In Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht (TV-Ausstrahlung: 24. April 2021 um 20.15 Uhr auf Das Erste) trauern zwei Menschen um ihre jeweiligen Partner*innen, können diese aber nicht für tot erklären lassen, weil die Leichen nicht gefunden wurden. Aus gutem Grund: Beide sind in Wirklichkeit gar nicht tot, sondern haben sich aus dem Staub gemacht. Roman Knižka spielt einen der beiden untreuen Untoten. Wir haben uns mit dem Schauspieler im Interview über die TV-Komödie, das Geheimnis funktionierender Partnerschaften und den Reiz von Antagonisten unterhalten.

In Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht spielen Sie einen Mann, der seinen Tod vortäuscht, um ein neues Leben zu beginnen. Was hat Sie an dem Film gereizt?

Ich spiele ja in der Parallelstory zu der Hauptgeschichte. Dadurch weißt du, dass du sozusagen immer der Gegenspieler bist und auch eine andere Farbe reinbringen musst. Bei uns wurde gebündelter erzählt, da wir nicht ganz so oft zu sehen sind. Dafür durften wir dann richtig auf die Kacke hauen, zum Beispiel in komödiantischer Hinsicht. Da musst du deutlicher stolpern oder noch erschreckter gucken, wenn irgendwas passiert. Das ist ein kleines Gesetz beim Film.

Was liegt Ihnen denn mehr, der Protagonist oder der Antagonist?

Das kann ich so gar nicht sagen. Beim Protagonisten stört mich häufig, dass von ihm eine Grundfarbe abverlangt wird, die vom Anfang bis zum Ende gleich bleibt. Das kann natürlich schnell langweilen. Da ist es schon interessanter, einen Antagonisten zu spielen, der an sich selbst zweifelt und Probleme mit sich herumschleppt. Ich möchte generell lieber Figuren spielen, bei denen es Brüche gibt, so wie bei jedem Menschen. Auch ein Antagonist kann Nöte haben. Und dann wird es schon spannend. Mein Enno ist ja auch kein Böser in dem Sinne. Er ist nur schrecklich naiv. Gleichzeitig hat er aber auch andere positive Seiten. Sonst hätte sich seine Frau nicht in ihn verliebt. Es würde ihr dann auch nicht so schwer fallen, sich wieder von ihm zu lösen.

Ihre Figur steckt in einer ziemlichen Sinnkrise und will etwas Neues mit seinem Leben anfangen. Sind Sie jemals in einer vergleichbaren Situation gewesen und haben zum Beispiel an der Schauspielerei gezweifelt?

Ich war nie in der Situation, dass ich an der Schauspielerei als solcher gezweifelt hätte, nein. Ich kann mir aber schon vorstellen, dass es einem so geht, wenn man beispielsweise jahrelang in einer Serie mitspielt oder anderweitig an eine bestimmte Produktion gebunden ist. Da will man dann irgendwann doch etwas anderes machen und nicht immer nur dasselbe. Aber das war bei mir zum Glück nie der Fall. Bei mir waren die Rollen immer so abwechslungsreich, dass ich keinen Grund zur Klage habe. Ich hatte auch nie Angst davor, in eine bestimmte Schublade gesteckt zu werden. Ich habe alle möglichen Rollen gespielt, alle möglichen Genres.

Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht

Enno (Roman Knižka) und Anke (Sabine Waibel) träumen von einem neuen Leben. Und der führt in „Wer einmal stirbt, dem glaubt man nicht“ über einen fingierten Tod (© ARD Degeto/Torsten Jander)

Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht nutzt als Komödie dabei schon einen etwas gemeineren Humor. Teilen Sie diesen? Was bringt Sie persönlich zum Lachen?

Ich bin schon ein Freund des Sarkasmus, muss ich sagen. Ironie mag ich auch sehr, sehr gern. Ironie ist für mich ein Zeichen von Intelligenz und Erfahrung. Kleine Kinder können damit noch gar nichts anfangen, weil sie die Welt eins zu eins brauchen. Das kommt erst später. Dabei ist es sehr wichtig, der Welt auch mit Humor zu begegnen. Bei Umfragen steht der Humor oft an erster Stelle, wenn nach den entscheidenden Eigenschaften des Partners oder der Partnerin gefragt wird. Weil wir das brauchen, auch einfach mal lachen zu können.

In dem Film wird allgemein öfter darüber gesprochen, was es für eine funktionierende Partnerschaft braucht. Was wäre das Ihrer Meinung nach, außer dem Humor?

Austausch. Das ist das A und O. Wenn jeder in einer Partnerschaft seine Wege geht, klingt das immer sehr freiheitlich. Aber es klingt eben nur so. Als Partner verstehst du dich nur, wenn man Dinge miteinander teilt. Wenn man Freude und Leid miteinander teilt. Das klappt mal, das klappt mal nicht. Dann muss man wieder daran arbeiten. Manche lassen das auch schleifen. Das kann zwischendurch natürlich schon mal vorkommen. Aber wenn du es zu lange schleifen lässt, stellst du irgendwann fest, dass ihr euch auseinandergelebt habt.

Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht

Schicksalsgemeinschaft: Clara Göss (Julia Koschitz) und Ulf Lundin (Heino Ferch) (© ARD Degeto/Torsten Jander)

In Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht kommen sich Clara und Ulf aufgrund des Schicksalsschlages auch romantisch näher. Kann eine solche Gemeinsamkeit Grundlage einer Beziehung sein?

