Inhalt / Kritik

Friesland - Haifischbecken

„Friesland: Haifischbecken“ // Deutschland-Start: 27. Februar 2021 (ZDF)

Die Zukunft ist da! Zumindest fast. Fest geplant ist der neue Friesland-Valley-Technologiepark in Leer schon, es sind auch bereits die ersten Gelder in die Investition geflossen. Und damit das auch alles schön so bleibt, entscheidet sich Kriminalhauptkommissar Brockhorst (Felix Vörtler), seine Untertanen Süher Özlügül (Sophie Dal) und Henk Cassens (Maxim Mehmet) als Personenschützer abzustellen. Sie sollen dafür sorgen, dass Investment-Company-Inhaber Johann Waal (Andreas Windhuis) während seines Aufenthalts auch bloß nichts geschieht. Das klappt aber nicht so wie gedacht. Erst ist Waal wie vom Erdboden verschluckt, dann taucht er als Leiche wieder auf, in einem Sarg, der eigentlich jemand anderem reserviert war. Und als wäre das nicht schon verwirrend genug, sind irgendwie auf einmal auch noch alle verdächtig …

Die frische Luft des Todes

Die meisten dürften die Nord- und Ostsee eigentlich mit Urlaub in Verbindung bringen. Mit schönen Landschaften, viel Ruhe und frischer Luft. Gleichzeitig gibt es auffällig viele Krimireihen, welche die Idylle als Schauplatz für Morde entdeckt haben. Das kann mal sehr düster sein wie die diversen Ausflüge beim Hamburger Tatort, zuletzt Tatort: Tödliche Flut, wo vor lauter Drama der Fall in Vergessenheit gerät. Bei Nord Nord Mord geht es hingegen sehr humorvoll zu, wenn es im Ermittlerteam hoch her geht. Nord bei Nordwest ist ein bisschen dazwischen, setzt zwar auch auf kuriose Figuren, war zuletzt aber doch mit viel Ernst an die Sache gegangen.

Ernste gesellschaftliche Themen gibt es in Friesland: Haifischbecken auch. Nicht nur, dass im Mittelpunkt des Geschehens das geplante Technologiezentrum steht und damit der immer wieder beliebte Kampf zwischen Tradition und Moderne. In einem Nebenstrang darf außerdem zwischen einer Apothekerin und einer Dame, die auf alternative Heilmethoden schwört, heftig darum gestritten werden, ob nun Wissenschaft oder Natur besser ist. Eine wirkliche Auseinandersetzung mit diesen Themen findet aber nicht statt. Das Drehbuch möchte lieber mit den kauzigen Charakteren und ihren Reibungen ihren Spaß haben.

Lasst die Streitereien beginnen!

Von Letzteren gibt es jede Menge. Beim mittlerweile 12. Teil der ZDF-Reihe Friesland wird eigentlich unentwegt miteinander gestritten. Das kann aus beruflichen Gründen geschehen oder weil verschiedene Weltansichten aufeinanderprallen. Zwischendurch gibt es auch rein private Gründe, etwa bei den Ehestreitigkeiten zwischen Rieke (Christin Nichols) und Klaus Holsten (Florian Stetter). Und dann gibt es noch Figuren wie Brockhorst oder das alte Biest Vera Tillich (Tatja Seibt), die von Natur aus so sehr auf andere herabblicken, dass jede Begegnung automatisch eine Konfrontation bedeutet. Tatsächlich wird Haifischbecken in der Hinsicht seinem Titel auf jeden Fall gerecht: Da kämpft jeder gegen jeden, oft auf engstem Raum. Wie viel Spaß man an dem Film hat, hängt deshalb auch maßgeblich davon ab, wie sehr man sich an eben diesen Streitereien erfreut. Sonderlich konstruktiv oder vielschichtig geht es dabei nicht zu. Da wird eher wild um sich geschlagen, was auf Dauer schon irgendwie ermüdend wird.

Hinzu kommt: In Friesland: Haifischbecken sind tatsächlich sympathische Figuren eine sehr überschaubare Minderheit. Da gibt es kaum jemanden, den man tatsächlich mag oder der wenigstens interessant genug ist, dass man ihm Gesellschaft leisten wollte. Besser sieht es da schon in Hinblick auf den Kriminalfall aus. Nicht nur, dass man hier praktisch jedem einen Mord zutrauen würde bei dieser geballten Aggressivität. Überzeugende Alibis hat zudem keiner. Dadurch wird in einer beachtlichen Geschwindigkeit zwischen den Verdächtigen hin und her gewechselt, ohne dass man je wirklich vorankommt. Die Auflösung ist dann leider auch recht willkürlich, so als hätte man letztendlich das Ergebnis einfach ausgewürfelt. Wer gerne miträtselt, um selbst auf die Lösung zu kommen, der hat keine wirkliche Chance. In der Summe ist das noch nett genug, um sich einen langweiligen Samstagabend damit zu füllen. Blut geleckt für weitere Fälle hat man im Anschluss jedoch kaum.

Credits

OT: „Friesland: Haifischbecken“
Land: Deutschland
Jahr: 2021
Regie: Thomas Durchschlag
Drehbuch: Georg Ludy
Musik: Thomas Mehlhorn
Kamera: David Schultz
Besetzung: Maxim Mehmet, Sophie Dal, Theresa Underberg, Holger Stockhaus, Felix Vörtler, Tina Pfurr, Genija Rykova, Christin Nichols, Florian Stetter, Tatja Seibt, Jochen Matschke

Bilder



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Friesland: Haifischbecken
In „Friesland: Haifischbecken“ wird ein Investor tot aufgefunden und irgendwie könnten es alle gewesen sein. Dennoch ist der Film als Krimi nur bedingt zu empfehlen, da die Auflösung willkürlich ist. Mehr Spaß hat, wer sich an den allgegenwärtigen Streitereien erfreut, die teils unterhaltsam, teils auch einfach nur anstrengend sind.
5von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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