James Kermack ist ein britischer Filmemacher, Schauspieler und Drehbuchautor. Während er als Schauspieler in kleineren Rollen in Produktionen wie Die Insel der besonderen Kinder oder Dead in a Week (oder Geld zurück) mitwirkte, hat er sich spätestens mit dem Drama Hi-Lo Joe auch als Regisseur hervorgetan. Für seinen zweiten Film Knuckledust stand Kermack ein sehr viel großzügigeres Budget zur Verfügung, was dieser nutzte, um einen wilden Genremix zu drehen, der sich nicht nur bei seinen Kollegen wie Quentin Tarantino oder Landsmann Guy Ritchie bedient, sondern auch Anspielungen auf das asiatische Actionkino beinhaltet. Im Interview spricht James Kermack über die Inspirationen des Films, die Kampfszenen und über seine Lieblingsszenen.

Im Vergleich zu Hi-Lo Joe, deinem letzten Film, geht Knuckledust genretechnisch in eine ganz andere Richtung. Was schätzt du am Action- und am Thrillergenre?

Ich mag die Möglichkeiten, die einem das Genre bietet. Nicht nur hat man ein gewisses erzählerisches Grundgerüst, sondern man kann Kampfszenen oder auch dramatische Momente einbauen. Alles ist möglich.

In Knuckledust sind wir viele Risiken eingegangen, denn an vielen Stellen, an denen man eigentlich einen Kampf erwarten würde als Zuschauer, stehen dramatische Szenen oder umgekehrt. Darüber hinaus hat es eine gewisse Ästhetik, ich würde sogar sagen Schönheit, wenn man sieht, wie die Fäuste fliegen in dieser stilisierten Wirklichkeit, in welcher der Film spielt. Wir wollten dem Film eine Grindhouse-Ästhetik geben, eine Welt, in der sich Figuren begegnen, denen man in der Realität eigentlich nie begegnen würde und es auch nicht will. Die wollten wir dann aufeinander loslassen.

Die Arbeit an Knuckledust gab dir die Möglichkeit, mit Schauspielern wie Phil Davis zu arbeiten, welcher auf eine lange Karriere in der Filmindustrie zurückblicken kann. Wie war die Zusammenarbeit mit ihm?

Phil Davis ist ein echter Profi. Er kommt pünktlich zum Set, kann seinen Text perfekt und er gibt sein Bestes bei jedem Take. Wenn ich die Möglichkeit hätte, mit jemandem wie ihm für den Rest meines Lebens zusammenzuarbeiten, würde ich keinesfalls Nein sagen. Bei jeder seiner Szenen war es toll, ihm zuzusehen und es war für mich schon etwas unwirklich, seinen Namen jeden Tag auf der Besetzungsliste meines Filmes zu lesen.

Phil war auch einer der ersten Schauspieler, die mir für den Film zusagten, drei Jahre, bevor die Produktion dann endlich anlief. Ich dachte mir schon, dass es wahrscheinlich eines der verrücktesten Projekte sein wird, an denen er jemals mitarbeiten würde. Doch er ließ sich auf alles ein und schlussendlich muss ich sagen, dass es ein wahres Privileg war, mit ihm zusammengearbeitet zu haben.

Knuckledust hat einige sehr interessante Kampfszenen zu bieten. Kannst du uns etwas zur Arbeit an diesen sagen, insbesondere zu der langen Sequenz, in welcher die Hauptfigur es mit mehreren Kontrahenten in einem langen Gang aufnimmt?

Meine Intention für die Kämpfe war es, sie innerhalb dieser stilisierten Wirklichkeit des Filmes anzusiedeln, mit dieser übertriebenen Optik und den Figuren, doch gleichzeitig Hard Eight, den Hauptcharakter etwas mehr zu erden. Man sieht, wie die Kämpfe ihm mit der Zeit zusetzen, wie er verwundet und erschöpft ist. Jedes Mal muss er etwas mehr einstecken, egal, ob in einer Konfrontation mit einem Typen, der größer ist als er, oder jemandem, der ihn mit Nunchakus angreift.

