Mike O’Malley ist ein US-amerikanischer Schauspieler, Produzent und Drehbuchautor. Neben Auftritten in Filmen wie Deep Impact (1998), Eat Pray Love (2010) oder Sully (2016) ist er auch in vielen Serien zu sehen, wie beispielsweise, Glee, Parenthood oder Raising Hope. In der Serie Snowpiercer, basierend auf dem gleichnamigen Film von Bong Joon-ho, spielt er eine der Hauptrollen. Darüber hinaus war er viele Jahre lang Moderator für Sendungen des TV-Kanals Nickelodeon.

Neben seiner Arbeit als Schauspieler konzentrierte sich O’Malley auch auf Tätigkeiten hinter der Kamera oder auf der Theaterbühne. Er ist Autor von drei Theaterstücken und fungierte als Produzent und Drehbuchautor für Serien wie Shameless oder Survivor’s Remorse. Seine Passion für Sport brachte O’Malley immer wieder in viele seiner Produktionen mit ein, so auch in Heels, einer für Starz produzierten Serien, bei er der Showrunner ist. In der Serie, in welcher unter anderem der aus Arrow bekannte Stephen Amell mitspielt, geht es um das Wrestling-Geschäft und dessen Hintergründe, doch auch eine Familie, die in einer kleinen Stadt in Georgia eine eigene Wrestling-Liga gründen will.

Anlässlich des Starts der Serie auf Starzplay am 15. August 2021 unterhalten wir uns mit Mike O’Malley über die Hintergründe der Serie, das Leben eines echten Wrestlers und die Dreharbeiten von Heels.

Wenn man an Wrestling denkt, assoziiert man mit damit jene Shows und Events, die beispielsweise die WWE jedes Jahr organisiert mit den bekannten Superstars, doch Heels entführt den Zuschauer zum Fundament des Geschäftes, den kleinen regionalen Ligen und wie diese aufgebaut sind. Warum habt ihr euch für diesen Weg entschlossen?

Ich denke, jeder Zuschauer kann was mit der Idee anfangen, dass in einem Geschäft anfängt, sich hocharbeitet und auf die eine große Chance hofft, auch wenn diese vielleicht niemals kommen wird. Jeder Athlet beginnt mit einer Sportart, wird immer besser und trainiert, doch auf einmal bemerkt man, dass neben einem selbst, es noch so viele andere Menschen gibt, die eben dieses Zeil genauso verfolgen, mit der gleichen Ambition.

Eine Geschichte über eine Liga wie WWE wäre bestimmt spannend, wenn die all die Hintergründe des Geschäfts beleuchtet, doch für Heels wollten wir etwas aufgreifen, was es überall in den USA gibt, wo viele kleine, weniger bekannte Wrestling-Ligen oder -Veranstaltungen organisiert werden. In diesen gibt es wiederum sehr viele Wrestler, die immer schauen müssen, ob sich diese Passion für sie nach wie vor rentiert, denn von all den Ligen schaffen es nur ganz wenige von ihnen, in die Sphären von WWE zu kommen.

Wenn wir heute von großen Schauspielern wie John Malkovich reden, dann hat dies damit zu tun, dass sie irgendwann einmal entdeckt wurden. Malkovich hat in seiner Heimat auf kleinen Bühnen gespielt, und zwar so lange, bis er auf einmal von einem Kritiker für eine Darstellung gelobt wurde. Mit der Zeit hat sich auf diesem Ruf eine Karriere aufgebaut. Er hat auf einer kleinen Bühne ein Stück seines Freundes aufgeführt, was vielen so gut gefallen hat, dass er schließlich Karriere machen konnte. Dieser Einsatz und diese Leidenschaft, die jemand wie John Malkovich in seiner Karriere zeigt, ist nicht anders als das Engagement eines jungen Athleten, der sich wünscht, einmal so berühmt zu werden wie Hulk Hogan oder John Cena.

Als Journalist hast du bestimmt auch oft die Frage gestellt bekommen, wo und wie man anfängt. Du musstest dich mit Redakteuren herumschlagen, die den besten Satz aus einem Text streichen und keine Sekunde darüber nachdenken, was dies für dich bedeutet. Du bist zwar kein Wrestler, aber du verstehst, was für die Figuren der Serie auf dem Spiel steht.

In Heels geht es um Träume und weniger um Aspekte wie Drogen oder Alkohol, die leider in den Karrieren vieler Wrestler viel Unheil gestiftet haben. Ich wollte Figuren sehen, die von ihrer Passion für den Sport und es zu etwas zu bringen, immer weiter nach vorn getrieben werden.

