Ein Jahr nach der erfolgreichen Komödie Das Leben ist kein Kindergarten gibt es ein Wiedersehen mit Familie Kleemann. Dieses Mal steht der Umzug aus dem gemütlichen Konstanz nach Berlin an, wo Juliana (Meike Droste) eine neue Stelle als Ärztin antritt. Doch nicht bei allen ist die Freude über die Veränderung groß, zumal noch andere unvorhergesehene Ereignisse eintreten. Zum Ausstrahlungstermin von Das Leben ist kein Kindergarten: Umzugschaos am 12. November 2021 im Ersten unterhalten wir uns mit Oliver Wnuk, der nicht nur die Hauptrolle des Familienvaters Freddy übernommen, sondern auch das Drehbuch verfasst hat, über die Themen Familie, Heimat und den Gegensatz von Stadt und Land.

 

Das Leben ist kein Kindergarten: Umzugschaos ist der zweite Teil einer Reihe, die Sie fürs Fernsehen mitentwickelt haben. Wie kamen Sie auf die Idee hierfür?

Ich wollte einen Film machen, in dem es um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gehen sollte, und habe mich auch ins Spiel gebracht, als es darum ging, den Film zu schreiben. Der Sender hat mir das am Ende auch tatsächlich ermöglicht, was ich mir nicht zweimal sagen ließ. Ich hatte vorher schon Romane oder Hörspiele oder Theaterstücke geschrieben. Aber Das Leben ist kein Kindergarten war mein erstes Drehbuch und ich habe mich sehr über dieses Vorvertrauen gefreut. Konstanz habe ich als Schauplatz gewählt, weil das meine eigene Heimatstadt ist.

Im zweiten Teil verschlägt es die Familie weg von Konstanz bis nach Berlin, was für sie nicht ganz einfach ist. Sie selbst sind damals von Konstanz nach München gezogen. Wie war es für Sie, als Sie Ihre Heimat verlassen haben?

Bei Konstanz und München gab es für mich gar nicht diese enormen Unterschiede, wie es sie für die Familie in dem Film gibt. München ist für mich so etwas wie Konstanz in groß. Deswegen war das für mich nicht so wahnsinnig dramatisch, zumal ich in München auf die Schauspielschule gegangen bin, das war wie ein gemachtes Bett für mich. Der Schritt von München nach Berlin war dann aber schon sehr spürbar. Konstanz und Berlin sind da das genaue Gegenteil. Das war eben auch mein Anliegen zu zeigen, was eine solche Stadt in den Menschen auslöst, gerade auch Menschen verschiedenen Alters.

Und wie ist es jetzt für Sie, in Berlin zu leben? Sind sie inzwischen ein richtiger Stadtmensch geworden oder ist das Land noch in Ihnen?

Was ich an Berlin so schätze: Es ist eine Stadt, in der du dir genau aussuchen kannst, wie du leben möchtest, mit den unterschiedlichsten Vierteln. Ich habe mal im Prenzlauer Berg gewohnt, mal in Köpenick. Das ist jedes Mal etwas komplett anderes und man kann sich das so gestalten, wie man will. Zurzeit lebe ich in Berlin dörflicher, als ich in Konstanz je gelebt habe, weil wir an der Stadtgrenze wohnen. Vielleicht ändert sich das auch wieder.

Und zurück nach Konstanz, stünde das zur Debatte?

