An American Pickle
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An American Pickle

Inhalt / Kritik

An American Pickle
„An American Pickle“ // Deutschland-Start: 27. September 2021 (Sky Ticket)

Die Hoffnungen sind groß bei Herschel (Seth Rogen) und Sarah Greenbaum (Sarah Snook), als sie 1919 aus ihrem kleinen osteuropäischen Dorf in die USA ziehen, wo sie sich einen Neustart erhoffen. Einfach ist der jedoch nicht, das Geld ist knapp. Obwohl Herschel in einer Gurkenfabrik hart arbeitet, von der Erfüllung ihrer Träume sind sie weit entfernt. Und dann das: Bei einer kurzen, aber heftigen Auseinandersetzung mit Ratten stürzt er in die Tiefe und landet in einem Fass, aus dem er nicht mehr herauskommt. Dafür wird er darin gut konserviert. Als 100 Jahre später das Fass zufällig wieder geöffnet wird, erfreut sich Herschel bester Gesundheit. Glücklich ist er trotzdem nicht, ist seine geliebte Sarah inzwischen doch lange tot. Dafür gibt es seinen Urenkel Ben (ebenfalls Seth Rogen), bei dem er ein neues Zuhause findet. Es dauert jedoch nicht lange, bis es zu ersten Streitigkeiten zwischen den ungleichen Verwandten kommt …

Am falschen Ort gelandet

Es gehört zu den in Komödien immer wieder gern verwendeten Szenarien: Ein Mensch landet in einer Welt, in die er nicht passt und nicht gehört, beim Versuch sich in dieser zurechtzufinden kommt es regelmäßig zu lustigen Momenten. Bei Catweazle war es zum Beispiel ein Magier, der versehentlich in die Neuzeit transportiert wird. Aber auch Filme, die nicht aus dem Komödienfach kommen, greifen ganz gerne mal auf diese Art Humor zurück. Schließlich ist er sehr vielfältig einzusetzen. Bei Bumblebee war es ein Roboter, der sich in der Welt der Menschen durchschlägt. Wonder Woman zeigte eine mächtige Amazone, die irgendwie recht wenig mit dem anfangen kann, was sie in der sogenannten Zivilisation vorfindet.

An American Pickle zeigt im Vergleich einen relativ gewöhnlichen Protagonisten. Hier ist es ein einfacher Mensch, der sich plötzlich in einer für ihn fremden Welt zurechtfinden muss. Das Besondere: Es ist prinzipiell dieselbe Welt, die er schon kennt, nur 100 Jahre später. Damit erinnert der Film an diverse Zeitreise-Kollegen, bei denen ebenfalls eine Zukunft oder Vergangenheit mit gewissen Anpassungsschwierigkeiten einhergeht. Während dort aber normalerweise zumindest eine Art Begründung mitgegeben wird, wie es zu dieser Zeitreise kam – sei es eine Maschine oder ein magisches Portal –, gibt man sich hier eher zugeknöpft. Tatsächlich ist eine der lustigsten Szenen die, in der die Wissenschaftler eine „Erklärung“ für die ungewöhnlich gute Konservation des Immigranten liefern.

Zwischen Kontrast und Satire

Auch sonst gibt es bei An American Pickle regelmäßig Gründe zum Lachen. Manchmal geschieht das aus der völlig absurden Situation heraus. Gerne greift Drehbuchautor Simon Rich, der hier seine Kurzgeschichte ausarbeitete, auf Herschel als Quelle für Witze zurück. Denn der ist so sehr überzeichnet und als Karikatur angelegt, dass es noch nicht mal die Kontraste zu der realen Jetztzeit braucht, um von ihm unterhalten zu werden. Und dann wären da noch die satirischen Spitzen, die Rich mit Vorliebe einbaut. Dabei ist im Grunde niemand wirklich vor ihm sicher. So macht er sich über engstirnige Traditionalisten ebenso lustig wie über heutige Weltverbesserer. Medien und Unternehmen bekommen nebenbei ebenfalls ihr Fett ab, eine gute Figur macht hier niemand.

Nur soll der Film mehr sein als nur eine Rundumkomödie. An American Pickle erzählt von den Streitigkeiten und einer obligatorischen Annäherung der beiden Hauptfiguren. Er erzählt aber auch von der Entfremdung von den eigenen Wurzeln. Wenn Ben nichts mit Herschel und dessen Überzeugungen anfangen kann, dann steht das symbolisch für eine Generation, die nicht mehr weiß, wo sie herkommt. Die aber auch nicht weiß, wo sie überhaupt hin will. Da gibt es nur eine vage Vorstellung einer App, an der Ben seit Jahren arbeitet. Darüber hinaus hat er nichts, keine Ideen, keine Ziele, keine zwischenmenschlichen Bindungen. Herschel wird dadurch für ihn zu einer Möglichkeit, wieder Halt und Orientierung zu finden. Etwas Solides in einer Welt, in der nichts mehr Bestand zu haben scheint.

Auf der Suche nach einem Ziel

So ganz gelingt es Brandon Trost, der hier sein Solo-Debüt als Regisseur gibt, dabei nicht, die verschiedenen Themen und Stimmungen unter einen Hut zu kriegen. An American Pickle ähnelt mehr einer Ideensammlung als einem tatsächlich narrativen Werk, der Film irrt da schon etwas ziellos durch das heutige Brooklyn. Aber er macht Spaß, geht zwischendurch auch mal zu Herzen, nicht zuletzt wegen Seth Rogen, der hier eine unterhaltsame Doppelrolle übernimmt. Außerdem sieht die Komödie sehr gut aus: Trost, der von Haus aus eigentlich Kameramann ist, versteht es, die verschiedenen Orte – sei es das Dorf, die Fabrik oder die moderne Metropole – ansprechend in Szene zu setzen. Auch wenn es schön gewesen wäre, den Film ein wenig konsequenter auszugestalten, es finden sich genügend Gründe, warum sich diese etwas andere Zeitreise lohnt.

Credits

OT: „An American Pickle“
Land: USA
Jahr: 2020
Regie: Brandon Trost
Drehbuch: Simon Rich
Vorlage: Simon Rich
Musik: Nami Melumad
Kamera: John Guleserian
Besetzung: Seth Rogen, Sarah Snook

Trailer

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Ein Mann fällt in ein Gurkenfass und wacht hundert Jahre später wieder auf: „An American Pickle“ ist eine Komödie, die aus ihrem absurden Szenario und dem Kontrast zwischen dem Protagonisten und der heutigen Welt Kapital schlägt, dazu gibt es satirische Spitzen. Das ist unterhaltsam, später auch rührend, wenn der Film von der Wiederentdeckung der eigenen Wurzeln erzählt. Ein bisschen ziellos ist das Ergebnis aber schon.
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