In The Great sehen wir Nicholas Hoult und Elle Fanning als das kaiserliche Paar Peter und Catherine, die über das große Russland herrschen. Von einer idyllischen Ehe aber keine Spur. Immer wieder geraten die beiden dabei aneinander – nicht zuletzt wegen der sehr unterschiedlichen Ansichten darüber, wie es mit dem Land weitergehen soll. Seit dem 19. Dezember 2021 läuft die zweite Staffel auf Starzplay. In unserem Interview zur Serie sprechen wir über historische Vorbilder, Kennzeichen von Schurken und den Wunsch, einmal selbst andere anzuführen.

In The Great spielt ihr Katharina die Große und Kaiser Peter III. Was denkt ihr, wie die beiden auf eure Interpretation von ihnen halten würdet?

Nicholas: Das ist schwer zu sagen, da ich nicht viel darüber weiß, wie sich Peter wirklich verhalten hat. Wenn er aber so gewesen sein sollte, wie wir ihn in der Serie darstellen, wäre er bestimmt glücklich damit, da er nur wenige Mängel in sich sieht.

Elle: Ich hoffe, Catherine wäre stolz auf unsere Version. Tony McNamara versuchte schon, ihrem Wesen treu zu bleiben und zu zeigen, was ihr wichtig war. Sie war eine sehr fortschrittliche Frau, die viel erreicht hat und bewegt hat.

Wie sah allgemein eure Vorbereitung auf das Thema aus? Habt ihr euch zwischen den beiden Staffeln näher mit der russischen Geschichte befasst?

Nicholas: Ich muss gestehen, dass ich mich nicht weiter damit befasst habe. Wir versuchen in The Great ja nicht, die Geschichte als solche nachzuerzählen. Uns war es wichtiger, die Beziehungen zwischen diesen Figuren aufzuzeigen, so wie sie sich Tony ausgedacht hat.

Elle: Bei mir ist es genauso. Ich weiß noch, wie Gwilym Lee, der in der Serie den Grigor spielt, am Anfang ganz viele Geschichtsbücher dabei hatte und Tony fragte, was er davon lesen soll. Und er meinte nur: nichts. Das heißt aber nicht, dass die Figuren völlig frei erfunden sind. Tony und die anderen vom Writer’s Room haben sehr viele Nachforschungen betrieben, gerade auch zum Leben im 18. Jahrhundert, und kennen sich deshalb bei dem Thema schon sehr gut aus. Da steckt also schon Wahrheit in dem Ganzen.

Inwiefern seht ihr bei dieser Geschichte Parallelen zur heutigen Zeit?

Elle: Da ist einiges. Ich denke, dass es gerade bei dem Thema, wie sich eine Frau in einer Männerwelt durchsetzt, viel dabei ist, was auch ein heutiges Publikum anspricht. Catherine ist eine Aktivistin und Feministin und ihrer Zeit so weit voraus. Sie versucht etwas zu verändern in einem Land, das sich nicht verändern will. Gleichzeitig ist die Serie aber auch sehr lustig und zeigt diesen Kampf auf eine wie ich finde sehr lustige Weise.

Wie sieht es allgemein mit eurem Interesse für Geschichte aus? Gibt es eine Epoche, die ihr gern selbst erleben würdet?

Nicholas: Ich finde die Zeit der Wikinger ganz spannend und würde die gerne mal kennenlernen. Aber wahrscheinlich nur für ein paar Tage und danach zurückkommen. Wahrscheinlich war es damals eine richtig furchtbare Zeit, um darin zu leben. Da ist das heute schon deutlich angenehmer.

In der zweiten Staffel wird es schwieriger, zwischen guten und bösen Figuren zu unterscheiden. Wie war das für euch, innerhalb dieser Konstellation zu spielen?

Elle: Ich fand das sehr spannend. In der ersten Staffel ging es darum, die ganzen Figuren vorzustellen und welche Funktion sie am Hof haben. In der zweiten Staffel verwischen sich jetzt die Grenzen ein wenig. Du weißt nicht mehr, wer auf wessen Seite steht. Ich habe mich darauf gefreut, was Catherine mit ihrer neu gewonnenen Macht anfangen wird. Dabei nähert sie sich Peter immer weiter an und wird selbst immer rücksichtloser. Aber ich mochte das. Ich mochte die Arroganz, mit der sie versucht, ihre Ideen durchzusetzen. Dabei stößt sie immer wieder an ihre Grenzen und weiß selbst keine Antworten. Aber sie bringt sehr viel Leidenschaft mit.

Wenn nicht mehr klar ist, wer Held und wer Schurke ist, was macht für euch einen Schurken aus?

Nicholas: Ich denke, dass es die Absicht ist, die bestimmt, ob jemand ein Held oder ein Schurke ist. Catherine hat bei dem, was sie tut, durchaus gute Absichten. Sie will das Land verändern und besser machen. Nur ist die Art und Weise, wie sie das umsetzen will, teilweise fragwürdig und kann ein böses Ende nehmen.

Ihr spielt in der Serie ein Paar, das ein ganzes Landes regieren muss, was alles andere als einfach ist. Habt ihr selbst schon mal davon geträumt, eine solche Position zu haben?

Elle: Ich schon, ich bin ein bisschen bossy und habe starke Meinungen. Ich würde aber nicht unbedingt ein ganzes Land regieren würden oder Präsidentin sein wollen. Ich würde diesen Druck nicht haben wollen, der damit verbunden ist, für so viele Menschen verantwortlich zu sein. Ich könnte mir aber zum Beispiel vorstellen, irgendwann auch mal Regie zu führen und auf diese Weise Leute zu führen.

Nicholas: Bei mir ist das auch so. Ich hatte nie Ambitionen, in einem politischen Umfeld ein Anführer zu sein. Bei einem Umfeld, das mir selbst aber nahesteht, wie ein Film oder eine Serie? Da schon. Aber auch da würde ich mich weniger als ein Anführer sehen, da ich mich dann doch mehr als Teil eines Teams sehe. Ich höre bei The Great gern auf das, was Tony oder Elle sagen. Das ist für mich immer hilfreich. Wahrscheinlich wäre ich auch lieber zweiter Anführer unter Elle, anstatt an der obersten Position zu stehen.

Elle, du warst bei The Great auch als Produzentin tätig und hast einmal gesagt, dass du dadurch deine Stimme und sein Selbstbewusstsein gefunden hast. Wie hat sich das auf andere Aspekte in deinem Leben ausgewirkt?

Elle: Ich fühle wirklich, dass ich im Lauf der ersten Staffel so sehr gewachsen bin als Schauspielerin wie auch als Person und verstehe jetzt mehr, was es heißt, einen Film oder eine Serie zu drehen. Natürlich habe ich immer viel Zeit an Sets verbracht und bin dort aufgewachsen. Grundsätzlich wusste ich also schon, wie das alles abläuft. Aber es ist dann doch noch mal etwas anderes, dann auch die Zahnräder hinter der Maschine zu sehen und zu verstehen, wie das eine in das andere greift. Es ist auch mit einem stärkeren Druck verbunden und ich musste erst lernen, wie ich meine Gefühle auf eine positive Weise nutzen kann. Ich bin ein sehr emotionaler Mensch und habe gelernt, mich stärker auszudrücken und einzubringen. Und darauf bin ich stolz.

Vielen Dank für das Gespräch!



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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