Darüber nachgedacht haben wir schon, gerade auch im Hinblick auf unsere Kinder. Gleichzeitig musst du immer die Gesamtsituation betrachten und was für alle das Beste ist. Wenn die Eltern sich an einem Ort unwohl fühlen, dann spüren das auch die Kinder. Ein Vorteil von einer Stadt wie Konstanz gegenüber Berlin ist natürlich, dass du immer nur kurze Wege zurücklegen musst. Wenn ich in Berlin zum Arzt gehe, brauche ich immer zwei Stunden hin und zurück. Da fordert die Stadt so viel Zeit von dir ein, die dir dann für anderes fehlt. Wenn du in einer Kleinstadt lebst, in der du alles schnell erreichst und du alles um dich herum auch kennst, dann fällt der Blick aber auch schneller nach innen. Und das musst du erst einmal aushalten können, wenn du ein sehr reflektiver Mensch bist. Momentan bin ich ganz froh, noch so viele äußere Impulse zu bekommen. Aber das kann sich auch ändern, alles hat seine Vor- und Nachteile.

In den letzten Jahren wurde viel über die Bewegungen innerhalb Deutschlands gesprochen. Lange hatten wir das Phänomen, dass die Leute die ländlichen Regionen verlassen haben, um in die großen Städte zu ziehen. Zuletzt gab es aber auch eine Gegenbewegung, dass die Leute sich nach einem Leben in der Natur sehnen. Denken Sie, dass da eine wirkliche Umkehr stattfindet, oder handelt es sich nur um eine temporäre Geschichte?

Das kann ich so jetzt nicht beantworten. Ich denke aber, dass es ein wenig zum Menschen dazu gehört, dass er immer etwas Neues will. Dass er raus will aus der momentanen Situationen und woanders hin will. Das beobachte ich immer wieder bei anderen. Ich habe viele Freunde und Bekannte gesehen, die nach Brandenburg in ein Landhaus gezogen sind und dort dann gar nicht wissen, was sie mit sich anfangen sollen. Die Leute stellen sich das immer so toll vor, woanders hinzugehen und neu anzufangen. Ob jemand an einem Ort glücklich wird, hat meiner Meinung nach oft gar nicht so viel damit zu tun, ob das jetzt eine Stadt oder ein Land ist, sondern damit, wie du dein Leben führst.

Dann kommen wir zum Thema Familie, das zweite große Thema des Films. Sie beschreiben eine Familie, bei der es an vielen Stellen schon ziemlich knirscht. Was würden Sie selbst dieser Familie oder auch anderen Familien raten, wie sie damit umgehen sollen?

Wenn ich das so genau wüsste, würde ich Ratgeber schreiben und keine Filme. (lacht) Was die Familie in „Das Leben ist kein Kindergarten“ prägt, ist dass sie eine Aufnahmebereitschaft füreinander hat. Das ist das Wichtigste in einem Familienleben. Du musst offen sein für das, was da kommt. Du musst zuhören können und miteinander sprechen können. Wenn du das erst einmal nicht mehr kannst, dann ist es vorbei. In der Familie hapert es immer dann, wenn diese Aufnahmebereitschaft fehlt.

Das Leben ist kein Kindergarten Umzugschaos

Neues Zuhause, neue Probleme: In „Das Leben ist kein Kindergarten: Umzugschaos“ hat Familie Kleemann mit vielen Veränderungen zu kämpfen (© ARD Degeto/Volker Roloff)

Einer dieser Knackpunkte ist, dass die Tochter partout nicht nach Berlin will und sich bei der Entscheidung übergangen fühlt. Wie lässt sich mit einer solchen Situation umzugehen? Ihr wird zwar gesagt, dass man über alles reden kann, dass es aber kein Zurück geht.

Das ist tatsächlich schwierig. Klar kannst du sagen: Dann bleibe ich in der alten Heimat, wo das Kind sich wohler fühlt. Aber wie ich vorhin gesagt habe, müssen die Eltern ebenfalls glücklich sein, da ansonsten das Familienleben darunter leidet. Das ist ein sehr schwieriges Thema, das ich aus dem privaten Umfeld selbst kenne. Deswegen wollte ich das auch unbedingt im Film ansprechen. Es gibt in einer solchen Situation aber glaube ich keine perfekte Antwort, auch wenn wir die alle gern hätten. Das Leben ist dann doch oft komplizierter und komplexer.

