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Erzgebirgskrimi Der Tote im Burggraben

„Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben“ // Deutschland-Start: 17. April 2021 (ZDF)

Als bei Ausbesserungsarbeiten der Burg Hartenstein eine Leiche ausgegraben wird, ist der Schock bei der Bevölkerung groß. Wer ist dieser Mann? Und warum lag er ausgerechnet dort? Bei ihren Ermittlungen finden Hauptkommissar Robert Winkler (Kai Scheve), seine junge Kollegin Karina Szabo (Lara Mandoki) und die Rechtsmedizinerin Charlotte von Sellin (Adina Vetter) heraus, dass es sich um einen Nachfahren der ursprünglichen Burgbesitzer handelt und dieser vor rund 30 Jahren ermordet wurde. Während Winkler und Szabo tiefer in die Geschichte des Ortes eintauchen und dabei von so manchem dunklen Geheimnis erfahren, hat Försterin Saskia Bergelt (Teresa Weißbach) mit einem Brandstifter zu kämpfen …

Der Ort spielt mit

Um in dem gnadenlos überlaufenen Feld deutscher TV-Krimis irgendwie auf sich aufmerksam machen zu können, wird zunehmend auf die Region als Unterscheidungsfaktor gesetzt. Filme wie Friesland: Haifischbecken oder Der Wien-Krimi: Blind ermittelt – Lebendig begraben verraten dann auch schon im Titel, wohin die Reise geht, und versuchen mit lokalem Flair das Publikum anzulocken. Ein weiteres Beispiel ist die ZDF-Reihe Erzgebirgskrimi, welche 2019 an den Start ging und mit Der Tote im Burggraben den nunmehr dritten Teil vorlegt. In dieser Reise geht es, wie unschwer zu erkennen ist, ins sächsische Erzgebirge, wo Traditionen noch besonders gepflegt werden. Mördersuche wird auf diese Weise mit ein bisschen Sightseeing verbunden.

Bei Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben halten sich diese Schauwerte jedoch eher in Grenzen. An einer Stelle dürfen wir uns in einem Laden umsehen, in dem touristische Schnitzereien verkauft werden. Außerdem fällt gefühlt in jedem zweiten Satz ein „Glück auf“, der ehemalige Bergmannsgruß. Doch das wirkt hier schon sehr forciert, so als gäbe es eine mit der Marketingabteilung vorher beschlossene Quote zu erfüllen. Auf den Inhalt des Films hat das ohnehin keinen Einfluss. Die hier erzählte Geschichte hätte prinzipiell in ganz Deutschland erzählt werden können. Das Erzgebirge wird hier also zu einem reinen Dekor reduziert, was schon irgendwie schade ist. Es entsteht trotz großer Bemühungen keine wirklich stimmige Atmosphäre.

Zwischen langweilig und solide

Nun muss ein Krimi natürlich nicht zwangsläufig mit einem ausgefallenen Setting aufwarten um zu fesseln. Wichtiger noch sind die Figuren und der zu bearbeitende Fall. Leider ist Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben aber auch in der Hinsicht alles andere als überragend. Richtig interessante Persönlichkeiten gibt es nicht. Zwar wird um das Polizeiduo versucht etwas aufzubauen – Winkler kämpft mit einer traurigen Vorgeschichte, Szabo will sich nicht richtig auf ihren Kollegen und Partner Maik (Adrian Topol) einlassen. Das reicht aber nicht aus, um ihnen wirklich Kontur zu verleihen. Bei den Gastfiguren sieht es nicht besser aus. Da gibt es ein bisschen Klischee hier, ein bisschen Drama dort. Große Ambitionen zeigte man beim Verfassen des Drehbuchs nicht.