Die Szene im Flur, auf die du anspielst, ist übrigens eine Hommage an das asiatische Kino, also Filme wie Oldboy, Snowpierceroder Der Mann mit der Todeskralle.

Der Film zeichnet sich durch eine Vielzahl sehr bunter und skurriler Figuren aus. Hast du einen Favoriten? Wenn ja, was ist deine Lieblingsszene mit dieser Figur?

Das ist wirklich nicht einfach, denn ich mag diese Figuren alle sehr gern. Wenn ich aber wählen muss, würde ich mich wahrscheinlich für Guillaume Delaunays Figur des stummen Handlangers Tombstone entscheiden. Es ist ein Charakter, der nach außen hin wie ein wahres Monster wirkt, der aber immer wieder auch zeigt, dass er ein Herz hat. Guillaume hat die unglaubliche Gabe, über Gesten und seine Mimik diese beiden Seiten der Figur zu zeigen.

Eine meiner Lieblingsszenen ist auch eine mit Tombstone, nämlich, als er und Hard Eight sich unterhalten per Zeichensprache. Keine Musik, kein Kampf, kein Sounddesign, nur die beiden Figuren und wie sie sich unterhalten. Ich liebe diese Szene einfach.

Wie war die Zusammenarbeit mit Walter Mair für die Filmmusik zu Knuckledust?

Walter ist ein Genie. Es war mitten im ersten Lockdown, als wir anfingen, uns ernsthaft mit der Musik zu Knuckledust zu befassen. Ich schickte ihm eine Playlist mit Stücken von Ennio Morricone, Hans Zimmer, John Carpenter und Elmer Bernstein, also eine breite Mischung verschiedener Stilrichtungen und Stimmungen. Walter brachte dann Künstler aus aller Welt für die Filmmusik zusammen, mit denen er verbunden war.

Für den Track „Time to Fight“, den man am Schluss des Filmes hören kann, habe ich den Text geschrieben für Christop Pichler und Christy O’Donnell, während Walter die Musik komponierte. Die Idee dazu entstand, weil wir Hard Eights Kampfmusik, wenn er in den Ring steigt, sehr mochten, aber das Gefühl hatten, diese müsse noch Gesang habe.

Knuckledust scheint bisweilen mehr zu sein als ein Actionthriller, denn in vielen Szenen wirkt die Geschichte wie ein Kriegsfilm, dann aber wieder wie ein Drama. Hinzu kommt, dass viele Sequenzen animiert sind. Gibt es eigentlich ein Genre, welches du als Schauspieler oder als Regisseur ausprobieren und für dich entdecken würdest?

Ich finde es toll, wenn du all das in der Geschichte des Films siehst, denn es war unsere Intention, diese Genres zu berühren. All die Charaktere, die wir in Knuckledust sehen, sind eigentlich Teil eines ganz eigenen Films, wenn man so will, eines Kriegsfilms oder eines Dramas, und ich wollte all diese Einflüsse miteinander mischen. Dabei geht es mir eigentlich weniger um ein spezifisches Genre, sondern mehr um die Geschichte einer jeden Figur und wie diese sich in den Kontext des Films einfindet.

Ich mag viele Genres, von Western, den Samuraifilmen von Akira Kurosawa, schwarzen Komödien  bis hin zu Horrorfilmen, die sich mit Themen wie der Klassengesellschaft auseinandersetzen. Es geht mir als Filmemacher darum, Geschichten zu erzählen, mich weiter entwickeln und Risiken einzugehen bei den Projekten, die ich wähle.

Ohne allzu viel vorwegzunehmen, aber das Ende von Knuckledust deutet an, dass es noch eine Fortsetzung geben könnte. Stimmt das?

Das stimmt. Das Ende verweist auf eine potenzielle Fortsetzung, die bereits in der Entwicklung ist. Im Moment reden wir auch darüber, wie es wäre diese Figuren und ihre Welt in andere Medien wie Videospiele oder Comics zu transportieren. Knuckledust gibt dem Zuschauer einen kleinen Vorgeschmack auf eine vielschichtige, komplexe Welt, in der er noch sehr viel mehr zu entdecken gibt.

Vielen Dank für das nette Gespräch.



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