Ein weiteres schwieriges Thema ist das der Abtreibung. Juliana wird ungeplant schwanger und überlegt, ob sie das Kind behalten möchte, da sie sich eigentlich auf ihre neue Arbeit konzentrieren wollte. Inwiefern ist das eine Entscheidung, die Juliana für sich treffen muss? Inwiefern ist es eine Entscheidung der Familie, also gerade auch von ihrem Mann Freddy?

Letzten Endes ist es für mich ganz klar die Entscheidung der Frau, da es ihr Körper ist. Für mich ging es bei der Geschichte aber nicht um die Frage, ob Abtreibung in der Situation die richtige Entscheidung ist oder nicht. Ich wollte vielmehr zeigen, wie die Familie mit dieser Frage umgeht und wie sie dieses Thema untereinander kommuniziert. Was bedeutet es für eine Familie, plötzlich von einem Lebensentwurf abkommen zu müssen? Das ist das, was ich bei meinen Figuren immer interessant finde: Was passiert mit den Leuten, wenn ich ihnen etwas nehme? Was passiert mit der Frau, die gerade einen großen Karriereschritt gegangen ist? Was passiert mit dem Opa, wenn er sein Gedächtnis verliert? Was passiert mit der Tochter, der die Freunde genommen werden? Der einzige, der mit der Situation klarkommt, ist der kleine Junge, der sich alles ankuckt und besonnen reagiert.

Sie haben gerade den Opa angesprochen, der zunehmend sein Gedächtnis verliert. Weshalb haben Sie dieses Thema eingebaut?

Es geht dabei um das Thema Abschied. Im ersten Teil war es so, dass er nach 18 Jahren Hallodrileben wieder zurückkommt und bei seinem Sohn auftaucht. Da gab es nach langer Zeit eine Annäherung, die beiden jetzt aber schon wieder genommen wird. Freddy muss sich über kurz oder lang von seinem Vater verabschieden. Das wird auch im dritten Teil eine große Rolle spielen, wenn wir über die Vater-Sohn-Beziehung sprechen. Dieser Generationswechsel ist für mich insgesamt ein sehr spannendes Thema. Ich bin jetzt auch in dem Alter, in dem man sich mehr Gedanken über Vergänglichkeit macht, sowohl die eigene wie auch die der Eltern. Deswegen wollte ich darüber reden.

Letzte Frage: Welche Projekte stehen bei Ihnen an?

Ich habe dieses Jahr zwei Kinderbücher aus meiner neuen Reihe Kasi Kauz herausgebracht, wo es auch um Werte geht. Im ersten geht es um das Thema Rassismus, wenn sich ein Papagei in den Wald verirrt und den erst einmal alle komisch finden. Im zweiten Buch sprechen wir von Freundschaft, wenn sich zwei zuerst nicht einig werden und gemeinsam ein Weg gefunden werden muss. Dann habe ich den dritten und vierten Teil von Das Leben ist kein Kindergarten geschrieben. Wir drehen neue Teile der Reihe Nord Nord Mord. Außerdem kommt im Frühjahr ein Tatort mit mir. Darin geht es auch um ein weiteres spannendes und wichtiges Thema: sexuelle Gewalt in einer Firmenstruktur.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Oliver Wnuk wurde am 28. Januar 1976 in Konstanz geboren. Von 1996 bis 2000 absolvierte er eine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theater-Akademie August Everding in München, trat parallel bereits am Theater auf. 2000 gab er sein Kinodebüt in dem Thriller Anatomie. Bekannt wurde er durch seine Fernsehrollen, etwa in der Krimireihe K3 – Kripo Hamburg und der Komödienserie Stromberg. Seit 2010 spielt er eine der Hauptrollen in der Krimireihe Nord Nord Mord.Neben seiner Arbeit als Schauspieler schreibt er seit einigen Jahren auch Theaterstücke, Bücher und Hörspiele.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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