In 80 Tagen um die Welt Around the World in 80 Days ZDF
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In 80 Tagen um die Welt – Staffel 1

Inhalt / Kritik

In 80 Tagen um die Welt Around the World in 80 Days ZDF
„In 80 Tagen um die Welt“ // Deutschland-Start: 21. Dezember 2021 (ZDF) // 27. Mai 2022 (DVD/Blu-ray)

London im Jahr 1872: Phileas Fogg (David Tennant) ist nicht unbedingt jemand, der für seinen Entdeckergeist und seine Weltgewandtheit berühmt ist. Eigentlich verlässt der britische Exzentriker seinen Club kaum. Als er eine Postkarte erhält, die ihn als Feigling beschimpft, will er das dennoch nicht auf sich sitzen lassen. Und so schließt er mit seinem Freund Nyle Bellamy (Peter Sullivan) die Wette ab, dass es ihm gelingen wird, die Welt in 80 Tagen zu umrunden. Begleitet wird er dabei von dem Diener Passepartout (Ibrahim Koma) und Abigail „Fix“ Fortescue (Leonie Benesch), die ihrem Vater endlich beweisen will, dass eine Frau ebenso als Reporter arbeiten kann wie ein Mann. Doch schon auf dem Weg zum Bahnhof kommt es zu ersten Schwierigkeiten …

Der Meister der Abenteuer

Kein anderer Autor dürfte ähnlich stark mit dem Genre des Abenteuerromans verbunden werden wie Jules Verne. Vor allem das Triumvirat Die Reise zum Mittelpunkt der Erde (1864), 20.000 Meilen unter dem Meer (1869–1870) sowie Reise um die Erde in 80 Tagen (1873) sind absolute Klassiker, deren Einfluss bis heute zu spüren ist. Gleichzeitig sind die Bücher natürlich ein Produkt ihrer Zeit. Nicht nur dass die Technologien sich seither zwangsläufig stark gewandelt haben, auch sonst sind die Bücher in mehrfacher Hinsicht überholt. Vor allem das Gefühl von Exotik, das seinerzeit mit seinen Geschichten verbunden war, lässt sich so heute nicht mehr ohne Weiteres erzeugen. Mit dem Ende klassischer Abenteuer in unserer Welt sind auch die Bücher nicht mehr so leicht zu vermitteln. Gerade Weltreisen haben heute nicht mehr den Nervenkitzel, den sie mal hatten.

Die im ZDF ausgestrahlte Serie In 80 Tagen um die Welt versucht dennoch, an die Tage von einst anzuknüpfen. Zu diesem Zweck gibt es einen Mix aus Altem und Neuem. Das grundsätzliche Szenario ist gleichgeblieben. Noch immer schließt Fogg die Wette ab, dass er in der besagten Zeitspanne einmal um die Welt reist, muss dabei zahlreiche Gefahren überstehen und bekommt dabei Unterstützung durch Passepartout. Doch schon bei der Figur Fix wird deutlich, dass man sich hier große Freiheiten herausnahm. Während die Figur bei Verne noch ein Detektiv war, der fest dazu entschlossen ist, Fogg zu verhaften, weil er diesen für einen Bankräuber hält, da wird hier eine aufstrebende Journalistin draus, die gemeinsam mit dem Gentleman reist und diesen sogar unterstützt.

Eine Frau hat das Sagen

Damit verbunden ist eine feministische Ausrichtung der Geschichte. Frauen sind hier nicht nur Objekt der Begierde, sondern dürfen selbst kräftig mitmischen. Tatsächlich ist ihre Reise nicht nur durch das journalistische Interesse bedingt. Abigail will sich, dem Vater und dem Rest der Welt zeigen, dass der Beruf ebenso gut von Frauen ausgeübt werden kann – vergleichbar zu Jungle Cruise, einem weiteren Quasi-Retro-Abenteuer unserer Tage, das klassische Tugenden mit neuem Bewusstsein kombinierte. Bei In 80 Tagen um die Welt kommen noch andere Beispiele eines sich gewandelten Weltbildes hinzu. Vor allem der Umgang mit People of Color dürfte einem puristisch veranlagten Publikum sauer aufstoßen. Rassismus und die Erwähnung des Ku-Klux-Klans? Das hat mit der Vision von Verne nicht mehr viel gemeinsam.

Ein bisschen hat die Serie dann auch damit zu kämpfen, dass sie die Balance aus Tradition und Moderne herstellen will. Ashley Pharoah und Caleb Ranson, die gemeinsam die Serie entwickelt haben, arbeiten da nach einem Baukastenprinzip: von hier ein Element, von dort etwas. Natürlich hatte auch schon das Original einen episodenhaften Charakter, wenn alle möglichen Unterabenteuer zusammengeführt wurden. Wenn man jeden Tag woanders ist, ist Kontinuität von Natur aus schwierig. Das Publikum sollte ja genau dadurch auch gefesselt werden, wenn es nie wirklich wusste, was als nächstes geschehen wird. Bei der recht freien Neuinterpretation In 80 Tagen um die Welt wirkt es aber noch einmal ein wenig willkürlicher. Auch bei den Figuren ist das nicht immer alles ganz konstant.

Gut gespielt und ansteckend

Insgesamt macht die Serie aber durchaus Spaß. Auch wenn die Vorstellung, in Indien oder Fernost zu sein, heute nicht mehr die Exotik von damals hat: Die ständigen Standortwechsel bieten den Zuschauern und Zuschauerinnen jede Menge Abwechslung und erwecken tatsächlich so etwas wie Entdeckergeist. Und dann wären da noch die schauspielerischen Leistungen, die für einen gesteigerten Unterhaltungsfaktor sorgen. Vor allem David Tennant (Broadchurch, Good Omens), der hier in einer Mischung aus Arroganz und Hilflosigkeit auftritt, macht die Serie sehenswert. Wer sich nicht daran stört, dass In 80 Tagen um die Welt eine sehr freie Version ist, bei der außer dem Grundprinzip fast alles verändert wurde, und in der Stimmung ist für ein nostalgisch gefärbtes Abenteuer, der darf sein Ticket lösen und sich im Anschluss auf die bereits angekündigte zweite Staffel freuen.

Credits

OT: „Around the World in 80 Days“
Land: Deutschland, Frankreich, Italien
Jahr: 2021
Regie: Steve Barron
Drehbuch: Ashley Pharoah, Caleb Ranson
Vorlage: Jules Verne
Musik: Christian Lundberg, Hans Zimmer
Kamera: Alvaro Gutierrez
Besetzung: David Tennant, Leonie Benesch, Ibrahim Koma, Shivaani Ghai, Peter Sullivan, Jason Watkins, Anthony Flanagan

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In 80 Tagen um die Welt – Staffel 1
Fazit
„In 80 Tagen um die Welt“ nimmt sich das berühmte Buch von Jules Verne als Vorlage, macht daraus aber eine eigene Interpretation. Die Serie versucht, den Zauber von einst heraufzubeschwören, aber mit einer modernen Sensibilität zu verknüpfen. Das klappt nicht immer, macht insgesamt jedoch schon Spaß: Die Schauplätze sind abwechslungsreich, die Schauspieler unterhaltsam.
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