Auch wenn keine bekannten Namen genannt werden oder sich auf diese bezogen wird, hatte ich schon das Gefühl, dass beispielsweise eine Figur wie der von Chris Bauer gespielte „Wild“ Bill Hancock eine Anspielung ist auf Wrestler wie Mick Foley oder Jake „The Snake“ Roberts, oder dass sich der Konflikt der beiden Brüder in der Serie auf die Fehde zwischen Owen und Bret „The Hitman“ Hart bezieht. Gab es solche spezifischen Inspirationen für Heels?

Auf jeden Fall. Diese Geschichten sind, wie es Wild Bill in Heels sagt, alt und jeder kennt sie, angefangen bei Kain und Abel oder Jakob und Esau in der Bibel. Wenn du Michael Waldron, den kreativen Kopf hinter der Serie, fragst, würde er dir bestimmt noch viele Bezüge aufzählen können, wie weit solche Fehden oder Geschichten in die Historie des Wrestling-Geschäfts zurückgehen.

Ähnlich wie Wild Bill erging es vielen Wrestlern, die von ihren Vorgesetzten gefeuert wurden, weil sie sich nicht an Absprachen halten konnten. Sie mussten dann schauen, ob sie Teil anderer Ligen oder Promotionen werden wollten. Für sie hat das Geschäft etwas mit Geld zu tun, aber auch mit Anerkennung, die sich brauchen. Egal, ob der Titel-Gürtel aus echtem Gold ist oder nicht.

Die Inspirationen für die Figuren und deren Geschichte stammt hundertprozentig aus dem professionellen Wrestling und hat viel mit den Beispielen zu tun, die du nanntest.

Wie war es, mit jemandem wie Stephen Amell zu arbeiten, der nicht nur leidenschaftlicher Wrestling-Fan ist, sondern auch für eine Weile selbst im Ring stand?

Stephen Amell und Alexander Ludwig für die beiden Hauptrollen zu gewinnen, trug einen großen Teil dazu bei, dass wir grünes Licht für die Produktion bekamen. Beide sind schauspielerisch und körperlich in der Lage, diese Figuren darzustellen. Alexander könnte, wenn er wollte, mit der Schauspielerei aufhören und heute eine sehr erfolgreiche Karriere im professionellen Wrestling beginnen. Für Stephen gilt dies auch.

Darüber hinaus ist es für alle hinter der Kamera toll, wenn jemand sie Stephen sein ganzes Wissen und seine Leidenschaft für diesen Sport mitbringt, und in die Rolle einfließen lässt. Deswegen und weil er selbst, wie du sagtest, im Ring gestanden hat, hat er großen Respekt vor Wrestling und Wrestlern generell.

Was waren generell die Herausforderungen bei Heels?

Zunächst war eine der größten Herausforderungen, eine gute Besetzung und eine Crew zu finden. Glücklicherweise ist uns dies gelungen, alleine wenn man bedenkt, dass mit Peter Segal und Jessica Lowrey zwei sehr erfahrene Leute auf dem Regiestuhl Platz nahmen.

Darüber hinaus war es eine Herausforderung, mitten in der Pandemie mit dem Dreh zu beginnen. Wenn man einen Mundschutz trägt, beschränkt dies einen in der Art und Weise, wie man mit anderen kommuniziert und auf einem Set macht dies das Leben schwierig. Da viele von uns für die Dauer der Dreharbeiten abgeschnitten waren von unseren Familien, war dies eine zusätzliche Problematik, die sich ergab, da man sich ja nicht anstecken wollte.

Die Frage, wie man einen Sport wie Wrestling authentisch vor der Kamera darstellt, sodass nicht nur wir zufrieden sind, sondern auch die Fans des Sports, hat uns lange begleitet und viel Kopfzerbrechen bereitet. Dies war vielleicht die zentrale Herausforderung, die auch ohne die Pandemie schon schwierig genug gewesen wäre, denn der Zuschauer hat Zugriff auf sehr viel Video- und Bildmaterial über Wrestling, sodass wir uns Gedanken darüber machen mussten, wie man dieses Sports glaubwürdig darstellt.

Am Ende sind wir jedoch stolz darauf, eine Show gemacht zu haben, die nicht nur viel über das Wrestling-Geschäft zu sagen weiß, sondern auch darüber, wie wir heute leben. Das ist die Essenz eines jeden Dramas, denn als Zuschauer oder Leser will ich etwas von diesen Figuren und ihren Erlebnissen mitnehmen. Vielleicht stehe ich einmal selbst vor einer ähnlichen Entscheidung.

Gerade in einer Zeit, in der sich viele wenig Gedanken darum machen, wohin ihre Entscheidungen führen können, ist es wichtig, diese durch Geschichten zu beleuchte und zu diskutieren, damit man sich dieser Folgen wieder bewusst wird.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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