Stell dir vor, du bist der Tod und verliebst dich in eine Frau. Was tust du? In der Komödie Der Boandlkramer und die ewige Liebe (ab 14. Mai 2021 auf Amazon Prime Video) spielt Sebastian Bezzel den Heiratsschwindler Max Gumberger, der dem bislang unerfahrenen Boandlkramer Tipps in Sachen Liebe gibt. Wir haben in unserem Interview den Schauspieler zu seiner Vorstellung vom Leben nach dem Tod, eigenen Liebestipps und den Erfolg bayerischer Komödien befragt.

Nach Die Geschichte vom Brandner Kaspar spielen Sie in Der Boandlkramer und die ewige Liebe nun zum zweiten Mal in einem Film über den Boandlkramer mit. Kannten Sie die Figur vorher schon?

Klar. Ich bin in Bayern aufgewachsen, wo der Boandlkramer sehr bekannt ist. Er ist quasi die bayrische Ausgabe vom Tod. Ich kannte auch den Roman und das Stück Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben, auf dem der erste Film basiert, und war glücklich darin mitspielen zu dürfen.

Für die Nicht-Bayern unter uns: Was macht den Boandlkramer aus? Was unterscheidet ihn vom regulären Sensenmann?

Der Boandlkramer ist eigentlich eine sehr tragische Figur. Er ringt um Verständnis, fühlt sich nirgendwo zugehörig. Wo immer er auftaucht, trifft er auf Ablehnung, obwohl er eigentlich nur die Aufgabe erfüllt, die ihm aufgetragen wurde. Deswegen ist er auch so empfänglich für den Brandner Kaspar, der ihn einlädt, um mit ihm ein Gläschen zu trinken. Denn das kennt er so nicht. Daraus entsteht dann die komische Situation, dass er sich vom Kaspar übers Ohr hauen lässt und mit der Situation überfordert ist. Aber das Ganze hat eben einen tragischen Kern, so wie jede gute Komödie auf etwas Ernstem beruht.

Wenn Sie die Fortsetzung Der Boandlkramer und die ewige Liebe damit vergleichen, was ist anders?

Wir erzählen in dem Film eine eigene Geschichte und spinnen damit die Figur des Boandlkramers fort. Anders ist da zum einen natürlich das Drumherum. Der Film spielt mehrere Jahrzehnte später und zeigt uns Deutschland in der Nachkriegszeit. Aber auch der Boandlkramer selbst hat sich weiterentwickelt. Er verliebt sich das erste Mal und entwickelt Gefühle, womit er zunächst wieder total überfordert ist. Deswegen muss meine Figur ihm auch erst einmal Tipps geben. Ich spiele in dem Film einen Heiratsschwindler und kenne mich daher damit aus, wie man eine Frau gewinnt.

Im ersten Teil haben Sie noch eine komplett andere Figur gespielt. Gab es da überhaupt Anknüpfungspunkte?

Eine kleine Anspielung auf meine alte Figur ist sogar drin. Allgemein gibt es viele kleine Zitate, die auf den ersten Teil verweisen. Die beiden Filme sind aber völlig unabhängig voneinander. Meine Figur ist auch eine ganz andere. Trotzdem fühlte ich mich geehrt, als man mich für die Rolle wollte. Als ich gehört habe, dass ich einen verstorbenen Heiratsschwindler spielen soll, war ich sofort dabei, weil mir klar war: So eine Rolle werde ich nie wieder bekommen.

Für ihn geht es nach dem Tod noch weiter. Glauben Sie selbst an ein Leben nach dem Tod?

Um ehrlich zu sein: Ich weiß es nicht. Es gibt so viele verschiedene Vorstellungen davon, wie es danach weitergehen könnte, von der Wiedergeburt bis zum Paradies. Mir persönlich gefällt die Vorstellung, mich aufzulösen und Teil des Universums zu werden. Aber ob es dazu kommt, kann ich nicht sagen. Es gibt ja niemanden, der das schon mitgemacht hat und den man fragen könnte.

Nun gibt es auch vom Paradies verschiedene Vorstellungen. Wenn Sie ihr persönliches Paradies entwerfen müssten, wie sähe das aus?

Angenehme Temperaturen! Ansonsten viel schöne Natur, ganz ohne Plastik oder den Lärm, den wir hier haben. Im ersten Teil heißt es, das Paradies ist da, wo jemand aufpasst, dass kein Depp reinkommt. Da ist schon etwas Wahres dran. Ich hätte gern einen Ort, bei dem man ganz bei sich ist und eine innere Ruhe verspürt.

Der Boandlkramer und die ewige Liebe

Eine unmögliche Liebe? Gefi (Hannah Herzsprung) hat dem Boandlkramer (Michael Bully Herbig) den Kopf verdreht. © Leonine

Sie haben schon erwähnt, dass Ihre Figur dem Boandlkramer Tipps in Liebesdingen geben müssen. Was sind Ihre eigenen Tipps für jemanden, der die Liebe sucht?

