Agatha Christies Hjerson ZDF TV Fernsehen
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Agatha Christies Hjerson – Staffel 1

inhalt / Kritik

Agatha Christies Hjerson ZDF TV Fernsehen
„Agatha Christies Hjerson – Staffel 1“ // Deutschland-Start: 30. Januar 2022 (ZDF) // 4. März 2022 (DVD)

Für die TV-Produzentin Klara Sandberg (Hanna Alström) ist klar, dass sich etwas in ihrem Leben ändern muss. Sicher, die von ihr produzierten Shows sind allesamt erfolgreich, haben zahlreiche Fans. Sie selbst ist es aber leid, weiter mit diesem Schund ihre Zeit zu verschwenden. Eine Alternative hat sie dabei bereits im Sinn: Sie würde gern eine Show auf die Beine stellen, in der Sven Hjerson (Johan Rheborg) über reale Morde spricht. Dafür reist sie dem eigenwilligen Ermittler, der sich vor Jahren schon zurückgezogen hat, sogar hinterher und will ihm während einer Kreuzfahrt die Zusammenarbeit schmackhaft machen. So weit kommt es jedoch nicht. Noch bevor sie ihn von ihrer Idee überzeugen kann, stolpert sie selbst über eine Leiche. Da heißt es erst einmal, mit dem erfahrenen Schnüffler den akuten Fall zu lösen …

Krimi-Klassiker durch den Fleischwolf gedreht

Rund 50 Jahre nach ihrem Tod ist Agatha Christie noch immer eine überaus beliebte Vorlage für Filmschaffende und Serienerzählende. Dabei scheint man zuweilen aber mehr an dem großen Namen interessiert zu sein als den Geschichten, welche sie damals erzählte. They Were Ten etwa nahm den großen Klassiker Und dann gabs keines mehr, änderte den Schauplatz, schrieb alle Figuren um und machte daraus einen Flashback-Overkill, der nur noch wenig mit der beklemmenden Stimmung des Originals gemeinsam hatte. Noch extremer war die französische Serie Les Petits Meurtres d’Agatha Christie, die hierzulande unter den Titeln Kleine Morde und Mörderische Spiele veröffentlicht wurde und die Bücher der britischen Queen of Crime komplett umschrieb, in andere Settings verlagerte und Ermittlungsteam drüber stülpte, die es bei der Autorin gar nicht gab.

Insofern ist die ZDF-Serie Agatha Christies Hjerson ein bisschen näher an den Ursprüngen. Zumindest gab es bei ihr den Ermittler Sven Hjerson. Allerdings handelte es sich bei ihm um eine Romanfigur innerhalb der Romane, erfunden von Ariadne Oliver, eine Autorin, die in mehreren Geschichten von Hercule Poirot auftaucht und mitmischt. Eine solche doppelt fiktive Figure in den Mittelpunkt zu stellen, auf diese Idee muss man erst einmal kommen. Das ist schon um ein paar Ecken gedacht, um irgendwie einen Bezug herzustellen. Und auch sonst zeigte man bei der europäischen Coproduktion keinerlei Hemmungen, wenn es darum geht, etwas Eigenes unter fremdem Namen zu verkaufen. Mit den Büchern haben die hier erzählten Geschichten wenig am Hut.

Amüsant, aber weniger zum Rätseln geeignet

Das ist natürlich schon irgendwie Betrug, weil der Titel etwas anderes impliziert. Aber das muss ja noch kein Problem sein, wenn denn der Rest stimmt. Bei Hjerson ist das Vergnügen jedoch von einer etwas gemischten Natur. So ist das kauzige Duo einerseits schon amüsant. Dass Hjerson eine Vorliebe fürs Tanzen hat und dieser Leidenschaft ohne große Hemmungen nachgeht, das ist schon etwas unerwartet. Gleiches gilt für seine Vorliebe für Trash TV sowie Klatsch und Tratsch, was ihn auf überraschende Weise mit Sandberg verbindet. Wenn in der ersten Folge die verdächtigen Personen alle auf die Vorwürfe durch einen spontanen Fluchtversuch reagieren, ist auch das witzig. Der Ton ist heiter, man nimmt das mit den Morden nicht so wahnsinnig ernst.

Was jedoch nicht dazu passt, sind die gelegentlichen Versuche, auch dramatische Faktoren in die Geschichte einzubauen, darunter die jeweiligen Familien der beiden Hauptfiguren. Da wird auf die falsche Weise dick aufgetragen. Und auch bei den Kriminalfällen funktioniert nicht alles wirklich gut. Wenn in der ersten Folge ein Kreuzfahrtschiff um Tatort wird, dann ist das als Setting schon sehr nett. Tod auf dem Nil hatte das schließlich vorgemacht. Die Ermittlungen sind aber unbefriedigend. Man hat hier selten das Gefühl, dass da wirklich etwas entwickelt wird. Die Lösung fällt auf einmal vor die Füße. Bei Christie hatte man da zwar auch zuweilen den Eindruck. Dort war dies aber immer in ein cleveres Puzzle eingearbeitet. Etwas Vergleichbares fehlt in Hjerson. Wer gerne rätselt und spekuliert ist hier deshalb falsch, was bei dem Namen natürlich enttäuschend ist. Dafür gibt es immer mal wieder hübsche Bilder oder ungewöhnliche Anblicke.

Credits

OT: „Hjerson“
Land: Schweden, Deutschland, Finnland, UK
Jahr: 2022
Regie: Lisa James Larsson, Lisa Farzaneh
Drehbuch: Patrik Gyllström, Björn Paqualin, Jakob Beckman, Martin Luuk, Aron Levander
Vorlage: Agatha Christie
Musik: Joel Danell, Markus Bergkvist
Kamera: Frida Wendel, Jo Eken Torp
Besetzung: Johan Rheborg, Hanna Alström, Maria Lundqvist, David Fukamachi Regnfors, Björn Andrésen, Peter Kanerva

Bilder

Trailer

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Auch wenn „Agatha Christies Hjerson“ mit dem Namen der großen Krimiautorin Werbung macht, so richtig viel hat die Serie mit ihr nicht zu tun. Teilweise ist das sehenswert, etwa wegen des skurrilen Ermittlungsduos oder schöner Bilder. Zum Rätseln ist das hier aber weniger geeignet, da der Fokus zu oft auf was anderem liegt.
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