Inhalt / Kritik

Spiritwalker

„Spiritwalker“ // Deutschland-Start: nicht angekündigt

Von einem Moment auf den anderen erwacht Ian (Yoon Kye-sang) an einer Unfallstelle. Er blutet und ist schwer verletzt, kann sich aber nicht daran erinnern, was eigentlich vorgefallen ist. Mit letzter Kraft gelingt es ihm, sich zu verarzten, doch im Krankenhaus bleiben will er auch nicht, spürt er doch irgendwie, dass er gejagt wird. Auf der Flucht kommt er schließlich bei einer Gruppe Obdachloser unter, wo er sich eine kurze Pause erhofft. Diese wird jedoch jäh unterbrochen, da er sich auf einmal in einem neuen Körper befindet, in einer neuen Situation wie auch einer neuen Umgebung. Wenig später landet er gar im Körper eines Mannes, der gerade jemand brutal verhört und eine Ermordung angeordnet hat. Trotz der Verwirrung und des Schocks bemerkt Ian, dass er irgendwie mit den dunklen Machenschaften dieser Männer verknüpft ist, welche fieberhaft nicht nur nach ihm zu suchen scheinen, sondern auch nach einer Frau namens Jin-ah (Lim Ji-yeon).

Mit der Hilfe des obdachlosen Mannes (Park Ji-hwan), den Ian davon überzeugen konnte, dass er alle zwölf Stunden im Körper eines anderen Menschen erwacht, gelingt es sogar, an die Hintermänner zu kommen sowie zu dem hohen Beamten Park (Park Yong-woo), der einen großen Drogendeal plant und der alle Zeugen seiner Geschäfte von seinen Gefolgsleuten gnadenlos jagen lässt. Ian bleibt nicht mehr viel Zeit, um Park zu stoppen, das Geschäft zu verhindern sowie Jin-ah zu finden, die ebenfalls auf der Suche nach Ian (dem wahren Ian) ist.

Bekannte Konzepte in einem anderen Genre

Mit Spiritwalker, der im Rahmen des diesjährigen Fantasy Filmfests gezeigt wird, beendet der südkoreanische Regisseur Yoon Jae-keun seine zehnjährige Schaffenspause nach seinem letzten Film Heartbeat. In der Reihe der relative geradlinigen Thriller, welche sein Heimatland en masse produziert, sticht Jae-keuns neuer Film durch das Konzept des Körpertauschs heraus, was nicht nur einmal, sondern gar mehrmals dem Protagonisten passiert. Damit gibt Yoon Jae-keun der Thrillerhandlung eine durchaus interessante Note, wobei er sich allerdings gerade in der zweiten Hälfte mehr auf geradlinige Action verlässt.

In dem geradezu übersättigen Markt des südkoreanischen Films, besonders im Action- und Thrillerbereich, benötigt es schon ein überzeugendes Konzept, um sich von der Flut an Produktionen absetzen zu können. Diese beschreibt Regisseur Yon Jae-keun gerade in der ersten Hälfte besonders ausführlich, sodass man als Zuschauer ähnlich wie der arme Ian verwirrt ist über die vielen Wechsel von einem Körper in den anderen, ohne den Grund dafür zu verstehen oder der Handlung folgen zu können. Der Einstieg in die Geschichte gerät damit etwas holprig, was aber durchaus angebracht ist, bedenkt man die Situation, in der sich die Hauptfigur befindet, wobei über den Erkenntnisgewinn die Geschichte ihren Rhythmus findet. Dies liegt zum einen daran, dass die Regie und das Drehbuch ihr Konzept zwar nutzt, es aber nicht überspannt, sowie an der Darstellung Yoon Kye-sangs, der eben dies eingangs beschriebene Verwirrung und Verstörung solide spielt und sich dem Zuschauer als Dreh- und Angelpunkt anbietet, wenn es darum geht, einen Zugang zu der Geschichte zu finden.

Die neuen Körper

Trotz des Konzepts und dessen Durchführung, darf man bei Spiritwalker dennoch eben jene Mischung aus Action und Thriller erwarten, die man in der Vergangenheit beim südkoreanischen Kino sehr oft gesehen hat. Dabei blitzen an verschiedenen Stellen auch Einblicke in jene Themen auf, die den düsteren Rahmen des Filmes bilden und zu denen neben Korruption und Verbrechen auch Menschenhandel zählt. Die Idee des Fremden in meinem Körper wird zwar angedeutet, doch die Verbindung zu den beschriebenen Themen links liegen gelassen, was eigentlich sehr schade ist und Spiritwalker eine gewisse Tiefe gegeben hätte.

Darüber hinaus findet man jene Actionszenen, die sich durchaus sehen lassen können und welche  dynamisch gefilmt sind. Auch andere Sequenzen, wie die Verfolgungsjagden oder die Schusswechsel sind gelungen, heben sich aber nicht von dem ab, was man von anderen, ähnlichen Vertretern schon gesehen hat. Kombiniert man dies mit einigen Logiklöchern in der Handlung an sich, bleibt Spiritwalker ein vielleicht unterhaltsamer, aber dennoch eher durchschnittlicher Actionthriller.

Credits

OT: „Yoocheitalja“
Land: Südkorea
Jahr: 2020
Regie: Jae-keun Yoon
Drehbuch: Jae-keun Yoon
Musik: Nene Kang
Kamera: Sung-je Lee
Besetzung: Kye-sang Yoon, Yong-woo Park, Ji-yeon Lim, Ji-hwan Park

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Spiritwalker
"Spiritwalker" ist ein Actionthriller, der mit einem für das Genre ungewohnten Konzept versucht zu punkten, was aber nur teilweise gelingt. Yoon Jae-keun verlässt sich zu sehr auf den Standard für das Genre, was zwar solide ist und durchaus ansehnlich, aber seinen Film nicht von anderen Produktionen abhebt.
6von 10
Leserwertung: (1 Judge)
10.0

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