Inhalt / Kritik

Landkrimi Das Mädchen aus dem Bergsee

„Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee“ // Deutschland-Start: 26. Mai 2021 (ZDF)

Eigentlich hatte die Polizistin Lisa Kuen (Patricia Aulitzky) gerade Urlaub. Doch als in dem See, an dem sie ihre Kindheit verbracht hat, eine Frauenleiche gefunden wird, meldet sie sich prompt zurück – sehr zum Ärger ihres Kollegen Alexander Yüsüf-Demir (Dominik Raneburger), der eigentlich in dem Fall ermitteln wollte. Die Spurensuche führt die beiden in ein Innsbrucker Bordell, wo die junge Frau gearbeitet hatte, sowie zu ihrer besten Freundin Tamara (Maresi Riegner). Dabei erfahren sie, dass die Verstorbene auf der Suche nach ihrem leiblichen Vater war. Hatte der Mord etwas damit zu tun? Oder könnte es doch Hary Hainl (Fabian Schiffkorn) gewesen sein, der Freund der Toten? Während Kuen immer tiefer in die Geschichte hineinbohrt, muss sie sich auch mit ihrer eigenen Vergangenheit auseinandersetzen – vor allem mit ihrem Vater Franz Kindl (Fritz Egger), zu dem sie seit dem Selbstmord ihrer Schwester keinen Kontakt mehr hatte …

Mord in der Region

In den letzten Jahren ist es in Deutschland zum Trend geworden, Krimis einen stark regionalen Anstrich zu geben. Im Kino lockt die mit Dampfnudelblues gestartete Reihe um den Provinzpolizisten Franz Eberhofer ein Millionenpublikum an, im Fernsehen gibt es beispielsweise Friesland oder Erzgebirgskrimi. In Österreich geht das Ganze noch ein wenig konsequenter. Da ging 2014 die Reihe Landkrimi an den Start, bei der jedes Mal ein anderes Bundesland drankommt. Zwanzig Filme wurden seither produziert, mit den unterschiedlichsten Teams. Ein bisschen wie das deutsche Pendant Tatort, nur eben stärker im Lokalen verwurzelt.

Hierzulande nahm man davon bislang eher weniger Notiz, was auch an der wenig einheitlichen Ausstrahlung hängt. Der 18. Film Steirerwut lief bei uns im Ersten, ganz ohne Verweis auf Landkrimi. Jetzt steht mit Das Mädchen aus dem Bergsee der 20. Film an, der diesmal im ZDF gezeigt wird. Dort folgt ein paar Tage später noch der 19. Film Waidmannsdank. Und auch wenn die Filme oft unabhängig voneinander funktionieren: Ein festes Publikum baut man sich auf diese Weise natürlich nicht auf. Wobei auch die Filme selbst ihre Teilschuld daran haben, dass die Reihe kaum Eindruck hinterlässt. Der letzte Teil war schon eher langweilig. Der neueste ist noch einmal schwächer.

Anstrengende Figuren, lächerlicher Fall

Das erste Problem ist, dass Kuen einfach keine besonders einladende Figur ist. Die Art und Weise, wie sie sich über andere kaltschnäuzig hinwegsetzt, mag ihr den einen oder anderen Erfolg als Ermittlerin bescheren. Sympathiepunkte sammelt sie damit aber kaum. Allgemein ist in Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee weit und breit niemand zu sehen, mit dem man gern Zeit verbringt. Klar muss ein Krimi nicht zwangsweise liebenswürdige Ermittler und Ermittlerinnen präsentieren. Gerade im skandinavischen Krimi zieht man Leute vor, die selbst immer mit einem Bein im Abgrund stehen. Aber das sollte dann doch auch irgendwie interessant sein. Hier ist das nicht der Fall: Wenn Figuren sich nur dadurch auszeichnen, dass sie sich gegenseitig anschnauzen, dann ist das schon sehr dünn.

Wenn wenigstens der Krimi als solcher spannend wäre. Aber auch in der Hinsicht hat Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee nur wenig zu bieten. Die Geschichte kommt ewig lang nicht vom Fleck, weil die Figuren entweder mit sich selbst beschäftigt sind oder auf bizarre Weise Zeit auf Spuren wie einen Mango-Topfenstrudel verschwenden. Wenn zum Schluss die Fäden zusammenfinden und der Mord aufgeklärt wird, dann wird es sogar richtig absurd. Das ist dermaßen lächerlich und konstruiert, eine Seifenoper hätte das nicht schlimmer hinbekommen. Am besten sind da noch die Szenen, in denen eigentlich nichts geschieht, man sich tatsächlich auf die schöne Landschaft konzentrieren kann. Aber das ist nicht genug, um anderthalb Stunden rechtfertigen zu können.

Credits

OT: „Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee“
Land: Österreich
Jahr: 2020
Regie: Mirjam Unger
Drehbuch: Eva Testor
Musik: Teresa Rotschopf, Patrick Pulsinger
Kamera: Eva Testor
Besetzung: Patricia Aulitzky, Dominik Raneburger, Maresi Riegner, Fritz Egger, Anna Thalbach, Fabian Schiffkorn

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Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee
Wenn in „Landkrimi: Das Mädchen aus dem Bergsee“ eine junge tote Frau im Wasser entdeckt wird, verspricht das atmosphärische Krimikost. Tatsächlich überzeugt der Film aber nur bei den Landschaftsaufnahmen. Die Figuren sind nervig, der Fall skrupellos überkonstruiert, zwischendurch wird es auch recht langweilig.
3von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

7 Responses

  1. Guido Groß

    Langweiliger geht wohl nicht mehr, und dafür muss ich Gebühren zahlen. Die Dialoge sind teilweise unverständliches Genuschel, eine Synchronisation wäre angebracht.
    Auf Filmrezessionen werde ich künftig nichts mehr geben.

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  2. Sabine Käufer

    Ich habe den Film nach 10 Minuten gelöscht, fand die Ermittlerin dermaßen nervig und nur ärgerlich, kann also eigentlich nichts weiter über den Film sagen. Fühle mich durch Ihre Rezension bestätigt!

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  3. Michael

    Lächerliche Handlung und in Verbindung mit der überwiegend unverständlichen Aussprache quasi ein Schlaftablettenersatz. Ausgehend vom Tatgeschehen hätte die wunderbare Landschaft doch das Zeug für einen spannenden Krimi!!!

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  4. Alfred Kerner

    Ein weiterer Film, bei dem man rein akustisch kaum etwas versteht wodurch man natürlich auch die fast surreale Handlung schwer überblickt. Ein Tipp an unsere Filmemacher: Wenn Schauspieler nicht mehr verständlich sprechen können und man die Tontechnik nicht beherrscht sollte man lieber wieder Stummfilme drehen.

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