckt man nicht vor einem recht groben Humor zurück. Grundsätzlich funktioniert diese Mischung mit ihren kontinuierlichen Verschiebungen, sowohl im Hinblick auf die Themen wie auch die Dynamik. Mal trinkt man auf Bruderschaft, nur um im nächsten Moment dann doch wieder aufeinander loszugehen. So muss in der siebten von acht Folgen, welche die erste Staffel bilden, sogar eine Psychologin zwecks einer Mediation anrücken. Die zwischenmenschlichen Fortschritte, die es in Doppelhaushälfte durchaus gibt, sie sind dann doch eher etwas brüchig. Ein Fehltritt und alles kracht unter ihnen zusammen.

Stillstand in deutschen Wohnzimmern

Das ist einerseits amüsant, da man hier nie wissen kann, wann das nächste Unglück geschieht. Gleichzeitig führt es dazu, dass die einzelnen Episoden immer etwas Beliebiges an sich haben. Man hat hier einfach nicht das Gefühl, dass da etwas vorangeht und eine wirkliche Entwicklung eintritt. Ein weiteres Manko ist, dass nicht unbedingt jeder Gag sitzt, zuweilen die Gags auch länger am Leben erhalten werden, als es ihnen oder dem Publikum gut tut. Insgesamt überwiegt der positive Eindruck jedoch. Dabei ist vor allem das gut aufgelegte Ensemble, das keine Scheu vor erbärmlichen Situationen hat, ein guter Grund hier einmal vorbeizuschauen. Milan Peschel (Beckenrand Sheriff) als primitiver Spießer, Minh-Khai Phan-Thi (Papa auf Wolke 7) als beinharte No-Nonsens-Opportunistin, Maryam Zaree (Legal Affairs) in der Rolle des anstrengenden Dauer-Opfers und der weltfremd auftretende Benito Bause (All You Need), das funktioniert schon ziemlich gut. Auch wenn sich mit der Zeit der Eindruck abschwächt, diese Nachbarschaft lohnt sich schon – zumindest aus der Distanz.

Credits

OT: „Doppelhaushälfte“
Land: Deutschland
Jahr: 2022
Regie: Dennis Schanz, Christoph Mushayija Rath, Barbara Kronenberg, Florian Dietrich
Drehbuch: Dennis Schanz, Christoph Mushayija Rath
Musik: The Royals
Kamera: Tilo Hauke, Antonio Paladino, Max Preiss
Besetzung: Milan Peschel, Minh-Khai Phan-Thi, Maryam Zaree, Benito Bause,Helena Yousefi, Minh Hoang Ha

Bilder

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Doppelhaushälfte – Staffel 1
Fazit
„Doppelhaushälfte“ ist eine amüsante Serie um zwei ungleiche Paare, die zu Nachbarn werden und immer wieder aneinander geraten. Das ist gut gespielt und oft überzeichnet, wenn es in mehrfacher Hinsicht zu Culture Clashes kommt. Allerdings fehlt ein wenig die Entwicklung und im weiteren Verlauf wiederholt sich der Humor zu sehr.
Leserwertung166 Bewertungen
4.8
7
von 10