Inhalt / Kritik

Iron Mask

„Iron Mask“ // Deutschland-Start: 27. Mai 2021 (DVD/Blu-ray)

Eigentlich lautete der Auftrag von Jonathan Green (Jason Flemyng), den Osten des russischen Reiches auszumessen und zu kartografieren. Doch das ist leichter gesagt denn getan, denn unterwegs gerät er immer wieder in Schwierigkeiten. So hat die trickreiche Hexe mit den zwei Gesichtern (Li Ma) die Kontrolle über den Süden des himmlischen Reiches übernommen und zu diesem Zweck sowohl den großen Magier (Jackie Chan) wie auch die rechtmäßige Prinzessin Cheng Lan (Xingtong Yao) einsperren lassen. Dieses Schicksal teilt Peter der Große (Yuri Kolokolnikov), der ebenfalls von seinen Feinden gefangen genommen und durch jemand anderes ersetzt wurde. Doch nur mit vereinten Kräften können die Helden und Heldinnen das Böse noch aufhalten …

Russische Fantasien

In den letzten Jahren hat sich das russische Kino hierzulande mehr und mehr etabliert, regelmäßig werden Filme bei uns angeboten, mit dem Ziel den hiesigen Markt zu knacken. Vor allem im Science-Fiction-Bereich erschien einiges, etwa Coma und Attraction. Dazu kamen vereinzelte Horrorfilme und das eine oder andere Drama. Bereits 2015 erschien zudem das Fantasyabenteuer Fürst der Dämonen. Mit dem hatte man in Russland richtig Großes vor, international hielt sich der Erfolg jedoch in Grenzen. Und das obwohl man sich mit der Besetzung von Jason Flemyng (Snatch – Schweine und Diamanten, Mrs. Taylor’s Singing Club) doch eigentlich als globales Ereignis inszenieren wollte.

Aber dann vielleicht beim zweiten Mal. Und so kommen bei der Fortsetzung Iron Mask neben den Wiederkehrern Flemyng und Charles Dance noch zwei weitere Schauspieler mit Weltformat zu Wort: Jackie Chan und Arnold Schwarzenegger. Die Rollen sind nicht übermäßig groß. Sie sind sogar so unwichtig, dass man sie problemlos hätte streichen können, ohne dass es jemand gemerkt hätte. Aber aus Marketingzwecken ist es natürlich ein Geschenk, diese beiden Action-Urgesteine abbilden zu können. Wobei man schon etwas genauer hinschauen muss um sie wiederzuerkennen, wenn Chan mit grauem Zottelbart und Schwarzenegger mit grotesker Perücke sich kleine Duelle liefern.

Ein Mischmasch aus Geschichten, Mythologien und Quatsch

Der Rest des Films ist dabei nicht weniger willkürlich. Tatsächlich ist das große Problem von Iron Mask, dass man bis zum Schluss nicht weiß, welche Geschichte da eigentlich erzählt werden soll. Das liegt sicherlich auch daran, dass hier neben russischen Produktionsfirmen auch China mitfinanzierte und eine entsprechende Repräsentation einforderte. Und so kommt es, dass sich Peter der Große und chinesische Mythologie die Hand geben. Jeder durfte einfach irgendwas in den Film einbringen, ohne sich darum kümmern zu müssen, ob das zusammenpasst. Das Ergebnis ist ein beispielloses Chaos, das nie wirklich Sinn ergibt oder kohärent ist. Erst zum Schluss finden die Stränge überhaupt zusammen, wenn auch auf eine nicht wirklich überzeugende Weise.

Ein weiterer Knackpunkt dürfte für viele zudem die Optik sein. Auch wenn sowohl Russland wie auch China in den letzten Jahren einiges in Spezialeffekte aus dem Computer investiert haben, mit der Erfahrung aus Hollywood können sie zum momentanen Zeitpunkt einfach nicht konkurrieren. Das gilt auch für Iron Mask. An der Quantität mangelt es dabei sicherlich nicht. Ein Großteil des Films ist am Rechner entstanden. Nur sieht man das leider auch. Ob es die computergenerierten Wesen sind oder die Settings, das ist alles schon sehr künstlich. Natürlich hat der Film ohnehin eine leichte Märchenstimmung, weshalb Realismus keine zwingende Notwendigkeit ist. An manchen Stellen ist es aber schon ein wenig irritierend, mit wie wenig man sich hier zufrieden gab. Immerhin: So grauenvoll wie die Löwenszene in Vanguard – Elite Special Force wird es nie.

Eine Kuriosität für Fans

Zudem gibt es schon auch ein paar nette Momente. Selbst wenn die Streitereien zwischen Jackie und Arnie nicht zielführend sind, irgendwie unterhaltsam sind sie schon. Fans historischer Fernostsettings bekommen zudem ein paar hübsche Kostüme und verwinkelte Kulissen. Außerdem geht schon eine gewisse Faszination davon aus, wie hier wahllos alles zusammengeworfen wurde: Man weiß hier nie, was als nächstes geschieht, wohl auch weil es das Drehbuchteam selbst nicht so genau wusste. Das macht die hochpreisige und gleichzeitig irgendwie billige Produktion, bei der nichts wirklich klappen wollte, zu einer auf ihre Weise reizvollen Kuriosität. Man darf nur eben nicht erwarten, hier einen guten oder womöglich spannenden Film zu Gesicht zu bekommen.

Credits

OT: „Tayna Pechati Drakona“
Land: Russland, China
Jahr: 2019
Regie: Oleg Stepchenko
Drehbuch: Dmitry Paltsev, Alexey A. Petrukhin, Oleg Stepchenko
Musik: Aleksandra Maghakyan
Kamera: Ivan Gudkov, Man-Ching Ng
Besetzung: Jason Flemyng, Xingtong Yao, Jackie Chan, Arnold Schwarzenegger, Anna Churina, Yuri Kolokolnikov, Rutger Hauer, Li Ma

Bilder

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Iron Mask
Was passiert, wenn sich ein Kartograf, eine Prinzessin, ein Zauberer, ein Zar und eine Hexe aufeinandertreffen? Antwort: alles und nichts. Die Geschichte von „Iron Mask“ als wirr zu bezeichnen, wäre noch geschmeichelt. Zudem ist die Optik an manchen Stellen schon etwas billig. Gleichzeitig hat das willkürliche Fantasyabenteuer auch seinen Reiz und zudem einige große Schauspieler.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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