Inhalt / Kritik

Landkrimi: Waidmannsdank

„Landkrimi: Waidmannsdank“ // Deutschland-Start: 31. Mai 2021 (ZDF)

Als in einer kleinen Kärntner Gemeinde ein Mann unglücklich von einem Hochstand fällt und dabei verstirbt, geht die Polizei zunächst von einem Unfall aus. Doch dann stellen Georg Treichel (Peter Raffalt) und Martina Schober (Jutta Fastian) fest, dass jemand die Sprossen präpariert hat. Und es soll nicht der einzige Vorfall bleiben: Hannes Guggenbauer sen. (Helmut Bohatsch), der Besitzer des Hochstandes, wird zur Zielscheibe eines erneuten Anschlags. Galt der erste Anschlag am Ende ihm? Gemeinsam mit Oberinspektorin Ilse Acham (Pia Hierzegger) untersucht Schober den Fall. Für sie ist das gleich doppelt schwierig, da neben Aufsichtsjäger Flattacher (Johannes Flaschberger) auch Hannes Guggenbauer jun. (Robert Stadlober) zu den Tatverdächtigen zählt – ihr eigener Neffe …

Düstere Vorzeichen

So richtig Fuß gefasst hat die österreichische Krimireihe Landkrimi bei uns ja noch nicht. Das liegt zum einen sicherlich an der verwirrenden Veröffentlichungsweise, die auf mehreren Fernsehsendern unter verschiedenen Titeln erfolgte. Aber auch die Qualität dürfte ihren Anteil daran haben, dass die deutschen Fans noch nicht so zahlreich sind. Steirerwut lockte zwar mit schönen Bildern, hatte sonst aber wenig zu bieten. Das Mädchen aus dem Bergsee fiel in erster Linie durch eine nervende Protagonistin auf und machte so gar keine Lust auf weitere Ausflüge in den Süden. Entsprechend waren die Erwartungen an Waidmannsdank nicht sonderlich hoch, der eigentlich zwischen den beiden obigen Titeln produziert wurde, aber erst nachträglich nun im ZDF läuft.

Auf den ersten Blick unterscheidet sich Landkrimi: Waidmannsdank, der 19. Teil der Reihe, auch nicht sonderlich von den Vorgängern. Erneut geht es – so das Markenzeichen dieser Filme – in die österreichische Provinz, wo ein Mord aufzuklären ist. Erneut kommen hierfür diverse Täter in Frage, die alle irgendwie ein Motiv für das Ableben haben. Für Verwirrung sorgt dabei zunächst die Erkenntnis, dass der erste Mord vielleicht ein falsches Opfer zur Folge hatte. Die Polizei, und damit das Publikum, dürfen also nicht nur rätseln, wer den Anschlag begangen hat, sondern auch, wer denn damit gemeint war. Für die Motivsuche ist eine solche doppelte Möglichkeit naturgemäß nicht sehr förderlich. Als Zuschauer freut es einen hingegen.

Mehr Drama als Krimi

Leider wird diese Richtung nicht sonderlich lange beibehalten. Es ist allgemein nicht so, dass der Krimi übermäßig erfüllend wäre. Landkrimi: Waidmannsdank ist sehr viel mehr mit den Menschen vor Ort beschäftigt, mit ihren Geschichten und den wechselseitigen Beziehungen. Für ein Publikum, das sich gerne den Kopf zerbricht, wer wann was wo warum getan hat oder getan haben könnte, bietet das eher weniger Stoff. Die Handlung ist in dem Film ohnehin überschaubar. Spannende Verfolgungsjagden sind in der österreichischen Provinz so gar nicht vorgesehen. Zum Ende hin wird es zwar ein wenig brenzliger, wenn die Ereignisse sich doch noch mal überschlagen. Ansonsten handelt es sich aber um einen sehr ruhigen Krimi, der oftmals einem Drama näher ist als einem tatsächlichen Genrebeitrag.

Pia Hierzegger (Der Boden unter den Füßen), die hier nicht nur eine der beiden Hauptrollen übernommen hat, sondern auch für das Drehbuch zuständig war, hat dabei prinzipiell keine neue Geschichte zu erzählen. Es geht wie so oft darum, dass die Lebensziele von Menschen nicht kompatibel sind und die Verfolgung derselben unweigerlich zu Konflikten führt. Konflikte, die sich durch die gesamte Bevölkerung ziehen. Da geht es um die Liebe. Da geht es aber auch darum, eine Perspektive zu bewahren, während um einen herum alles nach und nach zerbröselt. Die meisten haben die Gemeinde bereits verlassen, der Rest weiß nicht wirklich etwas mit sich anzufangen. Das gibt Landkrimi: Waidmannsdank eine sehr tragische Note, wenn wir hier Menschen zusehen, die während ihres Abstiegs ums Überleben kämpfen – und dabei schon mal zum Mörder werden. Für Helden ist dabei kein Platz, in den malerischen Aufnahmen des herbstlichen Nirgendwos sind nur Trauer und Verzweiflung übrig geblieben.

Credits

OT: „Landkrimi: Waidmannsdank“
Land: Österreich
Jahr: 2020
Regie: Daniel Prochaska
Drehbuch: Pia Hierzegger
Musik: Herwig Zamernik
Kamera: Matthias Pötsch
Besetzung: Jutta Fastian, Pia Hierzegger, Robert Stadlober, Johannes Flaschberger, Helmut Bohatsch, Peter Raffalt, Karolina Lodyga, Michael Pink

Bilder

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Landkrimi: Waidmannsdank
„Landkrimi: Waidmannsdank“ beginnt mit einem tödlichen Sturz von einem Hochstand und wird bald zu dem düsteren Porträt einer Gemeinde ohne Zukunft. Der Kriminalfall an sich wird dabei schnell zur Nebensache. Hier geht es mehr um die Menschen, ihre Verluste und die Verzweiflung.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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