Inhalt / Kritik

Für Laura (Emilia Kowalski) bricht eine Welt zusammen, als ihre Eltern (Luise Heyer, Ludwig Trepte) beschließen, einfach so umzuziehen. Was soll sie denn in dieser doofen Wohnung in der doofen Stadt, wenn sie schon ein richtiges Zuhause hat? Zumal die Leute auch nicht so toll sind. Erst muss sie dem Spielzeughund ihres kleinen Bruders Tommy (Michel Koch) hinterherjagen, weil der trottelige Nachbarsjunge Max (Jonas May) ihn auf ein Auto gelegt hat. Und dann muss sie sich auch noch den Spott der anderen Kinder anhören, die sie während des Zwischenfalls sehen. Doch dann begegnet Laura einem kleinen Stern, der vom Himmel gestürzt ist und dessen abgebrochenen Zacken sie sogleich verarztet. Der Anfang eines spannenden Abenteuers und einer großen Freundschaft …

Eine zeitlose Geschichte

Als Klaus Baumgart 1996 sein Kinderbuch Lauras Stern veröffentlichte, hatte er sich sicher nicht ausmalen können, wie erfolgreich er damit sein würde. Was eigentlich eine Einzelgeschichte hätte sein sollen, wurde zu einer ganzen Romanreihe. 2002 folgte bereits eine Zeichentrickserie, 2004 der erste von mehreren computeranimierten Filmen. Selbst als Musical machte die Geschichte um das kleine Mädchen und eine außergewöhnliche Freundschaft ihre Runden. Eines fehlte aber bislang: eine Realverfilmung. Das mag daran gelegen haben, dass die Interaktion von Menschen und Fantasygestalten als Animationsvariante einfacher und günstiger umzusetzen ist. Vielleicht wollte man auch den hauseigenen Animationsfilmen keine Konkurrenz machen.

So oder so, 25 Jahre nach der Erstveröffentlichung wird diese Lücke nun geschlossen. Nachwuchsregisseurin Joya Thome wurde die ehrenvolle Aufgabe übertragen, die bekannte Geschichte noch einmal neu zu adaptieren. Wobei „neu“ es nicht ganz trifft. Man verzichtete darauf, bei Lauras Stern größere Experimente einzugehen oder die Vorlage modernisieren zu wollen. Stattdessen vertraute man daraus, dass Baumgarts Märchenstunde so zeitlos ist, dass sie ein Vierteljahrhundert später noch genauso funktioniert. Das tut sie tatsächlich auch. Der Film nimmt uns mit auf eine Reise, die noch immer für leuchtende Kinderaugen sorgt. Ein bisschen altmodisch wirkt es natürlich schon, wenn etwa Laura an einer Stelle durch die Stadt irrt und ihre Mutter sucht, anstatt einfach auf dem Handy anzurufen. Aber das muss ja nicht schlimm sein.

Die Suche nach einem Zuhause

Die eigentlichen Themen sind dafür universell. Eine wichtige Frage betrifft die nach Heimat und Zuhause. Was macht diese aus? Kann ich mich überall zu Hause fühlen? Gerade Laura leidet zu Beginn doch sehr darunter, das alte Haus hinter sich lassen zu müssen, findet sich in der Wohnung und der Stadt nicht zurecht. Lauras Stern zeigt zum einen diese Schwierigkeiten auf, ist gleichzeitig aber auch ein Plädoyer dafür, offen für Neues zu sein. Und das bedeutet eben auch loslassen zu können. Gerade zu Ende hin rückt dies in den Fokus, wenn unsere junge Protagonistin lernen muss, auf eigenen Beinen zu stehen. Das ist klar alles etwas simpler gehalten, der Zielgruppe entsprechend wird da einiges vereinfacht. Für einen Kinderfilm ist das aber schon recht tiefgründig.

Es ist zudem sehr charmant umgesetzt. Thome hatte schon bei ihrem Debütfilm Königin von Niendorf bewiesen, dass sie sich gut in die Gefühlswelt einer jungen Protagonistin hineinversetzen kann. Dieses Mal kommen zwar Fantasy-Bestandteile hinzu, darunter der titelgebende Stern, der durch die Gegend schwirrt. Aber auch diese Aufgabe meistert sie, bringt das Alltägliche und das Besondere harmonisch zusammen, sodass man sich noch immer darin wiederfindet. Hinzu kommt, dass die technische Umsetzung überzeugt, gerade bei den wichtigen Lichteffekten, wenn der Stern Lauras Schlafzimmer erleuchtet. Auch die Interaktion des Ensembles mit den computergenerierten Elementen gibt keinen Anlass zur Klage.

Wie, das war’s schon?

Einziges nennenswertes Manko ist, dass die Geschichte ein bisschen sehr abrupt abbricht. Anstatt die zuvor eher gemächlich angelegte Entwicklung bis zum Ende durchzuziehen und auch klar auszuformulieren, wird dann auf einmal etwas wild durch die Gegend gesprungen. Ansonsten ist Lauras Stern, welches auf dem Filmfest München 2021 Premiere feierte, aber eine gelungene und würdige Adaption des Kinderbuches. Das Ensemble ist sympathisch, das Setting ähnelt einem verschlungenen Abenteuerspielplatz, bei dem man selbst ganz neidisch werden darf. Außerdem ist es schön, wie man hier von fernen Sternen träumen darf, in der Vorstellung durch die Lüfte fliegt und sich zum Schluss dann doch ganz geborgen und zu Hause fühlt – egal wo man gerade ist.

Credits

OT: „Lauras Stern“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Joya Thome
Drehbuch: Piet De Rycker, Alexander Lindner, Thilo Graf Rothkirch, Michael Mädel, Claudia Seibl, Joya Thome
Vorlage: Klaus Baumgart
Musik: Hans Zimmer, Nick Glennie-Smith, Henning Lohner
Kamera: Daniela Knapp
Besetzung: Emilia Kowalski, Michel Koch, Luise Heyer, Ludwig Trepte, Jonas May

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Lauras Stern (2021)
Die Realverfilmung des beliebten Kinderbuches „Lauras Stern“ vertraut zwar auf moderne Animationstechnik, ist ansonsten aber ein wohlig altmodisches und zeitloses Abenteuer. Einfühlsam wird hier vom Finden und Loslassen erzählt, auf der Suche nach einem Zuhause. Lediglich das etwas abrupte Ende stört die märchenhafte Atmosphäre.
7von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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