Die Suche nach dem Mörder ist immerhin solide. Wie immer bei solchen Krimis kommt auf einen Toten zahlreiche potenzielle Täter und sich verdächtig verhaltende Personen. Welches Motiv dahinter stecken könnte, wird erst nach und nach klar, wenn diverse dunkle Geheimnisse gelüftet werden – vom Opfer wie der Bevölkerung. Das erfüllt dann schon alles seinen Zweck, das Ende ist sogar recht nett geworden. Davor gibt es aber zu viel Langeweile. Da helfen auch die hübschen Aufnahmen aus dem Wald und der Burg nicht, die zwischendrin für Auflockerung sorgen. Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben ist zwar kein schlechter Genrevertreter, bietet insgesamt aber einfach nicht genug in diesem umkämpften Feld. Zu mehr als Berieselung reicht es nicht.

Credits

OT: „Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Constanze Knoche
Drehbuch: Leo P. Ard, Rainer J. Jahreis
Musik: Mario Lauer
Kamera: Wolf Siegelmann
Besetzung: Kai Scheve, Lara Mandoki, Teresa Weißbach, Andreas Schmidt-Schaller, Adina Vetter, Adrian Topol, Thomas Thieme, Florian Lukas, Jutta Wachowiak, Ruth Reinecke, Michael Schenk

Bilder

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Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben
„Erzgebirgskrimi: Der Tote im Burggraben“ versucht zwar mit lokalem Flair zu punkten, ist aber zu forciert in dieser Hinsicht. Die Figuren und die Geschichte um eine vor 30 Jahren vergrabene Leiche sind ebenfalls nicht interessant genug, um in dem überlaufenen Feld der TV-Krimi hervorzustechen.
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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

4 Responses

  1. Gisela Winkler

    Es war mal wieder ein Durchschnittskrimi, den ich nur wegen des Lokalkolorits als Zwickauerin angeschaut habe.
    Was ich aber als ganz schlimm empfinde, ist, dass man dem Heimatdichter und Arzt Paul Fleming kein Wort widmete.
    Immerhin war er ein berühmter Barocklyriker und Schriftsteller und sein Denkmal steht unübersehbar auf dem Marktplatz. Etwas Kultur hätte man ihm gönnen und dem Publikum vermitteln können!

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  2. Heike Charles

    Erst fand ich, dass es solide Krimikost gibt. Aber ehrlich gesagt, ist es zum kotzen. Da teilt die Gerichsmedizinerin mit, es gäbe 3 – noch mal drei – Einschusslöcher. Es wurde aber nur einmal geschossen. Was war mit den anderen beiden Einschusslöchern?
    Die Filmemacher gehen wirklich davon aus, dass der Zuschauer zu blöd ist. Es mag ja Zuschauer geben, die das nicht mitkriegen. Leider wie im richtigen Leben. Für so einen Schmarrn Gebühren zu zahlen, ist schon mehr als fresch.

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  3. Petra Päßler

    Dieses Drehbuch des Filmes war sehr minderwertig.
    Seit 1990 ist auch in Sachsen die Welt nicht stehen geblieben – mit gleichen
    Steuern im Beitrittsgebiet.
    Wo gibt es einen Bürgermeister mit 30 Dienstjahren im Osten ???
    Ein Polizist richtet sich seine Amtsstube im ehemaligen Bahnhof selbst ein??
    Und Hartenstein neben der Talsperre Sosa zu plazieren, ist eine Schande
    für jeden Sachsen. Von der Vermischung der zuständigen Landsratsämter
    Aue/Schneeberg und Landkreis Zwickau ganz zu schweigen!
    Weitere Detailfehler lasse ich weg –
    Will der Fernsehsender im gesamten Deutschland dem Zuschauer im vereinten Deutschland mitteilen, das sich seit 1990 Menschen und Umgebung im Osten nicht verändert haben???
    Für mich war dieser Krimi wieder ein Zeichen von purer Volksverblödung !!

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  4. Gunhild Haaß

    Der ganze Film strotzt von Ungereimtheiten. Allen voran: Die Mörderin wirft die Leiche 1991 in genau den Graben, der erst 2020 gegraben wird, als man die Leiche findet ???

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