Inhalt / Kritik

Reasonable Doubt – Auf falscher Fährte

„Reasonable Doubt“ // Deutschland-Start: 17. April 2014 (DVD/Blu-ray)

Vor Gericht macht Mitch Brockden (Dominic Cooper) so leicht niemand etwas vor. Dem wortgewandten jungen Staatsanwalt steht eine steile Karriere bevor, das steht für alle außer Frage. Doch dann fährt er eines Nachts im angetrunkenen Zustand einen Mann an. Aus Angst um seine berufliche Laufbahn ruft er lediglich den Notruf und verschwindet anschließend wieder vom Tatort, in der Überzeugung, dass der Verletzte gerettet wird. Zu seinem großen Entsetzen erfährt er aber am nächsten Tag, dass der Betroffene seinen Verletzungen erlegen ist. Mehr noch, der Mechaniker Clinton Davis (Samuel L. Jackson) wird des Mordes an ihm beschuldigt. Und ausgerechnet Mitch soll dafür sorgen, dass dieser für das Verbrechen verurteilt wird …

Ein Film voller Täuschungen

Eines muss man Reasonable Doubt lassen: Der Thriller, der hierzulande auch unter dem Titel Auf falscher Fährte bekannt ist, weiß, wie man ein Publikum in die Irre führen lässt. Das anfängliche Szenario ist einfach und dabei doch herrlich gemein. Ein Mann hat versehentlich einen anderen getötet, soll aber einen dritten dafür zur Rechenschaft ziehen. Und auch wenn der Protagonist vielleicht nicht die moralischste Person auf Erden ist: Das geht sogar ihm zu weit. Also befindet er sich in der Zwickmühle, vor Gericht verlieren zu müssen, ohne dass dabei deutlich wird, dass er das absichtlich getan hat. Das ist besonders dann knifflig, wenn man im Ruf steht, vor Gericht nie zu verlieren.

Alleine aus dem Stoff hätte sich ein kompletter Film machen können, der sich rund um das Thema Moralität und Recht dreht. Drehbuchautor Peter A. Dowling (Black and Blue) hatte daran aber offensichtlich kein Interesse. Vielleicht fehlten ihm auch die Ideen, wie man diesen Stoff auf anderthalb Stunden ausbreiten könnte, ohne sich zu langweilen. Also dachte er sich für Reasonable Doubt einen Twist aus, der vergleichsweise früh einsetzt und dem später noch ein weiterer folgt. Die Idee: Was, wenn sich in dieser Nacht noch etwas ganz anderes zugetragen hat? Wenn an der Geschichte mehr dran ist, als die kurze Anfangssequenz vermuten lässt? Denn irgendwie ist der Angeklagte doch auch verdächtig.

Rasant und wendungsreich

Auch die Idee ist für sich genommen interessant. Es wird nur kein wirklich interessanter Film daraus. Selbst wenn man sich damit abfinden kann, dass Reasonable Doubt das spannende moralische Dilemma zu Beginn recht bald zu den Akten legt, wäre inhaltlich mehr drin gewesen. Die in dem Titel angesprochenen Zweifel finden beispielsweise viel zu schnell eine Antwort. Anstatt noch weiter mit der Ungewissheit zu spielen, die Mitch plagt, und damit Spannung zu erzeugen, hatte man es hier schon sehr eilig. Die Geschichte rast voran, überspringt zwischendurch auch schon mal Schritte, um aus dem Ganzen eine Art Duell zu machen, welches dann doch auf die alte Frage hinausläuft: er oder ich.

Das bedeutet nicht nur eine doppelte Verschwendung von Potenzial, wenn gleich zwei interessante Ideen für einen zum Schluss konventionellen Thriller verheizt werden. Reasonable Doubt ist dabei nicht einmal besonders spannend. So einfallsreich Dowling beim Aufbau der Geschichte und des Szenarios war, so wenig ist ihm zu dem vermeintlichen Höhepunkt eingefallen. Da werden dann nur lieblos die Standardszenen abgespult. Wenn überhaupt, dann fällt der Film an der Stelle nur noch dadurch auf, dass er gnadenlos übertrieben ist, die Jagd auf absurde Weise eskaliert. Das hätte vielleicht mit etwas begleitendem Humor noch funktionieren können. Der Film nimmt sich selbst aber völlig ernst, womit er erst recht unfreiwillig komisch wird.

Ärgerlich verschwendetes Potenzial

Erschwerend kommt hinzu, dass Mitch nicht unbedingt der große Sympathieträger ist. Sein arrogantes Auftreten zu Beginn, das glatt geleckte Erscheinungsbild, die Überzeugung, selbst über dem Recht zu stehen – eine Identifikationsfigur baut man auf diese Weise nicht auf. Zwischendurch wird dann zwar schon versucht, ihm durch seine Vergangenheit in schwierigen Verhältnissen etwas mehr Menschlichkeit mitzugeben. Das geschieht gerade in Gestalt seines Stiefbruders Jimmy Logan (Ryan Robbins), der am anderen Ende des Gesetzes versauert. Aber das hat mehr eine Alibifunktion, eine wirkliche Auseinandersetzung mit dem Thema Identität und Herkunft findet nicht statt. Wer das alles gar nicht braucht, sondern einfach nur zuschauen will, wie zwei Männer Jagd aufeinander machen, der kann es mit dem Thriller versuchen. Reasonable Doubt – Auf falscher Fährte ist nicht die komplette Katastrophe, welche die vernichtenden Kritiken vermuten lassen. Der Film frustriert vielmehr, dass er so viel mehr hätte sein können, wenn man sich stärker auf einzelne Themen und Elemente konzentriert hätte, anstatt ziellos weiterzurennen.

Credits

OT: „Reasonable Doubt“
Land: USA
Jahr: 2014
Regie: Peter Howitt
Drehbuch: Peter A. Dowling
Musik: James Jandrisch
Kamera: Brian Pearson
Besetzung: Dominic Cooper, Samuel L. Jackson, Gloria Reuben, Ryan Robbins, Erin Karpluk

Bilder

Trailer

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Reasonable Doubt – Auf falscher Fährte
„Reasonable Doubt“ beginnt mit einem interessanten Szenario, wenn ein Staatsanwalt einen Mann für einen Tod bestrafen soll, für den er selbst verantwortlich ist. Von diesem bleibt nach ein paar Wendungen aber nichts mehr übrig. Stattdessen wird daraus ein absurdes, nicht sonderlich spannendes Katz-und-Maus-Spiel mit einem unsympathischen Helden.
4von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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