Natürlich. Wenn zwei ein echtes Ereignis miteinander teilen, ist das eine echte Basis. Es ist auch eine echte Basis, wenn man eine Zeit lang gemeinsam aufgewachsen ist. Bei Freundschaften hast du das ganz oft. Ich habe Freunde, mit denen ich in der Jugend so viel geteilt habe, dass es nichts ausmacht, wenn wir uns mal fünf Jahre nicht sehen. Die Basis ist da, an die du anknüpfen kannst. Und so ein Schicksalsschlag, den du gemeinsam erlebst und durchlebst, das kann ein emotionaler Teppich sein, auf dem beide stehen.

Neben dem Thema Liebe und Gefühle ist auch das des Todes im Film sehr wichtig. Sie selbst spielen jemanden, der seinen eigenen Tod vorgetäuscht hat. Wenn Sie Ihren vortäuschen müssten, wie würden Sie das anstellen?

Das darf ich hier nicht verraten, für den Fall, dass ich es mal brauche. Sollte ich irgendwann einmal unauffindbar sein, dann hauen Sie das raus. Deswegen muss ich das leider für mich behalten. (lacht)

Ein Diskussionspunkt rund um das Thema Tod in dem Film ist die Trauerfeier, welche Ulf für Anke organisiert und bei der schnell klar wird: Es geht dabei nur um ihn selbst und seine Wünsche. Ganz grundsätzlich: Sollten solche Trauerveranstaltungen sich an den Verstorbenen oder den Hinterbliebenen ausrichten?

Stimmt, das wird bei Ulf zu einem richtigen Egotrip. Da sollte man sich selbst schon zurücknehmen. Man gedenkt in dem Moment ja der Verstorbenen und es kommen lauter Menschen zusammen, denen diese Verstorbenen etwas bedeutet haben. Das bedeutet aber nicht, dass alle ganz verkrampft und still herumstehen müssen. Meiner Meinung nach braucht es gar nicht dieses Gefühl der Beklemmung, was es oft bei Trauerfeiern gibt, wo sich keiner traut etwas zu sagen. Die Leute sollten sich in dem Moment austauschen und die Geschichten erzählen, mit denen sie die Verstorbenen verbinden.

Haben Sie sich denn schon einmal Gedanken darüber gemacht, wie Ihre Trauerfeier aussehen könnte? Oder ist das auch noch geheim?

Ja, das habe ich. Momentan bin ich an dem Punkt der Musikwahl. Es sollte klassische Musik sein.

Dass man nicht alles im Leben planen kann, zeigt die Entstehungsgeschichte von Wer einmal stirbt dem glaubt man nicht, als Sie mitten im Dreh aufgrund der Pandemie abbrechen mussten. Wie war das für Sie?

Genau, nach der Hälfte der Drehzeit mussten wir abbrechen. Danach ist jeder erst mal wieder mit seltsamen Gefühlen nach Hause. Erst Monate später ging es weiter. Das bedeutete für uns alle eine ziemliche Herausforderung. Zum einen waren die Drehbedingungen ganz andere. Wir mussten Distanz halten und uns an diverse Vorschriften halten. Beim Proben mussten wir alle Masken tragen, was für Regie und Kamera schwierig war. Vor allem war der Drive natürlich weg. Wir hatten uns gerade eingespielt und aufeinander eingestellt. Das musstest du erst einmal wieder schaffen. In einer solchen Stimmung Szenen zu spielen, in denen du ganz locker-flockig auftreten sollst, das ist nicht einfach. Hinzu kommt, dass du einen Film ohnehin nicht chronologisch drehst. Da musste sich das gesamte Team erst einmal wieder reinfinden. Es war für mich dadurch auch ein sehr komisches Gefühl, vor Kurzem den gesamten Film das erste Mal gesehen zu haben.

Jetzt, da Sie das alles hinter sich haben, wie geht es in Zukunft weiter? Welche Projekte stehen bei Ihnen an?

Aktuell drehe ich einen Film für Netflix. Außerdem plane ich demnächst auf Tournee zu gehen. Wir feiern derzeit 1700 Jahre jüdische Kultur. Und das möchte ich mit den klassischen Musikern des Ensembles Opus45 auf einer Literaturkonzert-Tournee beleuchten. (www.opus45.de/ Anm. d. Red.) Geplant sind bislang 35 Konzerte in ganz Deutschland und in den unterschiedlichsten Sälen, von Bibliotheken über Theater und Mensa einer Schule bis zu einer Kirche. Natürlich müssen wir da im Einzelnen schauen, was die aktuelle Lage ermöglicht, ob das ein Stream ist oder ein Konzert vor einem Live-Publikum. Es wird auf jeden Fall sehr spannend und ich freue mich darauf.

Vielen Dank für das Gespräch!

Zur Person
Roman Knižka wurde am 8. Februar 1970 in Bautzen geboren. Nach seiner Schulzeit absolvierte er an der Dresdner Staatsoper eine Ausbildung als Theatertischler und arbeitete anschließend als Dekorateur am Staatsschauspiel Dresden. Im Anschluss erfolgte eine Ausbildung an der Westfälischen Schauspielschule in Bochum. Seither trat er in den unterschiedlichsten Filmen und Serien auf, über alle Genres hinweg. Vor allem im Fernsehen ist er sehr aktiv. Darüber hinaus ist er als Sprecher von Hörspielen und Hörbüchern tätig.



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Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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