Man sollte auf jeden Fall authentisch sein und nicht versuchen, sich zu jemandem machen zu wollen, der man nicht ist. Damit wird man auf Dauer nicht glücklich. Außerdem braucht es Geduld. Man sollte nicht auf Teufel komm raus jemanden gewinnen wollen. Besser ist es, nicht gleich mit der Tür ins Haus zu fallen, sondern einander die Zeit zu geben, sich langsam näherzukommen.

Und wenn man die Liebe dann gefunden hat?

Viele neigen dazu, sich in einer Beziehung nach einiger Zeit gehen zu lassen. Doch das sollte man meiner Meinung nach nicht tun. Die Liebe sollte auch dann etwas Besonderes bleiben. Das bedeutet nicht, dass man ständig irgendetwas groß organisieren muss. Man kann sich auch ganz einfache Situationen schön gestalten. Klar, das bedeutet schon auch irgendwie Arbeit. Ich bin jetzt seit 12 Jahren verheiratet, wir haben zwei Kinder. Das kann zwischendurch auch anstrengend sein. Vor allem Corona war eine ziemliche Herausforderung, wenn man nicht raus darf und ständig eng aufeinander hockt. Das geht an die Substanz. Da ist es wichtig, sich gegenseitig Freiräume zu geben und das Liebevolle nicht aus den Augen zu verlieren.

Die Geschichte vom Brandner Kaspar hätte damals eigentlich nur in Bayern laufen sollen und wurde dann ein großer Hit mit knapp einer Million Besucher. Auch Ihre Reihe rund um den provinziellen Polizisten Franz Eberhofer war sehr viel erfolgreicher, als es im Vorfeld jemand gedacht hat. Was macht für Sie den Reiz bayrischer Komödien aus?

Stimmt, damit hatte keiner so gerechnet. Wobei es noch viel mehr Beispiele gibt. Wer früher stirbt ist länger tot von Marcus H. Rosenmüller ist ein ganz wunderbarer Film, der damals richtig eingeschlagen hat. Aber ich denke, dass das nicht nur bei bayrischen Filmen laufen kann. Ich bin ein großer Freund von Dialekten und fände es schön, wenn insgesamt mehr Geschichten aus der Provinz erzählt würden, die alle ihre Eigenheiten und Besonderheiten haben, ohne dabei gleich die Klischees auspacken zu müssen. Bei uns laufen beispielsweise keine Leute in Tracht herum, um zu zeigen: Wir sind jetzt in Bayern. Aber so ein bisschen lokale Färbung, eben auch bei der Sprache, das hilft dabei, sich heimisch zu fühlen und Spaß zu haben.

Und wie sieht es mit Ihrem Spaß aus? Was bringt Sie zum Lachen?

Ich liebe Komödien, gerade die Klassiker von Ernst Lubitsch, Blake Edwards oder Billy Wilder. Manche mögen’s heiß zum Beispiel. Oder Der Partyschreck, ein großartiger Film über einen Außenseiter, der anerkannt werden möchte und damit ein riesiges Chaos anrichtet. Das meinte ich vorhin von wegen, dass Komödien auf etwas Ernstem beruhen müssen. Deswegen sehe ich auch gern englische Working Class Komödien, die irgendwo zwischen Heulen und Lachen liegen. Letztendlich bringt mich viel zum Lachen: Woody Allen, das Wiener Cabaret, Sigi Zimmerschied oder Böhmermann, um nur einige zu nennen.

Letzte Frage: Was steht bei Ihnen demnächst noch an? Welche Projekte sind geplant?

Ich habe gerade mit Simon Schwarz die dritte Staffel von Die Grenzgänger gedreht. Im Sommer soll dann Kaiserschmarrndrama endlich im Kino laufen, der eigentlich für letztes Jahr geplant war. Im Herbst drehe ich dann schon den nächsten Eberhofer. Da freue ich mich sehr drauf, nachdem wir ein Jahr pausiert haben. Es war schön, mal ein Jahr etwas anderes zu machen. Aber jetzt sind wir so weit, dass wir alle wieder richtig Lust haben.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person
Sebastian Bezzel wurde am 18. Mai 1971 in Garmisch-Partenkirchen geboren. Er absolvierte seine Schauspielausbildung an der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München. Einem größeren Publikum wurde er als Kommissar Kai Perlmann im Konstanzer Tatort bekannt, den er von 2004 bis 2016 insgesamt 27 Mal verkörperte. Sehr erfolgreich ist außerdem die mit Dampfnudelblues (2013)  gestartete Krimikomödienreihe nach den Büchern von Rita Falk, in der er den Provinzpolizisten Franz Eberhofer spielt. 2021 kommt der siebte Film Kaiserschmarrndrama ins Kino. Sebastian Bezzel ist mit der Schauspielerin Johanna Christine Gehlen verheiratet und hat zwei Kinder.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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