The Sadness
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The Sadness

Inhalt / Kritik

„The Sadness“ // Deutschland-Start: 3. Februar 2022 (Kino) // 15. April 2022 (Mediabook)

Die Beziehung zwischen Jim (Berant Zhu) und Kat (Regina Lei) leidet schon seit einiger Zeit darunter, dass Jim wenig Zeit für seine Freundin hat. Auch an diesem Morgen kommt es beinahe zu einem Streit zwischen ihnen beiden, gesteht er ihr doch, dass er eingewilligt hat, bei den Dreharbeiten zu einem Werbespot mitzumachen, der ihn die ganze nächste Woche beanspruchen wird, welche sich Kat eigens freigenommen hatte, um wieder einmal Zeit mit ihrem Liebsten zu verbringen. Als Jim später in einem kleinen Imbiss ein zweites Frühstück zu sich nehmen will, kommt es zu einer brutalen Auseinandersetzung zwischen zwei Gästen sowie zu einer Attacke auf den Inhaber. Immer mehr Menschen um Jim herum verwandeln sich zu scheinbar tollwütigen Bestien, die blutig und gewaltsam ihm Umfeld angreifen.

In der Zwischenzeit ist auch Kat auf die rasenden Bestien aufmerksam geworden, in die sich ihre Mitmenschen verwandeln. Nach einer blutigen Attacke gelingt ihr und einem anderen Fahrgast die Flucht aus der U-Bahn, dicht gefolgt von einem Geschäftsmann (Tzu-Chiang Wang), der schon während der Fahrt sich komisch verhielt und sich schließlich in einer der Kreaturen verwandelte. Schließlich können Kat und Jim miteinander telefonieren, doch sie trennen viele Straßenzüge sowie die Infizierten, welche ihnen ständig auflauern und teilweise gar nicht so leicht zu erkennen sind.

Die Trauer des Ausgeschlossenen

Von einem Kulturkreis in den nächsten zu ziehen ist für viele Menschen schon eine gewaltige Umstellung, aber dort nicht nur zu leben, sondern auch zu arbeiten, erfordert schon ein gewisses Talent, Ausdauer, Mut und Glück. Den Kanadier Rob Jabbaz schreckten diese Herausforderungen keinesfalls ab, denn sie motivierten ihn nur noch mehr, von seinem Heimatland nach Taiwan zu ziehen, wo er als Filmemacher das Handwerk lernte, vom Schreiben eines Drehbuchs bis hin zum Einsatz von Effekten. Mit The Sadness läuft derzeit auf dem Fantasy Filmfest sein erster Langfilm, der aufgrund seiner Schauwerte, seiner Actionszenen und seiner Herangehensweise an das Zombiegenre schon auf anderen Filmfestivals für Furore sorgte, was zweifelsohne auch in Deutschland der Fall sein dürfte.

Auch wenn sich die Nähe zum Zombie-Horror nicht leugnen ist und viele der erzählerischen wie auch ästhetischen Entscheidungen diese nahelegen, scheint sich Jabbaz mit der Kennzeichnung nicht so recht anfreunden zu können. In The Sadness geht es um Gewalt und wie seine einen Menschen formt, besonders um jene Impulse in uns, die uns entweder gewalttätig werden lassen oder welche uns helfen, jene Triebe ins uns zu unterdrücken. Neben den beiden Hauptcharakteren begegnen uns im Film immer wieder jene Charaktere, die im alltäglichen Leben kaum jemanden auffallen, von dem Angestellten mittleren Alters bis hin zu der etwas korpulenten Schülerin, die innerhalb ihrer gesellschaftlichen Rollen einfach funktionieren, aber keineswegs den Ausbruch wagen würden. Das Virus als Enthemmer jenes Dranges in diesen Menschen macht diese zu  triebgesteuerten Wesen, die nicht wegen ihrer Taten an sich, sondern wegen deren Extremität stören. In diesem Sinne ist es vielleicht nur konsequent, wenn Jabbaz dies in mehr als nur einem heftigen und brutalen Bild zeigt, wobei es besonders die Reaktion dieser Wesen ist, die verstört, scheinen diese doch selig oder gar glücklich zu sein, jene Triebe einmal ungestört und in all ihrer fragwürdigen Pracht ausleben zu können.

Opfer und Täter

Dabei folgt The Sadness einem bekannten Aufbau, teilt sich die Geschichte doch in zwei Teile, welche aus zwei unterschiedlichen Perspektiven erzählt werden. Sowohl Kats wie auch Jims Sicht auf den Ausbruch des Virus, die ersten bestialischen Morde sowie die Zerstörung, die um sie herum beginnt, ist geprägt von dynamischen Actionszenen und einem entsprechenden Schnitt, welcher die Plötzlichkeit und Gleichzeitigkeit der Ereignisse betont. Insbesondere Regina Lei spielt überzeugend eine junge Frau, die kaum zu Atem kommen kann und scheinbar jede Sekunde von einem neuen Wesen verfolgt wird. Ihr Zusammenspiel mit Schauspieler Tzu-Chiang Wang zeigt mehr als einmal jene Opfer- und Täterrollen, welche durch das Virus noch einmal verstärkt werden und welche Jabbaz in vielen sehr düsteren und vielsagenden Einstellungen darstellt.

Auch wenn viele Aspekte bei The Sadness jene Stereotypen des Zombie-Horror wiedergeben und bedienen, ist Rob Jabbaz ein beachtlicher Film gelungen, der sowohl durch seine Effekte punkten kann wie auch seine Darsteller. Darüber hinaus werden sich dem Zuschauer mehr als einmal Parallelen zur noch immer grassierenden Pandemie offenbaren, zum Umgang der Politik mit dieser sowie zu damit einhergehenden Spaltung der Gesellschaft.

Credits

OT: „Ku bei“
Land: Taiwan
Jahr: 2021
Regie: Rob Jabbaz
Drehbuch: Rob Jabbaz
Kamera: Jie-Li Bai
Besetzung: Regina Lei, Berant Zhu,Tzu-Chiang Wang, Emerson Tsai, Ralf Chiu, Ying-Ru Chen

Bilder

Trailer

Interview

Wer mehr zu The Sadness erfahren möchte: Wir konnten uns mit Regisseur Rob Jabbaz über seinen Horrorfilm unterhalten und ihm einige Fragen stellen.

Rob Jabbaz [Interview]

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The Sadness
Fazit
„The Sadness“ ist ein spannender, actiongeladener Horrorfilm. Rob Jabbaz ist aufgrund seiner Darsteller sowie der Effekte seines Filmes ein Streifen gelungen, der zweifelsohne besonders das Genrepublikum begeistern dürfte.
Leserwertung27 Bewertungen
6.3
8
von 10