Inhalt / Kritik

Knuckledust

„Knuckledust“ // Deutschland-Start: 30. April 2021 (DVD/Blu-ray)

Als die Polizei den Untergrund-Fight-Club „Knuckledust“ stürmt, hat sie sicher mit vielem gerechnet. Doch das, was sie dort vorfindet, übertrifft ihre kühnsten Erwartungen. Denn dort gibt es nicht nur Berge von Waffen und Unmengen an Kokain. Sie finden vor allem zahllose Leichen. Lediglich ein Mann, der sich „Hard Eight“ (Moe Dunford) nennt, scheint das Blutbad überlebt zu haben. Aber was ist da vorgefallen? Handelt es sich bei ihm um den alleinigen Täter? Und wo ist die Verbindung zur Club-Besitzerin Serena Marcos (Camille Rowe)? Nun liegt es an Polizeichefin Keaton (Kate Dickie) die Wahrheit herauszufinden und die schrecklichen Ereignisse zu rekonstruieren. Einfach ist das nicht, denn die Geschichte, die ihnen Hard Eight erzählt, wird von Minute zu Minute bizarrer …

Was ist denn hier passiert?

Ein beliebter Kniff bei Filmen ist, die Geschichte mit einer völlig absurden, außer Kontrolle geratenen Szene zu beginnen, nur um dann nachträglich den Weg dorthin zu erzählen. Das kann ganz effektiv sein, lässt sich auf diese Weise doch gut Neugierde erzeugen. Man will ja schließlich wissen, was da vorgefallen ist. Knuckledust folgt dieser Erzählmechanik, wenn auch in einer kleinen Variation. Es ist hier weniger eine Situation, die zum Auftakt einer Retrospektive wird, sondern deren Ergebnis: ein Gebäude voller toter Menschen. Denn das ist selbst im Kontext brutaler illegaler Kämpfe etwas erklärungsbedürftig. Es erinnert auch ein wenig an den polnischen Film Meine Freunde sind alle tot vor einigen Wochen, bei dem ebenfalls die Geschichte damit beginnt, dass die Polizei vor einem rätselhaften Leichenberg steht.

Wobei die zwei Filme trotz ähnlicher Ausgangslage in eine unterschiedliche Richtung gehen. Zum einen wurde beim polnischen Kollegen schnell klar, dass es sich um eine Verstrickung unglücklicher Ereignisse handelte, die zu einer Kettenreaktion führten. Bei der britischen Produktion Knuckledust hingegen war von Anfang an der Wille zur Gewalt da. Schließlich traf man sich in dem Club, um sich gegenseitig die Rübe einzuschlagen, sie zuweilen auch einfach mit Kugeln zu durchlöchern. Erlaubt ist, was tot macht: Hand, Fuß, Baseballschläger. Entsprechend geht es im Verlauf der Geschichte schon mal ordentlich zur Sache. Irgendwoher müssen die vielen Toten nun einmal kommen.

Blutige Kämpfe auf mehreren Leveln

Die Actionszenen sind dabei durchaus vorzeigbar geworden. Allzu filigrane Kämpfe sollte man hierbei natürlich nicht erwarten, in den Katakomben des Clubs sind weder Feingeister noch Künstler unterwegs. Aber es ist doch zwischendurch auch mal schön, Kämpfe zu präsentieren, die tatsächlich wie solche aussehen, anstatt nur Leuten beim Herumhampeln vor Green Screens zusehen zu müssen. Da ist Knuckledust doch deutlich körperlicher angelegt. Realismus sollte man hingegen nicht erwarten. Vielmehr präsentiert Regisseur und Drehbuchautor James Kermack sein Untergrund-Gemetzel als eine Art Videospiel, in dem sich unser Held über mehrere Levels hinweg beweisen muss. Das geht auch mit vereinzelten visuellen Spielereien einher, wenn auf einmal die Perspektive zu einer Totalen wechselt.

Hin und wieder versucht er zudem, das grausige Geschehen durch Humor aufzulockern. Der ist allerdings – wie der Film insgesamt – ein bisschen zu sehr darum bemüht cool zu wirken. Es gibt die üblichen überzogenen Sprüche, wie man bei solchen Action- und Gangsterfilmen oft findet. Da werden doch immer mal wieder die Einflüsse eines Guy Ritchie offensichtlich, der wie kaum ein anderer für diese Mischung aus Unterweltkaracho und verbale Attacken bekannt ist. Neu oder originell ist Knuckledust in der Hinsicht deshalb sicher nicht. Das war vermutlich aber auch gar nicht die Absicht von Kermack, der seinen Untergrundclub mit diversen Karikaturen bevölkert. Hier soll eben alles etwas übertrieben sein.

Wendungen ohne Ende

Das gilt am Ende auch für die Geschichte. Der Filmemacher, der seine Karriere als Schauspieler begann und hier selbst eine kleine Rolle übernimmt, wollte letztendlich mehr als nur ein geradliniges von A nach B Kämpfen. Und so baute er diverse Wendungen ein, die trotz des begrenzten Settings für Abwechslung sorgen sollen. Das tun sie dann auch, selbst wenn man beim Ergebnis geteilter Meinung sein kann. Knuckledust schlägt da schon etwas übertrieben Haken, die es so gar nicht gebraucht hätte. Da hätte es weniger auch getan, ebenso bei der Laufzeit. Im Großen und Ganzen stimmt der Unterhaltungsfaktor aber, zumal das Ensemble gut mitspielt. Vor allem das Zwischenspiel von Moe Dunford (Handsome Devil) und Kate Dickie (Get Duked!) trägt dazu bei, dass der B-Movie immer wieder Laune macht.

Credits

OT: „Knuckledust“
Land: UK
Jahr: 2020
Regie: James Kermack
Drehbuch: James Kermack
Musik: Walter Mair
Kamera: Pat Aldinger
Besetzung: Moe Dunford, Kate Dickie, Gethin Anthony, Sébastien Foucan, Chris Patrick-Simpson, Camille Rowe

Bilder

Trailer

Interview

James Kermack KnuckledustWie war der Dreh zu Knuckledust? Und wird es vielleicht eine Fortsetzung geben? Diese und weitere Fragen haben wir Regisseur und Drehbuchautor James Kermack in unserem Interview gestellt.

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Knuckledust
Berge voller Waffen, Drogen und Leichen: „Knuckledust“ beginnt mit richtig viel Stoff und richtig vielen Fragen. Daraus wird ein launiger Actionfilm mit humorvollen Sprüchen, die jedoch etwas zu sehr auf cool gemacht sind. Auch bei den Wendungen hätten weniger gereicht, gerade zum Ende schlägt die Geschichten unnötig Haken.
6von 10

Über den Autor

Chefredakteur

Habe schon als Kind mit großen Augen im Kino gesessen und Märchenfiguren, Sternenkrieger und andere Gestalten bewundert. Seit 2008 schreibe ich als freier Journalist über Kulturthemen, 2015 habe ich die Leitung der Seite übernommen. Sehe inzwischen rund 1000 Filme und Serien jedes Jahr und habe dadurch eine Vorliebe für die leiseren, ungewöhnlichen Geschichten entwickelt, die im Getöse gerne untergehen.

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